Flugversuche in Pausldorf
Parade der Lilienthal-Gleiter

 

Sie wurden zwar im, aber nicht für den Keller gebaut. Norman Bernschneiders Rekonstruktionen der Flugapparate sollen den Praxisbeweis antreten und in die Luft.

Amberg/Paulsdorf. (zm) Vor dem anspruchsvollen Hintergrund des experimentellen Beweises. Bisher wurde Lilienthal (1848-1896) vorwiegend aus luftfahrtgeschichtlichen Blickwinkeln betrachtet und als Flugpionier gewürdigt. Dafür reicht die Quellenlage aus. Fotos seiner Gleitflüge, eigene Aufzeichnungen und das Grundlagenwerk "Der Vogelflug als Grundlage der Fliegekunst" (1889) sowie Augenzeugenberichte untermauern das bisherige Bild von dem Menschen, der als erster mit einem Gleitflugapparat wiederholbar abgehoben hat. Lilienthals Flüge waren Experiment pur. Diesen Weg zeichnet Norman Bernschneider aus Schäflohe seit Jahren quasi nach. Es gibt keine detaillierten Baupläne der ersten Gleitflugapparate, weshalb der Bautechniker bei seinen Rekonstruktionen ein deduktives Verfahren anwendet: Er schlussfolgert aus historischen Aufnahmen und Aufzeichnungen die Konstruktion.

In dieser Disziplin hat es Bernschneider zu in Fachkreisen anerkannten Meisterehren gebracht. Flugversuche mit seinen bisherigen Nachbauten gab es schon. Nun war das jüngste Modell, Lilienthals Großer Doppeldecker (1886/86) dran. Es ging am Samstag nach Paulsdorf. "Zuerst viel zu wenig Wind, dann zu viel", resümiert Bernschneider. "Es hätte ein Erfolg sein können." Jetzt ist der Doppeldecker reparaturbedürftig, weil er "einen Wahnsinnsauftrieb hat". (Hintergrund)

___



Weitere Aufnahmen im Internet:

www.onetz.de/bildergalerie

HintergrundDie aktuellen Flugversuche mit den Rekonstruktionen von Lilienthal-Gleitern des Ambergers Norman Bernschneider kommen nicht ganz von ungefähr.

Sie spielen sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund eines für Mittwoch, 19. Oktober, geplanten Symposiums des Deutschen Museums und bayerischen Innenministeriums ab. In der Außenstelle Flugwerft Schleißheim geht es um die "Frühe Geschichte der Luftfahrt" und die seit Jahren strittig diskutierte These, dass nicht die Gebrüder Wright 1903, sondern der fränkische Auswanderer Gustav Weißkopf (Gustave Whitehead) schon 1901 in den USA den ersten Motorflug der Menschheit absolviert hat.

Der in Deutschland lebende Australier und Luftfahrtsachverständige John Brown ist ein Verfechter der Weißkopf-These. Erst kürzlich erschien sein Buch "Gustav Weißkopf und die Brüder Wright: Wer flog zuerst?". Brown ist nicht nur einer der Referenten des Symposiums in der Schleißheimer Flugwerft, er steht auch in engem Kontakt zu Bernschneider.

Deshalb war er bei den jüngsten Flugversuchen in Paulsdorf mit dabei. Brown entdeckte bei seinen Forschungen eine Aufnahme mit einem Doppeldecker-Gleitflug, den er eindeutig Weißkopf zuschreibt. Der fränkische Auswanderer hat zudem stets behauptet, ein Lilienthal-Schüler zu sein.

Bernschneider hat deshalb in seiner deduktiven Arbeitsweise ein aus dem von Brown aufgestöberten historischen Foto abgeleitetes Modell gebaut und kommt zu dem Ergebnis, dass von einer Weiterentwicklung des Lilienthal-Doppeldeckers auszugehen ist. (zm)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.