Der Horst als Kinderstube
Nachwuchs beim Fischadler

Jetzt muss es schnell gehen: Die Adlerjungen werden beringt, damit sie flugs wieder in die Obhut ihrer Eltern zurück können. (Foto: hfz)

Wie kommt der Karpfen in den Kiefernwald? Darüber grübelten vor Jahren Revierleiter. Sie taten dies nicht lange, denn bald war klar, dass ein seltener Vogel seine wohl zu schwere Beute im Wald verloren hatte.

Amberg-Sulzbach. Der Fund im Wald gab den Revierleitern links und rechts der Haidenaab zunächst Rätsel auf - zumal mitten im Wald und damit fernab von jeglichen Wasserflächen immer wieder tote Fische entdeckt wurden. Schnell wurde den Experten klar, dass jemand bei seinen Flügen die Beute verloren hatte. Die Karpfen waren wohl zu schwer für den damals in der Region noch selten anzutreffenden Fischadler. Mittlerweile hat sich dieser streng geschützte kleine Adler ausgehend von den Wäldern der Bayerischen Staatsforsten im Forstbetrieb Schnaittenbach in nahezu die gesamte Oberpfalz ausgebreitet und mittlerweile auch als Brutvogel gut etabliert.

Jedes Frühjahr sind alle Revierleiter des Forstbetriebs schon in gespannter Erwartung und fragen sich, wann die Vögel wieder kommen und ob sie ihren Horst wieder beziehen. Laut einer Pressemitteilung gab es heuer eine Sensation. Am streng behüteten und gut versteckten Horst trafen sich Hans Trottmann, der das Forstrevier Kaltenbrunn leitet, sein Kollege des Reviers Kohlberg und der Ornithologe Dr. Schmidt-Rothmund, um die jungen Kaltenbrunner Fischadler zu beringen. Dr. Schmid-Rothmund hatte an diesem Tag bereits in einem Horst in der nördlichen Oberpfalz vier Fischadlerjunge beringt. Aufgrund der Seltenheit so vieler überlebender Nachkommen eines Brutpaares komme dies einer Sensation sehr nahe.

Die Kaltenbrunner Adlereltern hatten bis dato ihre Kinderzahl geheimgehalten, weshalb Schmidt-Rothmund nach oben kletterte und aus der luftigen Höhe des Horstes die frohe Botschaft verkündete: "Ein toller Tag! Vier Junge auch hier." Schnell wurden die Jungen unter lauten Unmutsäußerungen der Elterntiere, die dieses Treiben ständig beobachteten, abgeseilt, gewogen, vermessen, beringt und wieder in ihre Kinderstube auf über 30 Meter Höhe verfrachtet.

Um den besorgten Adlereltern rasch wieder freies Betretungsrecht zu ihrer Brut zu gewähren, zogen sich die Experten schnell wieder zurück. Denn Adler brauchen - wie alle Großvögel - besonders in der Brut- und Aufzuchtzeit vor allem Ruhe.

Daher werden laut Pressemitteilung alle Mitarbeiter des Forstbetriebs Schnaittenbach die genaue Lage der Horste möglichst geheim halten. Sie tragen außerdem Sorge dafür, dass forstliche Arbeiten in dieser Zeit im weiten Umfeld der Horstbereiche unterbleiben. Die Experten hoffen nun, dass der Adler-Nachwuchs dazu beiträgt, dass sich ihre Art auch über die Oberpfalz hinaus ausbreitet und sie als Brutvögel wieder zurückkehren.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.