Bürgermeister und Landrat ziehen Bilanz der Romreise
Den Papst zu Tränen gerührt

Der Moment, den alle Teilnehmer der Audienz so schnell nicht vergessen werden, war die intensive Begegnung mit dem emeritierten Papst Benedikt (rechts). Mit Landrat Richard Reisinger (links) unterhielt er sich länger. Über Privatsekretär Georg Gänswein (Mitte) hatte die Delegation aus der Oberpfalz erfahren, dass Benedikt gerne Weißwürste mag und deshalb welche als Gastgeschenk dabei. Bilder: upl (2)
 
Die drei Bürgermeister Alwin Märkl (links), Hermann Falk und Josef Reindl (von rechts) in Rom.

Der Schnaittenbacher Bürgermeister Josef Reindl muss den AZ-Anruf geahnt haben. Wie aus der Pistole geschossen zählt er drei Gründe auf, warum die Fahrt zur Illumination des Christbaums aus Hirschau auf dem Petersplatz alle mit dem Projekt verbundenen Mühen wert war.

Amberg-Sulzbach. "Erstens ist es ein erhebendes Gefühl, das mitmachen zu dürfen", sagt Reindl. "Zweitens ist Rom immer eine Reise wert. Und drittens sind die drei Gemeinden dadurch zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen." Das bestätigen auch die Bürgermeister Alwin Märkl aus Freudenberg und Hermann Falk aus Hirschau.

Pilger voller Euphorie


Am letzten Abend habe man geradezu eine Euphorie der Zusammengehörigkeit erlebt. Es habe die Pilger gedrängt, auch in Zukunft als Gemeinschaft zu agieren - weit über das in Auge gefasste Abschlussfest hinaus, für das Bauernpräsident Franz Kustner ein Schwein stiften will und Brauereichef Märkl Bier verspricht. Der Freudenberger Bürgermeister gibt zu, sich in Rom "vom Saulus zum Paulus" gewandelt zu haben. Denn anders als Hermann Falk, die stets treibende Kraft hinter dem Unternehmen, sei er anfangs sehr skeptisch gewesen, ob das Vatikan-Baum-Projekt die damit verbundenen Anstrengungen wert sei. Nach "so vielen magischen Gänsehaut-Momenten" in Rom ist auch Märkl überzeugt.

"Der emotionale Moment" war für die Bürgermeister die Begegnung mit dem emeritierten Papst Benedikt, einem Mann mit "gigantischer Ausstrahlung" (Reindl). Weißwürste isst er gern, hatte man über seinen Privatsekretär Georg Gänswein erfahren und deshalb als Geschenk mitgebracht. Die Frau des Regierungspräsidenten rührte den 88-Jährigen zu Tränen, als sie ihm ein Brot aus der Regensburger Bäckerei überreichte, in der seine Mutter gearbeitet hatte. Benedikt gibt heute, wenn überhaupt, allenfalls noch zehn Minuten lange Audienzen. Für die Gäste aus seiner Heimat nahm er sich eine Dreiviertelstunde Zeit. "Da kam der Bayer in ihm durch", beschreibt Josef Reindl, wie sich das ehemalige Kirchenoberhaupt im Kreis der Oberpfälzer wohlgefühlt hat.

Unvergesslich wird allen Teilnehmern ebenso bleiben, wie der Musikzug der vatikanischen Polizei zur Illumination die Bayernhymne und die deutsche Nationalhymne spielte. Oder wie man sich mit Bischof Voderholzer und Regierungspräsident Bartelt ganz ungezwungen unterhalten konnte - "alles auf Augenhöhe" (Märkl). Und Hermann Falk denkt daran zurück, wie nach der Illumination eine Last von ihm abfiel: "Ich war doch sehr angespannt."

Den Ring geküsst


"Noch ganz beseelt" von den Erlebnissen in Rom war auch Landrat Richard Reisinger am Montag - immerhin sei es für ihn die erste direkte, persönliche Begegnung mit einem Papst gewesen. Nicht nur mit einem, sondern gleich mit zweien, denn Reisinger gehört zum kleinen Kreis derer, die nicht nur die Audienz mit Franziskus, sondern auch die Zusammenkunft mit Benedikt erleben durften. Dem amtierenden Kirchenoberhaupt hat Reisinger den Ring geküsst - und ihm auf Deutsch frohe Weihnachten gewünscht. "Da geht einem so viel durch den Kopf", gestand er angesichts dieses ergreifenden Moments, den er "als spirituellen Impuls" erlebt hat - "nicht als Landrat, sondern als jemand, der sich im kirchlichen Milieu bewegt".

"Viel zu viele Reden"


Für ihn und seine Mitreisenden sei es "ein unvergessliches, beeindruckendes Pilgererlebnis" gewesen. "Wir haben uns aber weniger als Touristen gefühlt", schließlich sei die Papstbaum-Aktion ein Agenda-21-Projekt gewesen. Spontan kamen Reisinger zwei Aspekte dieser Reise in den Sinn - die "sehr ansprechenden Gottesdienste mit Pfarrer Irlbacher und Bischof Voderholzer", aber auch die "viel zu vielen Reden", die die feierliche Illumination des Oberpfälzer Baumes begleiteten.

Da sei es nicht so tragisch gewesen, dass er selbst seine für den Festakt am Petersplatz vorbereitete Rede im Hotel vergessen habe. Viele Eindrücke hat Reisinger mit Fotos dokumentiert - auf seinem Handy: Da wurde der Landrat dann doch zum ganz normalen Touristen. Wobei ein Bild des Papstes aus Handschlag-Nähe wohl die wenigsten Rom-Besucher mit nach Hause bringen.

Wenn der Hirschauer Baum auf dem Petersplatz einmal abgebaut wird, soll er übrigens noch einmal für Freude bei krebskranken Kindern sorgen: Er wird dann zu Holzspielzeug verarbeitet. Vorher darf er allerdings beim Urbi-et-orbi-Segen des Papstes an Weihnachten den Ruf der Oberpfalz in alle Welt tragen.

Alles ohne SteuergeldEs war Vorgabe aus dem Vatikan, dass die Gemeinden, die den Weihnachtsbaum stiften, für die ganze Aktion keine Steuergelder verwenden dürfen. Das gelang laut Josef Reindl, weil sich für kostspielige Faktoren wie den Transport der Fichte nach Rom Sponsoren fanden.

Lediglich für den Kauf einiger der von Künstlern gestalteten Christbaumkugeln - der Erlös des Wohltätigkeitsprojekts kommt krebskranken Kindern zugute - habe man per Stadtratsbeschluss die Kassen der Kommunen belastet. Eine Kugel kommt auf 2000 bis 3000 Euro.

Die Reiseteilnehmer hätten alle Kosten selbst bezahlt, "egal ob Bürgermeister, Landrat oder Regierungspräsident", sagt Reindl. "Alle gleicher Preis - 449 Euro -, gleiches Hotel, gleiche Zimmer."
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