Freie Wähler beleuchten Kaiser Karl IV. und König Wenzel
Sagen um Monopoly-Monarch

Die FW-Stadträte Johanna Erras-Dorfner, Günther Schuster und Brigitte Groher freuten sich mit Melanie Häckel als musikalischer Begleitung, Stadtheimatpfleger Sepp Strobl und Historikerin Dr. Christine Paschen (von links) ein gut zusammenpassendes Trio für ihren Kaiser- und König-Abend um Karl IV. und Wenzel gefunden zu haben. Bild: vt

Mehr als in anderen Orten haben sich in Hirschau unzählige Sagen und Legenden um Kaiser Karl IV. und seinen Sohn König Wenzel gebildet. Die Freien Wähler der Stadt nahmen den 700. Geburtstag des Monarchen zum Anlass, einen genaueren Blick auf die Herrscherfamilie zu werfen.

Hirschau. Genauer gesagt taten das Stadtheimatpfleger Sepp Strobl und Historikerin Dr. Christine Paschen aus Amberg. Letztere referierte über die Ära der Luxemburger: Karl IV. wurde 1316 in Prag geboren und "genoss" eine strenge Erziehung durch seinen Vater, die sogar soweit ging, dass er im Kindesalter zwei Jahre lang im Kerker eingesperrt war. Als Heranwachsender verbrachte er viele Jahre in europäischen Ländern, machte dort eine Ausbildung und lernte Sprachen: Französisch, Italienisch, Tschechisch und Latein.

Große Dimensionen


So wundert es laut Paschen nicht, dass Karl als späterer König und Kaiser stets in großen Dimensionen dachte. Die Referentin nannte ihn einen Sammler von Frauen und Kronen und verglich seine Regentschaft mit Monopoly: "Wenn ich in das investiere, bekomme ich jenes." Karl förderte nach ihren Worten auch den Handel zwischen Prag und Nürnberg. Er ordnete dabei an, dass der Weg von Prag nach Nürnberg über Bärnau, Weiden und Hirschau gehen müsse. Mehr noch: Kaiser Karl verfügte 1367 für die Stadt Hirschau, "das die strasse, die bei der stat geet, durch die stat geen soll" und dass jeden Dienstag ein Wochenmarkt abgehalten werden darf.

Die Goldene Straße wurde zum Lebensnerv Hirschaus und verschaffte dem Ort einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Karl IV. war laut Paschen ein tiefreligiöser Mensch. Er glaubte, wie die meisten Zeitgenossen damals, durch Heiligenverehrung vor Krankheiten wie der Pest geschützt zu sein. Paschen bezeichnete ihn deshalb auch als Reliquiensammler, der keine Mittel und Wege scheute, diese überall zu erwerben.

Wenig Ehrenhaftes


Über König Wenzel IV. gibt es nach Auskunft der Historikerin wenig Ehrenhaftes zu berichten. Sein Beiname "der Faule" sage vieles über die Regentschaft dieses Herrschers aus, der sich vornehmlich mit Jagd, Alkohol und Frauen die Zeit vertrieb. Er war es auch, der den Generalvikar aus Pomuk, heute als Heiliger Nepomuk verehrt, von der Karlsbrücke in die Moldau stürzen ließ, sagte Paschen.

Im zweiten Teil der Veranstaltung griff Stadtheimatpfleger Sepp Strobl einige der vielen Geschichten über König Wenzel in Hirschau auf: So war das Jagdschloss auf dem Wenzelberg allenfalls eine Jagdhütte und die "weißen Frauen" vielleicht Attrappen, um ungeliebte Besucher fernzuhalten. Den vermeintlich entdeckten Geheimgang vom Schloss zum Wenzelberg entlarvte er als ehemaligen Luftschutzbunker der AKW. Zu dem Diebstahl von drei "Fuder" Wein von insgesamt sieben, die eigentlich für Wenzels Vater Kaiser Karl bestimmt waren, zitierte Strobl einige Quellen, die diesen Vorfall in die Wenzelschlucht an der Naab zwischen Wernberg und Pfreimd verorten.

Pflegeschloss gut gepflegt


Strobl ging auch auf die wechselvolle Geschichte des Pflegeschlosses ein. Anhand von Skizzen und Bildern zeichnete er die gebäudlichen Veränderungen der Anlage von den Anfängen im 13. Jahrhundert bis in die Neuzeit nach. Spannend wurde es, als er dann die Besucher in den Festsaal im ersten Stock führte und ihnen vor Ort einige Details erklärte. Umrahmt wurde der Abend, zu dem FW-Stadtrat Günther Schuster begrüßt hatte, von Diplom-Musikpädagogin Melanie Häckel aus Mantel. Sie begeisterte mit Gesang und virtuoser Gitarrenmusik der Renaissance.
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