Gericht verurteilt 40-Jährigen wegen dunklen Geschäfts mit Reitsattel
Als Roßtäuscher nicht sattelfest

Okay, dies ist ein Symbolbild. Wir wissen nicht, ob der fragliche Reitsattel auf einem Roller abtransportiert wurde. Aber die Richterin war überzeugt, dass der 40-jährige Angeklagte entweder selbst den Einbruch in die Sattelkammer beging oder sich das zur Debatte stehende Utensil als Hehler aneignete. Bild: Hartl

In den Zeugenvernehmungen ging es bisweilen tief hinein in reitsportliche Bereiche. Die alles entscheidende Frage lautete dabei: Wem gehörte ein Sattel, der als gestohlen in der polizeilichen Fahndungsliste stand.

Amberg-Sulzbach. Drei Verhandlungstermine, fast zehn Stunden Prozessdauer. Auf der Anklagebank saß ein 40-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis, der bis zum Schluss behauptete, der im Mittelpunkt des Verfahrens stehende Sattel gehöre ihm. Fest stand: Der besagte Sattel war von dem Mann an eine 41-jährige Pferdebesitzerin verkauft worden, die zur Ausübung ihres Hobbys regelmäßig aus Franken in den Kreis Amberg-Sulzbach kommt. Sie hatte beim Kauf auch Papiere erhalten, die sie noch immer verwahrt.

Rückgabe oder Diebstahl?


"Sie hat den Sattel zurückgegeben", erfuhr Richterin Julia Taubmann vom Angeklagten. "Das habe ich nicht", ließ die als Zeugin geladene Frau vernehmen und berichtete, dass ihr das 2050 Euro kostende lederne Zubehörteil nicht lange darauf beim Einbruch in die Sattelkammer ihres Reiterhofes abhanden gekommen war. Außerdem zählten noch zwei weitere Sättel zur Beute des Täters. Der Gesamtschaden betrug dabei nahezu 10 000 Euro. Der 40-Jährige blieb dabei: "Der Sattel befand sich nach der Rückgabe wieder in meinem Besitz." Bei ihm wurde er auch gefunden. Und zwar dann, als Polizeibeamte sein Haus durchsuchten, weil sie den Verdacht hatten, der 40-Jährige würde über ein Versteigerungsportal im Internet gestohlene Reitsportutensilien anbieten. Dabei stießen sie auf das als gestohlen geltende Stück.

Wem war zu glauben? "Natürlich hat uns die Frau mit der Wahrheit bedient", zeigte sich Staatsanwältin Franziska Bücherl überzeugt. In ihrem Plädoyer beschrieb sie zwei Möglichkeiten: Entweder der 40-Jährige sei selbst der Einbrecher gewesen oder er habe sich den Sattel als Hehler illegal angeeignet.

Neun Monate und 2000 Euro


Dafür verlangte die Anklagevertreterin unter Einbeziehung einer Geldstrafe, die wegen Körperverletzung gegen den Mann in Amberg verhängt worden war, neun Monate Haft mit Bewährung und eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro. "Wenn man verurteilen will, ist der lückenlose Nachweis zu führen", unterstrich Verteidiger Helmut Haberberger (Auerbach). Doch das sei im Prozessverlauf nicht geschehen. Von daher verlangte er Freispruch.

Richterin Taubmann stellte sich an die Seite der Staatsanwaltschaft. Auch sie vertrat die Auffassung, dass der 40-Jährige entweder selbst den Einbruch in die Sattelkammer beging oder sich das zur Debatte stehende Utensil als Hehler aneignete. Ihr Urteil: Neun Monate mit Bewährung und 2000 Euro Geldauflage.
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