Drogenersatzmittel im Kofferraum
Gefängnis statt Reiki-Stunde

Der Mann gab sich als zuständig für die japanische Reiki-Lehre zu erkennen. Details dazu aber interessierten das Gericht eher wenig. Von Belang war, dass er größere Mengen des Drogenersatzmittels Subutex dabei hatte, als ihn Zivilfahnder kontrollierten.

Amberg-Sulzbach. Die Sache war irgendwie international. Der Reiki-Fachmann kam aus seiner Wahlheimatstadt Pilsen, er wollte nach Belgien und die streng rezeptpflichtigen Subutex-Tabletten stammten angeblich aus Straßburg. Kurz nach dem Weihnachtsfest 2015 waren Polizisten auf der A 6 unterwegs, sahen sich am Rastplatz Laubenschlag unweit von Theuern um und schritten zur Überprüfung des 46-Jährigen.

Peinlich für ihn, dass sein Führerschein keine Gültigkeit besaß. Noch peinlicher aber war, was folgte. Die Zivilfahnder ließen sich den Kofferraum zeigen und entdeckten, neben Zubehör für die praktische Anwendung der Reiki-Lehre, eine Plastiktüte mit sieben Packungen Subutex-Tabletten. 120 Stück insgesamt und auf dem Schwarzmarkt sehr begehrt.

Vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Markus Sand stellte der gebürtige Deutsche zunächst die Behauptung auf, eine Mitarbeiterin aus Pilsen habe die Tabletten ohne sein Wissen ins Auto gelegt. "Wir können die Frau schon nach Amberg holen", unterstrich der Vorsitzende und fügte sofort hinzu: "Bis dahin bleiben Sie aber in Untersuchungshaft." Das mochte der Mann allerdings nicht so recht. Es gab noch eine weitere Ausrede: Die Tabletten habe ihm eine Ärztin aus Straßburg verschrieben.

Doch auch das ließ sich widerlegen. Von der Kripo war die französische Medizinerin im Vorfeld kontaktiert worden. Der Reiki-Lehrer sei schon lange nicht mehr bei ihr gewesen, ließ sie wissen. Danach bekam der Angeklagte Gelegenheit zum Gespräch mit seiner Anwältin Julia Lassmann-Rampf. Anschließend sagte er knapp: "Ich räume alles ein." Die Nürnberger Psychiaterin Anna Wunder-Lippert war mit einem Gutachten beauftragt worden. Als sie dem Gericht über ihre Erkenntnisse berichtete, wurde deutlich, dass da ein seit vielen Jahren drogenabhängiger Mann saß. Er brachte 18 Vorstrafen mit, viele davon wegen Rauschgiftdelikten, eine auch wegen besonders schwerer Vergewaltigung. Ob bei ihm eine Therapie Erfolg habe, stellte Dr. Wunder-Lippert in Frage.

Das Schöffengericht schickte den 46-Jährigen für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Es schloss sich damit weitgehend dem Antrag von Staatsanwalt Tobias Kinzler an. Parallel wurde eine längerfristige Entzugsmaßnahme angeordnet. Die Pilsener Reiki-Schule wird mittelfristig auf ihren Lehrer verzichten müssen.
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