Ernteaussichten sind durchschnittlich
Korn wächst, Konto schrumpft

Triticale heißt diese Kreuzung aus Roggen und Weizen, die hier prächtig gedeiht. Aber leider ist der Preis im Keller.
 
Durchwachsene Aussichten bilanzieren die Experten (von links): Fachberater Josef Hummel, Georg Dobmeier (BBV-Kreisvorstand), Geschäftsführer Thomas Bayerl, Landwirt Rudi Gottschalk, Franz Kustner und Josef Schmidt vom AELF. Bilder: Hartl (3)

Die Ähre sieht gut aus. Fast ausgereift, wiegt sie sich mit Millionen ihrer Artgenossen auf den Getreidefeldern. Die Grannen stehen fest, die Körner sind prall. Was man vom Geldbeutel des Landwirts nicht behaupten kann. Denn die Getreidepreise brechen weiter ein. Franz Kustner zieht Bilanz für den Landkreis.

Amberg-Sulzbach. "Das feuchte Frühjahr war vielleicht eine Geduldprobe für uns Menschen, die Feldfrüchte haben den Regen der vergangenen Monate jedoch mehrheitlich gut nutzen können", bemerkt der Kreisobmann und Oberpfälzer Bauern-Präsident. Der Bayerische Bauernverband rechnet deshalb heuer mit einer durchschnittlichen Getreideernte. Die geschätzte Menge reiht sich in das langjährige Mittel von 72 Doppelzentner pro Hektar oder 6,7 Millionen Tonnen (ohne Körnermais) in Bayern ein.

Kein Gewinn mehr


Für echte Probleme auf den Bauernhöfen aber sorgen die niedrigen Preise - das ist die schlechte Nachricht, die Kustner bei der Ernte-Pressekonferenz des Bauernverbandes im Landkreis verkünden musste. "Bei diesen Preisen können wir in vielen Bereichen nicht kostendeckend arbeiten. Ackerbauern erzielen so keine Gewinne mehr. Auf Dauer kann das kein Betrieb durchhalten - die Landwirtschaft in Bayern ist in Gefahr!", warnt der Oberpfälzer Bauernpräsident.

Zwischen 25 und bis zu 40 Prozent sind die Preise eingebrochen. Für einen Doppelzentner besten Weizen etwa erhalten Landwirte derzeit nur 14 Euro. Das hänge übrigens auch mit dem Ölpreis zusammen. Das Dilemma verdeutlicht der Präsident an einem aktuellen Vergleich: Um die neuesten Fußballschuhe, die viele Profis bei der Europameisterschaft getragen haben, erwerben zu können, müsste ein Landwirt derzeit 1428,2 Kilo Weizen am Markt verkaufen - das sind 29 Säcke zu je 50 Kilo.

"Diese niedrigen Preise stellen eine große Gefahr für unsere bäuerlichen Familienbetriebe dar." Bei den "Veredelungsbetrieben", die übers Futter Pflanzen in tierisches Eiweiß verwandeln, lägen die Einbrüche bei bis zu 43 Prozent, schilderte ein Landwirt in der Runde. Um die Ernte einfahren zu können, wünschen sich die Bauern in den kommenden Wochen nun stabiles Wetter. Rund zwei Drittel der Wintergerste sind abgeerntet, als nächstes stehen Sommergerste und Weizen an. "Wenn der Sommer keine allzu lange Pause einlegt, sind wir zufrieden", sagt Franz Kustner.

Getreide "im Lager"


Unwetter und Starkregen führten zwar mancherorts zu schweren Schäden an Gebäuden und Wegen. Für Wald und Acker hätten sich die Niederschläge aber eher positiv ausgewirkt. Die teils heftigen Unwetter führten allerdings dazu, dass manche Feldabschnitte "ins Lager gehen", also am Boden liegen - dort reift das Getreide schlechter ab. Die Folge: Es kann auswachsen, die Pflanzen sind schwieriger zu ernten.

"Das war der zweite Winter praktisch ohne Frost", erinnerte Kustner. Das Ausbleiben der tiefen Temperaturen habe dazu geführt, dass beispielsweise die alten Kartoffeln im Boden nicht abgestorben seien, sondern jetzt durch die neuen Pflanzen nachwüchsen, was einen enormen Pflegeaufwand per Hand bedeute.

Alles in allem, fasst Kustner zusammen, hätten sich die Pflanzen, aber auch die Landwirte, gut auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt. "Die Züchtungen werden immer besser und die Landwirte wählen passgenaue Sorten aus. Dazu meinte Kreisbäuerin Brigitte Trummer: "Wir können vieles ausgleichen, brauchen aber bessere Preise, um langfristig auf diesem hohen Niveau arbeiten und hochwertige Lebensmittel erzeugen zu können."

Mais leicht im Aufwind


Josef Schmidt vom Landwirtschaftsamt Amberg stellte die Ackernutzung im Landkreis dar (siehe Infokasten). Der Maisanbau sei leicht gestiegen auf nunmehr 8400 Hektar. Derzeit gebe es rund 1500 landwirtschaftliche Betriebe im Landkreis mit einer Gesamtfläche von rund 51 000 Hektar. Abschließend spielte Kustner noch eine Trumpfkarte: "Zehn Prozent unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche im Landkreis sind ökologische Vorrangflächen, die weder gedüngt noch gespritzt werden!"

Ackernutzung im LandkreisAmberg-Sulzbach. (ge) Wie teilen sich die rund 35 000 Hektar landwirtschaftliche Anbaufläche im Landkreis auf? Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg legte dazu eine Aufstellung vor (Angaben in Hektar):

Weizen 6359

Wintergerste 6786

Sommergerste 2219

Triticale 2382

Roggen 452

Hafer 567

Raps 2698

Kartoffeln 150

Mais 8402

Erbsen/Ackerfrüchte 555

Klee/Kleegras 3327

Stillegung 445

Im Sinkflug

Angemerkt von Joachim Gebhardt

Momentan gibt es attraktivere Berufe als den des Landwirts. Bei der Milch zahlt er kräftig drauf, nach der Ernte ist jetzt nicht nur das Getreide abgesackt, sondern auch dessen Preis. Finanzhilfen sind nicht in Sicht, das wissen auch die Bauern. Sie müssen mit allen möglichen Wetter-Problemen zurechtkommen: immer mehr Trockenzeiten, Starkregen, milde Winter, nasse Frühjahre, gewittergeprägte Sommer und heftige Stürme. Das Erdöl hat auf dem Weltmarkt an den Börsen auch den Getreidepreis nach unten gezogen. Gegensteuern kann der örtliche Landwirt da nicht mehr. Auch die Fleischpreise sind unattraktiv. Diese Ernte liegt noch im Durchschnitt. Die bange Frage in den Höfen lautet: Wie wird 2017?

joachim.gebhardt@zeitung.org

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