Borkenkäfer-Beseitigung erfolgt notfalls von Amts wegen
Wo der Käfer-Spaß aufhört

Von diesem Brutbild hat die Borkenkäfer-Unterart des Buchdruckers ihren Namen: Vom Muttergang zweigen Larvengänge sauber wie Buchseiten ab. Bild: Steinbacher

Wer den Borkenkäferbefall in seinem Wald nicht ernst nimmt und sich weigert, etwas dagegen zu tun, kommt damit nicht durch. Diese Erfahrung machte jetzt ein Waldbesitzer bei Auerbach: Sein Grundstück wurde von Amts wegen gesäubert. Er bekam die Rechnung dafür.

Amberg-Sulzbach. Am Donnerstag zeigte die Borkenkäfer-Karte der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (www.fovgis.bayern.de/borki/) die Region Amberg-Sulzbach noch als gelbe Fläche an: Warnstufe. Südlich davon ist schon alles rot: Gefährdungsstufe. Wolfhard-Rüdiger Wicht, der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg (AELF), geht auf AZ-Nachfrage davon aus, dass zum Wochenende auch der Landkreis auf Rot springt. Das signalisierten die Fangzahlen bei den Borkenkäferfallen im Forstrevier Illschwang: "3000 Käfer pro Fallenleerung ist die kritische Grenze, und da sind wir jetzt dran."

Der Borkenkäfer ist kein Privatproblem. Befällt er erst einmal ein Waldstück, breitet er sich immer weiter aus und bohrt (zumeist) Fichten an, was schließlich zu deren Absterben führt. Also müssen die Bäume, in denen sich der Schädling eingenistet hat, möglichst schnell beseitigt werden. Aus dem Wald rausbringen ist laut Wicht die sicherste Methode. Bleiben sie dort liegen, müssten sie zumindest entrindet werden.

Als Forstbehörde muss das AELF ein Auge darauf haben, ob die Waldbesitzer dieser Pflicht nachkommen. "Wenn nichts passiert, dann ermahnen wir sie zuerst. Im schlechtesten Fall gehen wir aber auch bis zur Ersatzvornahme." Das heißt: Das AELF informiert das Landratsamt, und das beauftragt einen Unternehmer oder eine Waldbesitzervereinigung, das fragliche Holz unschädlich zu machen. Die Kosten dafür muss der Waldbesitzer zahlen.

Erstmals passierte das jetzt in einem Waldstück bei Auerbach. "Da war die Beseitigung dringend notwendig", so Wicht. Der Besitzer sei unwillig gewesen, selbst etwas zu unternehmen. Die meisten Waldbauern sind sich nach Wichts Einschätzung aber der Gefahr sehr wohl bewusst, hätten auch die einschlägigen Fortbildungsveranstaltungen des AELF eifrig besucht und informierten sich häufig bei den zuständigen Förstern über die Modalitäten der Borkenkäferbekämpfung.

Buchdrucker ist gefürchtet


Laut Wicht ist die Lage bei den Fichten derzeit sogar brisanter als im Frühjahr. Damals ging es darum, die überwinternde Käfergeneration zu erwischen, bevor sie sich in die Bäume einbohrt. Und es war vor allem Befall durch den Kupferstecher-Borkenkäfer zu verzeichnen, die weniger gefährliche Art. "Jetzt geht es aber um den Buchdrucker", sagt Wicht. Der ist gefürchtet, weil er an den Bäumen noch mehr Schäden anrichtet als die kleinere Verwandtschaft.

Bei den Buchdruckern hatte bis vor etwa zwei Wochen die erste Generation ihren Schwärmflug. Inzwischen ist auch schon die Geschwisterbrut dabei, so dass die Käferzahlen massiv nach oben gehen. "Dadurch droht jetzt der Stehendbefall der Fichten." Ob der Buchdrucker sich schon eingenistet hat, erkennt man am Bohrmehl, das er dabei produziert. Regen allerdings wäscht das wieder ab. Wicht empfiehlt daher: "Man sollte einmal in der Woche seinen Wald nach Bohrmehl absuchen. Wenn es regnet, sogar öfter." Nach dem Ausflug und dem Einbohren habe man etwa acht Wochen Zeit, um die Bäume zu fällen und damit schlimmere Schäden zu verhindern.

Da war die Beseitigung dringend notwendig.Wolfhard-Rüdiger Wicht zum Grund der Ersatzvornahme
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