Exkursion zu Öko-Landwirten im Landkreis Amberg-Sulzbach
Bio hat fast nur Vorteile

In der Hofkäserei Wohlfahrt in Weißenberg, dem Partnerbetrieb von Hans Sebald, wird aus der Bio-Milch Käse hergestellt.
 
Grünes Land und glückliche Kühe fand der Bund Naturschutz in Hundsboden vor: Von links Horst Schwemmer, Michael May, Hartwig Dorsch, Hans Zacharias, Beate May, Reinhard Scheuerlein, Richard Mergner, Hans Sebald und Peter Zahn (mit Katze). Bilder: Gebhardt (2)

Rinder weiden im Grünland, ihre Milch wird in einem nahen Bio-Betrieb zu Käse verarbeitet: Dieser Idealfall ist selten. Und doch bestehen für Bio-Bauern reelle Chancen, im Landkreis existieren zu können - wenn die Vermarktung geklärt ist. Und dieses ist dem Bund Naturschutz ein echtes Anliegen für die Zukunft.

Amberg-Sulzbach. Gemeinsam mit dem Bauernverband und über 20 weiteren Verbänden hat der Bund-Naturschutz-Landesverband den Ökopakt der Staatsregierung unterzeichnet, in dem die Verdoppelung des regionalen Ökolandbau-Anteils bis 2020 angestrebt wird.

Auch angesichts der Milchkrise trügen sich immer mehr Milchbauern mit dem Gedanken, auf Bio umzustellen. Ein gutes Beispiel für nachhaltige ökologische Kreislaufwirtschaft nahmen die Vertreter des BN bei einer Informationstour in Hundsboden und in Weißenberg in Augenschein.

Alternativen überdenken


Es könne durchaus eine Überlegung für einen Milchviehbetrieb sein, ob es beispielsweise einen Absatzmarkt für Heumilch gebe, meinte BN-Geschäftsführer Horst Schwemmer zu Beginn der Info-Reise. Auch wenn die Verluste bei Heu im Vergleich zur Silage größer seien, so werde doch qualitativ hochwertiger Käse erzeugt. Im Vorarlberg zum Beispiel werde nur Heumilchkäse hergestellt.

Der Öko-Milchbetrieb Hans Sebald in Hundsboden, Gemeinde Neukirchen, der die Biokäserei Wohlfahrt beliefert, bildete die Anlaufstation für die Gruppe. Auch die Weißenberger Hofkäserei mit Biokäserin Magdalena Wohlfahrt stand noch auf dem Programm. Mit dabei für den Bund Naturschutz: Landesbeauftragter Richard Mergner, Reinhard Scheuerlein, Regionalreferent für die Oberpfalz, Peter Zahn, Vorsitzender der Kreisgruppe, Beate May, 2. Vorsitzende, Michael May und Hartwig Dorsch von der Kreisgruppe und Hans Zacharias, Vorsitzender des Bio-Rings Amberg-Sulzbach.

Bio-Bauer Hans Sebald stellte seinen Betrieb vor. 65 Hektar landwirtschaftliche Fläche, 30 Milchkühe und eine Ochsenmast, das ist seit 1991 sein Tätigkeitsfeld.

Dass er mit der ökologischen Schiene den richtigen Weg eingeschlagen hatte, stellte sich aber erst nach einiger Zeit heraus. Vorher lieferte er seine Bio-Milch an eine Molkerei und war überhaupt nicht zufrieden mit deren Geschäftsgebaren und der Behandlung der Milchbauern. Seit 2010 nun habe er mit der Bio-Hofkäserei Wohlfahrt in Weißenberg einen Vertrag geschlossen und gibt seine gesamte Milch dorthin ab - "eine Partnerschaft auf Augenhöhe". Wer als Milchbauer jetzt auf Bio umstellen möchte, "der kann bei den derzeitigen Milchpreisen nichts falsch machen", warb Sebald für mehr Engagement der Landwirtschaft auf dem Bio-Sektor.

Langer falscher Weg


Hartwig Dorsch meinte, dass die Landwirtschaftsämter Jahrzehnte den falschen Weg gegangen seien bei der Beratung für immer größerer Milchviehställe, die jetzt die Überkapazitäten bildeten. Hans Zacharias listete den vielfältigen Nutzen auf, den eine Öko-Bewirtschaftung bringe: weniger Betriebsmittel-Aufwand, abwechslungsreichere, grünere Landschaft, minimierte Grundwassergefährdung durch weniger Gülle, bessere Böden durch Verzicht auf Mais, weniger Kohlendioxid durch mehr Humusbildung - aber all das wirke erst, wenn es großflächig angewendet werde.

Echte Marktchancen


Reinhard Scheuerlein, neuer Regionalreferent des BN für die Oberpfalz, bilanzierte, dass der ökologische Landbau endlich anerkannt sei, was im Landkreis großteils der BN-Kreisgruppe zu verdanken sei. Wenn der Verbraucher auch den etwas höheren Preis akzeptiere, bestünden für neue Bio-Betriebe echte Marktchancen.

Die Gruppe zeigte sich abschließend einig: "Ob Bio-Milch, Kartoffeln, Gemüse, Tierhaltung auf Weideland - es gibt viele Möglichkeiten, auf Bio umzusteigen." Nachholbedarf bestehe nur bei der Vermarktung. "Hier sind alle privaten und öffentlichen Stellen aufgerufen, ihr Bewusstsein für Ökologie zu schärfen."

Mit Öko-Modellregion punkten"Das hier ist vorbildliche regionale und ökologische Wirtschaft, wie wir uns das vorstellen", so Peter Zahn, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe. Von insgesamt 1671 Betrieben in Amberg-Sulzbach wirtschaften aktuell 112 ökologisch. Mit einem Flächenanteil von 3374 Hektar mache dies 6,5 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche aus (Deutschland-Durchschnitt 8,7 Prozent). "Eine Wende in der Landwirtschaft, weg von immer stärkerer Intensivierung, ist dringendst nötig!"

Die Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach, eine von dreien in der Oberpfalz, erfülle eine wichtige Aufgabe. Um so unverständlicher sei es, so Zahn, dass die Projektmanagerin des Landkreises gerade bei dieser Veranstaltung ihre Prioritäten anderswo gesetzt habe. (ge)
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