Gericht verurteilt 25-Jährigen wegen häuslicher Gewalt gegen Freundin
Harte Hiebe und trotzdem Liebe

Amberg-Sulzbach. Er kann sich nicht beherrschen. Wenn der Mann ausrastet, hat seine Lebensgefährtin darunter zu leiden. Als der 25-Jährige nun wegen seiner Übergriffe ins Gefängnis sollte, weinte die Frau. Sie liebt ihn trotz allem.

Die Liste der häuslichen Attacken war lang. Geschehen in einer Wohnung im nördlichen Landkreis und vom Opfer, einer 26-Jährigen, wohl deswegen angezeigt, weil sich die junge Mutter nicht mehr anders zu helfen wusste. Eigentlich viele Gründe zur Trennung. Doch das Paar will es noch einmal miteinander versuchen. Das machte eine Urteilsfindung für Richterin Sandra Tofolini nicht einfacher.

Gewürgt und eingesperrt


Neben seinem Anwalt Michael Schüll sitzend, gab der Angeklagte sofort zu: "Es stimmt alles." Er räumte ein, leicht aggressiv zu werden und berichtete auch von Eifersucht, die ihn mitunter umtreibe. Was dabei geschah, war im wahrsten Sinn des Wortes heftig. Die Frau bekam eine Getränkedose an den Kopf geworfen, sie wurde gewürgt, in der Toilette eingesperrt, auf den Oberschenkel geschlagen und zweimal um Geld bestohlen. Triste Situationen in häuslicher Gemeinschaft. Sie wurden beendet, als sich die 26-Jährige an Behörden wandte.

Jetzt saß der mehrfach Vorbestrafte auf der Anklagebank. Reumütig und mit der bekundeten Absicht, sich in eine Anti-Aggressionstherapie zu begeben. Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel hatte ihn begutachtet. Im Prozess kam er zu der Auffassung: "Schuldausschließungsgründe sind nicht vorhanden." Zu einer Therapie riet der Mediziner dringend. "Sie könnte ambulant stattfinden."

Gibt es eine gemeinsame Zukunft? Die Lebensgefährtin hofft sehr darauf. "Wir waren beide provokant", sagte sie als Zeugin. Die Vorwürfe wurden allerdings von ihr weitgehend bestätigt. Aus den Akten ließ sich ersehen, dass die körperlichen Angriffe unter laufender Bewährung geschahen. Das brachte Staatsanwältin Christine Apfelbacher zu der Ansicht, dass nun durchgegriffen werden müsse. Sie beantragte 20 Monate Haft zum Absitzen gegen den häuslichen Gewalttäter und hielt ihm vor: "Sie hätten längst mit einer Therapie beginnen können."

Tränen der Erleichterung


Dem Paar sei eine Chance zu geben, man könne den Mann nicht einsperren, ließ Anwalt Schüll im Plädoyer anklingen. 16 Monate mit Bewährung hielt er für angebracht. Die Richterin überlegte längere Zeit. Dann entschied sie auf eineinhalb Jahre mit Bewährung. Allerdings unter Auflagen: Der erwerbslose junge Mann muss sich um eine feste Arbeits- oder Ausbildungsstelle bemühen. Er bekommt einen Bewährungshelfer, hat sich sowohl in eine Psycho- als auch in eine Anti-Aggressionstherapie zu begeben.

Damit war er einem Gefängnisaufenthalt knapp entgangen. Seine Partnerin, zunächst wegen des Antrags der Staatsanwältin in Tränen ausgebrochen, weinte erneut. Diesmal aus Erleichterung.
Sie hätten längst mit einer Therapie beginnen können.Staatsanwältin Christine Apfelbacher zum Angeklagten
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