Genanalyse beim Wolf, der auf der A 93 ums Leben kam, bringt keine Klarheit
Ein Rätsel bleibt

Eine gewisse Unschärfe kennzeichnete den im Landkreis Nürnberger Land aktiven Wolf schon, als er Anfang April eine Wildbeobachtungskamera in der Nähe von Neuhaus an der Pegnitz auslöste. Auch nach der genetischen Analyse von Speichelspuren, die es hinterließ, als es Ende April ein Schaf in der Gemeinde Hartenstein riss, bleibt das weitere Schicksal des Tieres unklar. Bild: privat/Landesamt für Umwelt

So viel kann das Landesamt für Umwelt jetzt mit Sicherheit sagen: Der Wolf, der Ende Mai bei einem Unfall auf der A 93 bei Schwarzenfeld getötet wurde, stammt ursprünglich aus den Südwest-Alpen. Bei der für den Landkreis interessantesten Frage muss die Behörde aber passen.

Amberg-Sulzbach. (ll) Es geht darum, ob dieser Wolf derselbe ist, der im April an der westlichen Grenze der Region Amberg-Sulzbach aktenkundig wurde, als er zunächst bei Neuhaus a. d. Pegnitz (Landkreis Nürnberger Land) eine Wildbeobachtungskamera auslöste und wenig später bei Güntherstal (Gemeinde Hartenstein) ein Schaf in einem Gehege riss.

Dabei hinterließ er Speichelspuren, deren genetische Analyse erst die Sicherheit brachte, dass das Raubtier ein Wolf war. "Weitere Auswertungen zu Geschlecht und Herkunft des Wolfes wurden veranlasst", hieß es damals aus dem Landesamt für Umwelt (LfU). Zunächst verband sich damit die Hoffnung, durch die Genanalyse bestimmen zu können, ob der Wolf aus dem Nürnberger Land derselbe war, der später bei Schwarzenfeld dem Autoverkehr zum Opfer fiel.

Eine für Amberg-Sulzbach wichtige Frage, weil ein Ja als Antwort nahegelegt hätte, dass das Raubtier von West nach Ost durch den Landkreis gewandert wäre. Eine Sprecherin des LfU teilte jetzt allerdings auf AZ-Nachfrage mit, eine Aussage darüber sei nicht möglich, da die weiteren Untersuchungen der Speichelspuren ohne Ergebnis geblieben seien: "Wie das beauftragte Labor mitteilte, war das genetische Signal der Proben zu schwach für eine Zuordnung."

Zur Erläuterung schreibt das LfU: "Ob eine genetische Analyse erfolgreich ist, hängt von der Menge und der Qualität der Probe ab. Viele Faktoren wie etwa das Alter der Probe, Sonneneinstrahlung oder Kontamination mit Fremd-DNA anderer Tiere können den Erfolg beeinflussen."

Ganz anders naturgemäß die Situation beim Schwarzenfelder Wolf, bei dem ein ganzer Tierkörper für die genetische Analyse zur Verfügung stand. Ihr Ergebnis ist laut LfU eindeutig: Der Wolf war "ein Männchen aus der Population in den Südwestalpen (Italien, Frankreich, Schweiz)". Über einen Abgleich mit den Datenbanken aus dem Alpenraum wolle man noch herausfinden, ob dieses Tier bereits früher nachgewiesen wurde. Es könne aber einige Zeit dauern, bis hier Ergebnisse vorlägen.

Auch wenn somit nicht klar ist, ob der Wolf aus dem Nürnberger Land noch in der Region ist, dürfte kein Grund zur Besorgnis bestehen. Zum einen heißt es auf der LfU-Homepage, dass es seit Ende April "keine weiteren Hinweise auf eine mögliche Wolfsanwesenheit im Landkreis" Nürnberger Land gebe. Zum anderen erfuhr die AZ im Juni vom Landesamt, dass aus Amberg-Sulzbach bisher überhaupt noch "keine Sichtung eines Wolfes gemeldet" worden sei.

Wolfs-TippsWölfe in freier Natur sind für das LfU grundsätzlich kein Anlass zur Beunruhigung: Der Wolf sei von Natur aus vorsichtig und weiche dem Menschen aus. Seit 1996 lebten Wölfe wieder wild in Deutschland, und seit dieser Zeit habe es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben. Ferner heißt es auf der LfU-Homepage: "In den letzten 50 Jahren sind in Europa neun Fälle von tödlichen Angriffen auf Menschen bekannt geworden, fünf davon durch tollwütige Tiere. Zum Vergleich: In Deutschland starben 2007 bis 2009 durch Insektenstiche 45 Menschen, seit 1989 gab es 40 Todesfälle durch Hunde."

Das LfU gibt einige Tipps, wie man sich verhalten sollte, falls man unvermutet doch einmal einem Wolf gegenübersteht:

"Der Wolf reagiert auf den Anblick von Menschen vorsichtig, aber er ergreift nicht immer sofort die Flucht. Oft zieht sich das Tier langsam und gelassen zurück. Falls doch eine Begegnung stattfinden sollte, sind folgende Regeln zu beachten:

Haben Sie Respekt vor dem Tier.

Laufen Sie nicht weg. Wenn Sie mehr Abstand möchten, ziehen Sie sich langsam zurück.

Falls Sie bei der Begegnung selbst einen Hund dabei haben, sollten Sie diesen in jedem Fall anleinen und nahe bei sich behalten.

Wenn Ihnen der Wolf zu nahe erscheint, machen Sie auf sich aufmerksam. Sprechen Sie laut, gestikulieren Sie oder machen Sie sich anderweitig deutlich bemerkbar.

Füttern Sie niemals Wölfe - die Tiere lernen sonst schnell, menschliche Anwesenheit mit Futter zu verbinden und suchen dann eventuell aktiv die Nähe von Menschen."
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