Flüchtlinge haben mit Alltagsproblemen zu kämpfen
Mit Arbeit alleine ist es nicht getan

Den Experten-Talk moderierten (von links) Gertrud Strauß vom Diakonischen Werk und Ulrike Zimmermann, Bildungskoordinatorin für Zugewanderte bei der Landkreis-Volkshochschule. Auf dem Podium saßen (von rechts) Johann Schmalzl von der Industrie- und Handelskammer, Reiner Liermann vom Jobcenter, die beiden Flüchtlinge Amin Vahdatzadeh aus dem Iran und Mohamad Borish aus Syrien sowie Verdi Akdemir aus Auerbach, die sich ehrenamtlich für Asylbewerber einsetzt. Bild: Steinbacher

In Syrien studierte Mohamad Borish Informatik und machte seinen Bachelor. Dann brach der Krieg aus. Seit 2015 ist er in Deutschland. An der OTH möchte er jetzt seinen Master machen - ein Weg, der kein leichter sein wird.

Amberg-Sulzbach. Das interkommunale Bündnis für Migration und Integration hatte ihn und einen weiteren Flüchtling, Amin Vahdatzadeh aus dem Iran, zu einem Expertentalk eingeladen. Mit am Podium saßen IHK-Geschäftsführer Johann Schmalzl, Reiner Liermann vom Jobcenter und Verdi Akdemir aus Auerbach, die sich ehrenamtlich um Asylbewerber kümmert.

Sie alle gingen der Frage nach, wie die Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt gelingt. Vadatzadeh und Borish schilderten ihre Schwierigkeiten, die sie anfangs hatten. Beiden war es wichtig, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. Der junge Iraner hat im vergangenen Jahr einen Ausbildungsplatz bei Baumann Automation bekommen, jetzt ist er im zweiten Lehrjahr. Mohamad Borish absolviert derzeit an der OTH einen Vorbereitungskurs und will im März sein Studium aufnehmen.

Amin Vadatzadeh bedauerte, dass viele Menschen glaubten, Flüchtlinge würden nichts tun. Für sie aber sei es schwierig, Arbeit zu finden. Dafür bräuchten sie Unterstützung. Gehe er alleine zu Unternehmen, um sich nach einer Stelle zu erkundigen, habe er keinen Erfolg. Werde er aber von einem Betreuer begleitet, "hat die Firma zu 90 Prozent eine gute Meinung".

Doch selbst wenn er einen Job gefunden habe, benötige er noch Hilfestellung, zum Beispiel Nachhilfe nach Feierabend. Die deutsche Sprache zu beherrschen, ist laut Jobcenter-Teamleiter Reiner Liermann ein wichtiger Baustein, "aber das allein macht es nicht aus".

Überzeugungsarbeit leisten


Hilfreich sei, Sprache mit Berufsbereichen wie Praktika zu kombinieren. Er führte an, dass der Werkhof Arbeitsgelegenheiten in Form von sogenannten 1-Euro-Jobs für Flüchtlinge biete. Das trage auch zur Akzeptanz in der Bevölkerung bei, "Flüchtlinge sitzen nämlich nicht nur daheim". In die Betriebe gehen und Überzeugungsarbeit leisten: Das tut Johann Schmalzl von der IHK. Er erwähnte das für Unternehmen entworfene Faltblatt und einen Workshop für interkulturelle Kompetenz für Ausbilder: "Mit den Flüchtlingen kommt ja auch eine ganz andere Kultur in die Betriebe", erklärte er.

Die Unternehmen bräuchten jedoch eines: "Verlässlichkeit, dass die Arbeitserlaubnis der Flüchtlinge während der Ausbildung gewährleistet ist." Für die Migranten sieht Schmalzl dennoch gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt: 180 Ausbildungsplätze in der Region sind unbesetzt, "weil die Bewerber dafür fehlen".

"Flüchtlinge brauchen eine ganz intensive Betreuung", ist sich Verdi Akdemir aus Auerbach sicher. Die gebürtige Türkin war 1971 mit ihrem Mann nach Deutschland gekommen und hatte mit ihm in Auerbach ein Geschäft eröffnet. Seit 2014 unterstützt und hilft sie Asylbewerbern. Es reiche nicht, ihnen eine Arbeit oder einen Ausbildungsplatz zu verschaffen, sie müssten weiter unterstützt werden.

Auch jenseits vom großen Thema gibt es viele Bereiche, in der die Flüchtlinge Hilfe benötigen, um beispielsweise ganz alltägliche Hürden zu meistern. Ein Mann aus Ebermannsdorf, der ebenfalls ehrenamtlich Asylsuchenden hilft, sprach einen weiteres Aspekt an: Wohnungen. "Da ist derzeit der Markt leer gefegt", bedauerte er.

Große Herausforderung


Ambergs Oberbürgemeister Michael Cerny pflichtete ihm bei: "Wohnungen sind eine große Herausforderung." Doch nicht nur für die Flüchtlinge, "sondern für jeden, der nur über wenig Geld verfügt".

Die jungen Mütter nicht vergessenMarianne Mimler-Hofmann, die zusammen mit Verdi Akdemir in Auerbach einen Flüchtlings-Helferkreis ins Leben gerufen hat, erkundigte sich nach Angeboten für junge Mütter unter den Flüchtlingen, damit diese die Sprache lernen können. "Wir müssen es schaffen, dass einerseits die Kinder betreut werden und die Mütter gleichzeitig die deutsche Sprache lernen können", sagte sie. Auch Anne Kuchler von der Aylberatung der Caritas plädierte für flexible Angebot. Immer wieder angesprochen wurde das generelle Problem, dass Sprachkurse häufig nur in Amberg oder Sulzbach-Rosenberg seien und Flüchtlinge, die in den Dörfern untergebracht sind, diese kaum wahrnehmen könnten. "Wir müssen auch in den Gemeinden etwas auf die Beine stellen", forderte auch Irma Axt, die zusammen mit Tobias Berz die Geschäftsführung des Bündnisses übernommen hat. (san)


Flüchtlinge brauchen eine ganz intensive Betreuung.Verdi Akdemir aus Auerbach, ehrenamtliche Helferin
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