Der Weiße Jurwa in der Oberpfalz
Von Schwammerln und Teufelstischen

Der im Volksmund Teufelstisch genannte Pilzfelsen befindet sich auf einem Bergrücken bei Igensdorf unweit von Gräfenberg/Oberfranken. Der Sage nach musste hier ein Mönch mit dem Teufel um sein Leben spielen.

Ein erheblicher Teil des westlichen Oberpfälzer Naturraumes wird vom Weißen Jura oder Malm geprägt, einem Ausläufer der Frankenalb. Selten bietet eine Landschaft auf engem Raum ein solches Eldorado für Naturfreunde und Wanderer.

Amberg-Sulzbach. Die Anfänge dieser kontrastreichen Landschaft des Oberen Juras und der Frankenalb mit ihren felsgekrönten Bergkuppen, tief eingeschnittenen Tälern, Höhlen und Dolinen gehen in eine für menschliche Maßstäbe unvorstellbare Zeit vor etwa 150 Millionen Jahren zurück. Das einsetzende tropisch warme Klima beschleunigte die Kalkausscheidung in einem jungen Schelfmeer.

Mächtige Riffe


Am flachen Boden dieses warmen Randmeers siedelten sich verstärkt Kieselschwämme, Algen und Mikroben an, die durch ihre kalkhaltigen Ablagerungen im Laufe der Zeit mächtige Riffe bildeten. Durch den Austausch von Kalzium durch Magnesium wurden Teile des Kalks in den wesentlich härteren und widerstandsfähigeren Dolomit ("Frankendolomit") umgewandelt. Und trotz intensiver Verkarstung, die in der dem Jura nachfolgenden Kreidezeit einsetzte, blieb doch ein wesentlicher Teil dieser heute felsenreichen Juralandschaft mit ihren hellen Kalken und Dolomiten erhalten. Wechselnde Bedingungen im Wachstum der Schwammriffe führten mitunter zu unterschiedlichen Härtegraden im Gesteinsaufbau der Felsformationen: Die weicheren, mergelreichen und damit verwitterungsanfälligeren Schichten wurden vom harten, dolomitisierten und damit resistenteren Riffkalk überlagert - mit gravierenden, aber optisch äußerst kuriosen Folgen: Es entstanden pilzförmige Gebilde mit einer breiten oder dicken Kappe und einem mehr oder weniger schlanken Stiel. Ein regelrechter Pilzfels war geboren, für den Betrachter ein Wunderwerk, ein Highlight der Natur.

Von Teufelstischen


Und solche Pilzfelsen - oder in Sagen auch Teufelstische genannt - finden sich vereinzelt im Weißen Jura, sowohl in der Oberpfalz als auch im benachbarten Franken. Ebenso in der Rheinpfalz, im Zittauer Gebirge oder in den Kalkalpen und anderswo kommen spektakuläre Felsgebilde auch bei einem anderen Gesteinsaufbau vor. Nicht zuletzt schmückte der bekannte, formschöne "Teufelstisch" im Pfälzer Wald schon Serien von Briefmarken als Motiv.

Akute Absturzgefahr


Manche Pilzsteine allerdings sind in ihrem Bestand besonderes gefährdet. Nagt der "Zahn der Zeit" besonders kräftig am Stiel oder Fuß, so gibt es auch für das steinerne Double des Sammler-Schwammerls keine Bestandsgarantie. Wegen akuter Absturzgefahr im Nahbereich einer Straße musste das markante Wahrzeichen von Kinding im Altmühltal, der Kindinger Pfifferling, vor einigen Jahren gesprengt werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.