Förster befürchten Borkenkäfer-Plage
Gefahr lauert unter der Borke

 
Von dem Brutbild oben hat der Buchdrucker-Borkenkäfer seinen Namen: ein Muttergang, von dem die Larvengänge sauber wie Buchseiten abzweigen. Bei seinem kleinen Bruder, dem Kupferstecher, laufen die Gänge dagegen recht wild durcheinander (Bild unten).

Das Schlimmste, was jetzt passieren kann, ist ein warmes Frühjahr, sagt Helga Verron. Denn dann droht eine Borkenkäferplage, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat. "Viele Waldbesitzer haben noch gar nicht bemerkt, wie gefährlich die Situation ist", meint die Forstoberrätin.

Geiselhof. (ll) Einer, der es bemerkt hat, ist der Landwirt Peter Beer aus Geiselhof (Gemeinde Freudenberg). Aus seinem Bestand an der Straße nach Lintach schauen die braunen Fichtenkronen heraus, die das Signal für den Borkenkäferbefall sind. Im August hat er schon drei befallene Bäume aus dem Südhang entfernt, doch um den Jahreswechsel musste er feststellen, dass noch weit mehr betroffen sind. "Wenn es ganz schlimm wird, dann muss ich da noch drei solche Ladungen rausholen", sagt er und deutet auf einen großen Haufen Stämme.

"Seit dem Herbst ist der ganze Landkreis schon übersät mit solchen Befallsstellen", hat Helga Verron beobachtet. Dabei sei die Region hier im Vergleich mit anderen Landstrichen sogar noch einigermaßen verschont geblieben. "Die Gefahr durch den Käfer wird schwer unterschätzt", ergänzt Werner Lang, der Revierleiter in der Forstdienststelle Amberg. In einem Baum können 20 000 Borkenkäfer hausen, die in einem ganz warmen Jahr drei weitere Generationen hervorbringen. "Und heuer starten wir schon im April oder Mai mit der vollen Käferzahl", nennt Lang einen Faktor, der in den vergangenen Jahren deutlich abgeschwächt war.

Doch 2015 hat der heiße und trockene Sommer die Fichten - vor allem auf den schlechten Böden und den Südhängen - geschwächt. "Der Winter war auch keine Bremse für den Borkenkäfer", sagt Peter Beer. Er hätte ganz feucht sein müssen, um die Population der Schädlinge wieder einzudämmen. Dann hätten die Bäume vielleicht genug Harz gebildet, um die Käfer abzuwehren.

Jetzt dagegen sitzen die Larven unter der Rinde und warten darauf, dass es wärmer wird. "Bei 16,5 Grad fliegt der Käfer, dann haben wir ein Problem", beschreibt Helga Verron den herrschenden Zeitdruck. Sie appelliert deshalb an die Waldbesitzer, bis Ende März ihr befallenes Holz aus dem Wald rauszuholen. Nur so könne man verhindern, dass der Borkenkäfer sich in immer mehr Bäume bohrt und sie absterben.

Bäume mit Sonnenbrand


"Dann kannst du zuschauen, wie sie braun werden", schildert Peter Beer seine Erfahrungen. Er ist gerade dabei, seinen Bestand zu durchforsten. Problem Nummer 1: Es ist gefährlich, die dürren Bäume zu fällen. Sie haben nur noch wenig Eigengewicht und ganz starre Äste, bleiben also beim Umfallen überall hängen. Problem Nummer 2: Flächen im Wald, auf denen dann keine Bäume mehr stehen, führen zu vermehrter Sonneneinstrahlung für die Fichten daneben. Die sind das nicht gewohnt, bekommen einen "Sonnenbrand" (weiße und schuppige Rinde) und werden dadurch so geschwächt, dass sie dem gefräßigen Borkenkäfer nichts mehr entgegensetzen können.

Buchdrucker ist gefürchtet


Wie schätzt Peter Beer den wirtschaftlichen Schaden ein, der ihn durch den Borkenkäferbefall bereits entstanden ist? "Dort, wo der Kupferstecher-Borkenkäfer drin ist, hält er sich in Grenzen", meint der Landwirt. Die Stämme könne man noch als frisches Industrieholz an ein Sägewerk verkaufen. Aber wo der gefürchtete Buchdrucker-Borkenkäfer zugeschlagen hat, da bekomme man nur noch wenig für das Holz.

Die Experten vom Forstamt fürchten sogar, dass ein großer Anfall von befallenen Fichten bald zu Sägewerken führt, die kein weiteres Holz mehr annehmen. Dann müsse man spezielle Lagerplätze für die von den Schädlingen heimgesuchten Stämme einrichten, um die weitere Ausbreitung im Wald zu stoppen. Werner Lang hat solche Verhältnisse schon einmal erlebt. "Aber eine Borkenkäferkalamität von diesem Ausmaß hat man nur alle 15 Jahre. Das vergisst man dann leicht wieder."

Der Borkenkäfer ist ein natürliche Begleiter der Fichte. Aber in ihrem ursprünglichen, kälteren Klima kann sie ihn leichter abwehren.Werner Lang
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