Fischereiverein Amberg betreibt Fischereizentrum Bühl
Der Kormoran fischt immer mit

Hans Scharf ist seit mehr als 50 Jahren Angler und kennt die Tricks, wie man die Fische zum Beißen animiert. Er genießt gern die Ruhe an dem vier Hektar großen Weiher direkt beim Fischereizentrum. Bild: Huber
 
Der Kormoran kann auf dem Wasser nicht nur eine gute Figur machen, sondern sich auch jede Menge Fische schnappen. Laut Hans-Hermann Lier gibt es Gewässer, aus denen er bis zu zwei Drittel des Fischbestandes erbeutet. Archivbild: Steinbacher

Der Kormoran wird kein Freund der Teichwirte mehr. Zu groß ist sein Appetit auf Fisch. Ein Pfund am Tag verdrückt er leicht. Und machen kann man gegen den gefräßigen, aber geschützten Räuber wenig. Da müsste schon Hilfe aus dem Übungsplatz kommen.

Amberg-Sulzbach. "Ein paar Fischadler könnten die Kormoran-Population in Grenzen halten", sinniert Hans-Hermann Lier beim Blick über die Bühler Weiher. Tatsächlich fliegen hin und wieder ein paar Exemplare von ihren vertrauten Lebensräumen im Charlottenhofer Weihergebiet (Kreis Schwandorf) oder im Truppenübungsplatz Grafenwöhr nach Bühl (Gemeinde Freudenberg) und sorgen dort unter den Kormoranen für Unruhe. "Von der Entfernung her ist das für die gar kein Problem", sagt Lier, der sich als Vorsitzender des Fischereivereins Amberg mit der Materie beschäftigt.

Allerdings lassen sich auch die Kormorane an den Weihern des Vereins bei Bühl nicht immer sehen. Sie kommen bevorzugt im Frühjahr und im Herbst, wenn in ihren sonstigen Lebensräumen - ähnliche wie beim Fischadler - das Futter schwer zu haben ist. Dann schauen sie mal, wie bei Bühl oder an der Vils der Fisch-Tisch gedeckt ist.

"So ein Beutezug beginnt oft mit zwei Exemplaren", erzählt Lier. Späher gewissermaßen. "Drei Tage später hast du dann vielleicht 70 Tiere da." Macht 70 Pfund Fisch, die sich der Trupp der knapp gänsegroßen Vögel täglich einverleibt. "Dadurch hat uns hier im letzten Jahr durch die Bank ein Drittel des Fischbestandes gefehlt", beschreibt Lier die Folgen. Woanders höre man auch schon mal von zwei Dritteln Verlust.

Nur noch hungriger


Kann man die Kormorane nicht vertreiben? Lier kennt ein paar Vergrämungsmethoden, unter anderem mit Knalleffekten. Eine große Wirkung hat das seiner Meinung nach aber nicht. "Wenn man ihn verscheucht, wird er noch hungriger und frisst 100 Meter weiter noch mehr. Da kann man es auch gleich bleiben lassen."

Die Verantwortlichen des Fischereivereins sind sicher nicht glücklich über die Besuche des Kormorans. Doch auf der anderen Seite haben sie dadurch die Möglichkeit, ihren Gästen einen weiteren Aspekt des Lebens an einem Weiher zu zeigen. Denn in Bühl steht seit gut zwei Jahren das Fischereizentrum des Vereins, das er unter dem Schlagwort Grünes Klassenzimmer bekannt gemacht hat.

Jede Menge Grünzeug


Hierher kommen Schulklassen, Seniorengruppen oder Naturfreunde, die mit Kräuterpädagogin Edith Niebler eine Wanderung am Ufer machen und jede Menge Grünzeug mitbringen. "Sie glauben nicht, was man da alles essen kann und wie gut das mit Fisch schmeckt", sagt Gerhard Doerfler, der beim Fischereiverein die Öffentlichkeitsarbeit erledigt.

Die Kinder - meist Dritt- und Viertklässler - lernen von Lier, Doerfler und Co an sieben Stationen rund ums Wasser, was der Lehrplan nur als Trockenübung vorsieht: von der Aussagekraft bestimmter Tiere für die Wasserqualität über den Ufer-Lebensraum der Ringelnatter (mitsamt abgestreifter Haut) bis hin zur Fisch-Mahlzeit. "Die Kinder sind jedes Mal begeistert", erzählt Gerhard Doerfler.

Und wenn es mal regnen sollte, kann man ihnen Holzstücke zeigen, die der Biber mit seinen scharfen Zähnen runterbeißen kann. Oder Gebisse von zehn Kilogramm schweren Hechten, die über einen Meter groß waren. Oder man erzählt ihnen die Geschichte - garantiert kein Anglerlatein - von dem 1,55 Meter großen Waller, der in dem seit zwölf Jahren nicht mehr abgelassenen Weiher gefangen wurde.

Das alles geht natürlich nur, wenn man Leute hat, die bei solchen Veranstaltungen helfen. "Wir haben unter unseren 350 Mitgliedern zum Glück viele Fischer, oft Pensionisten, die sich die Zeit für die Kinder nehmen", sagt Gerhard Doerfler. Und laut ist es im Grünen Klassenzimmer auch nicht, sagt Doerfler. "Denn der Angler wird am Weiher ruhig, und der Schüler auch."
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