Frau erhebt Faust gegen Polizeibeamte
An WAA-Zeiten erinnert

Wie vor 30 Jahren beim Bau der Wiederaufbereitungsanlage (WAA) Wackersdorf: Damals waren es 2000 Menschen, die sich vor Richtern rechtfertigen mussten. Jetzt saß eine junge Frau auf der Anklagebank, weil sie angeblich gewalttätig gegen einen Polizisten wurde.

Amberg-Sulzbach. Die Bilder glichen sich - mit einem kleinen Unterschied: Seinerzeit eilten sogenannte Doku-Trupps den Demonstranten bei Wackersdorf hinterher, jetzt heißen diese staatlichen Aufklärungs-Filmer Videograf. Ein Begriff, der nur schwerlich einzuordnen ist. Besagter Videograf nahm eine Szene auf, die in einem Saal des Amtsgerichts mehrfach zum Besten gegeben wurde.

Kein Schmerz


Auf die Anklagebank hatte man eine heute 21-Jährige vor Jugendrichter Peter Jung geholt. Sie war am 25. Oktober 2014 von ihrem Wohnort im nördlichen Landkreis nach Bamberg gefahren, weil dort rechtsradikale Leute gegen angeblichen Asylmissbrauch demonstrierten. Sie schloss sich aus Überzeugung der Gegenseite an - und geriet von einer Sekunde auf die andere in die von Amts wegen ausgelöste Bredouille. Offenbar eskalierten die Geschehnisse in Bamberg. Von daher wurden die Gruppen von der Polizei getrennt. Dazu marschierten Einheiten auf: Kampfanzug, Helm, Visier und militärischen Truppen ähnelnd. Sie kesselten Leute aus dem gegnerischen Bereich der aus dem rechten Spektrum kommenden Demonstrations-Veranstalter ein, um dort angeblich einen Mann festzunehmen, der eine Körperverletzung begangen haben soll. Die junge Frau aus dem Landkreis erhob dann, angesichts der sie bedrängenden uniformierten Armada, ihren rechten Arm und ballte die Finger zur Faust. Anschließend soll sie in Richtung eines vor ihr stehenden Polizisten geschlagen haben. Tat sie es wirklich?

Der aus Bamberg herbeigeholte Beamte bestätigte das zwar, allerdings sagte er auch, dass der vermeintliche Faustschlag an seiner mit Metallschutzschild versehenen Weste abprallte. Keine Verletzung, auch kein Schmerz. Aber nach amtlicher Einschätzung eine versuchte Körperverletzung samt Widerstand. Wo der herkam, blieb unklar. Er wolle sich zu polizeitaktischem Vorgehen nicht äußern, erfuhr Richter Jung von dem Polizisten. Wohl aber wurde dem Polizisten mitgeteilt, er könne samt dem draußen wartenden Videografen, ebenfalls im Beamtenstand, heimfahren. Nachdem sich die Angeklagte beim angeblich geschlagenen Ordnungshüter entschuldigt hatte, beließ es der Vorsitzende bei einer Ermahnung. "Halten Sie sich fern von Gewalt", empfahl er der 21-jährigen Angeklagten.

Eindrücke des Filmes


"Die richterliche Ermahnung hatte ich schon im Vorfeld angeregt", sagte Verteidiger Helmut Miek (Sulzbach-Rosenberg) nach dem Prozess. Die Frau muss ihre eigenen Auslagen tragen. Den erheblich größeren Rest zahlt die Staatskasse.
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