Böllerwerfer vor Gericht
„La Bomba“ wird richtig teuer

Es handelte sich um einen Zug durch die Stadt der ganz außergewöhnlichen Art. Dumpfe Knallgeräusche ertönten, dann explodierten Metallbehälter. Das brachte drei jungen Männern ein Verfahren durch die Staatsanwaltschaft ein.

Amberg-Sulzbach. Chinesische Böller, auf Asiamärkten in der Tschechischen Republik angeboten, haben meist vor dem Jahreswechsel Hochkonjunktur. Dann liegen Polizisten auf deutscher Seite auf der Lauer und stellen diese pyrotechnischen Erzeugnisse in ganzen Ladungen sicher. Der Grund: Solche Kracher und Raketen sind in der Bundesrepublik streng verboten. Denn sie enthalten unberechenbare Mengen an Sprengstoff.

Ungenehmigte Böller


Dass es solche Artikel auch im Sommer drüben im Nachbarland gibt, ist neu. Es wurde erstmals offenkundig, als jetzt drei 20-Jährige vor dem Jugendrichter Peter Jung in Amberg saßen. Dabei wurde deutlich: Die in Deutschland ungenehmigten Böller der Marken "La Bomba" und "Cobra" waren vergangenes Jahr im Juli von einem der Angeklagten in Tschechien geholt und eingeschmuggelt worden.

Für einen Festivalbesuch


Eigentlich seien sie für einen Festivalbesuch gedacht gewesen, erfuhr der Richter. Doch irgendwie reizte es die jungen Leute wohl, ein paar der unberechenbaren "Cobra"-Knaller schon früher zu zünden. Was dann am 30. Juli vergangenen Jahres in Auerbach passierte, war im wahrsten Sinn des Wortes heftig. Die drei Männer fuhren im Auto durch die Stadt und ließen einige der Böller wahllos detonieren.

Die Kracher flogen in Müllbehälter, sie explodierten auch in einem Altglascontainer und einem Metallkasten, der für den Einwurf von Hundekot gedacht war. Alles öffentliche Einrichtungen und im Besitz der Stadt und des Landkreises.

Später bekamen die Männer Rechnungen von der Stadt und vom Landkreis. Sie machten insgesamt knapp 3000 Euro aus. "Wir haben alles bezahlt", erfuhr der Jugendrichter von den Angeklagten. Sie gaben ihren dröhnenden Streifzug durch Auerbach zu. Allerdings konnte später einem aus dem Trio die unmittelbare Beteiligung an den Detonationen nicht nachgewiesen werden. Er bekam aber 1000 Euro Geldstrafe, weil er die Böller aus dem Nachbarland eingeführt hatte. Die beiden anderen müssen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung 1000 beziehungsweise 2000 Euro zahlen.

Nichts Neues


Ein teurer "Spaß", der für Jugendrichter Jung allerdings von der Aktenlage her nicht neu war. Er muss mehrfach im Jahr über Begebenheiten urteilen, bei denen Silvesterkracher in Metallbehälter geworfen werden. Die von ihm im Fall Auerbach getroffene Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Sie könnte mit einer Berufung zum Landgericht angefochten werden.
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