Golfclub Lauterhofen erhält Architekten-Preis für seine witzigen WC-Anlagen
Mit der Mörtelmaschine aufs Klo

Nein, das ist nicht das Urinal, wie man beim ersten Blick auf die knallrote und innen auch noch sanitär-blau gestrichene Mörtelmaschine denken könnte. Wer genau hinsieht, erkennt über dem runden Bauch die Wasserhähne - das Ganze ist also ein Handwaschbecken. Vor Ort durchschauen die Nutzer das schneller als es auf dem Foto anmutet - und bringen nichts durcheinander. Dieser Abort ist aus Stahl hergestellt und heißt deshalb Schweißerhäusl - mit "w".
 
Dieses moderne WC-Häusl mit naturnaher Holzverkleidung zeigt eindrucksvoll, warum der Golfclub Lauterhofen den BDA-Preis gewonnen hat.

Von wegen stilles Örtchen: Was macht die knallrote Mörtelmaschine im WC? Auch wenn sich in ihrem Bauch alles dreht, muss sie nicht wirklich aufs Klo. Aber sie mischt das plätschernde Häuschen optisch kräftig auf. Und sie hat zusammen mit zwei weiteren besonderen Klos und einer Strohhütte jetzt den bayerischen Architektur-Oscar erklappert.

Amberg-Sulzbach. So kann man den renommierten Preis des Bunds Deutscher Architekten (BDA) ruhig nennen. In der Kategorie Sonderbauten ging er an diese vier neben dem Mörtelmischer-Gag modern und pfiffig gestalteten Gebäude. Sie stehen allesamt auf dem Golfplatz in Lauterhofen, wo sich die dortige Clubführung über die hohe Auszeichnung freut. Zur Übergabe des Preises waren Präsident Gerhard Weichselbaum und die Architekten Johannes und Gudrun Berschneider ins Künstlerhaus nach München gefahren.

Der BDA-Preis Bayern zeichnet stets nicht nur die hohe Qualität der prämierten Bauwerke, sondern auch die gute Zusammenarbeit zwischen Architekten und Bauherren aus. "Diese ist in unserem Club mit dem ehrenamtlichen Engagement von Johannes Berschneider als Platz- und Gebäudewart vorbildlich umgesetzt", sagt Weichselbaum begeistert, der über die aufsehenerregenden Neubauten auf dem Clubgelände genauso schwärmt: Toilettenhäuschen aus Schnittholz, Beton und Stahl sowie eine Schutzhütte aus Stroh.

Skulpturen statt Shit-Holes


Wobei laut Präsident auch die "Freitagsspieler", von Johannes Berschneider motiviert und angeleitet, mit ihrem vielfältigen Einsatz die Realisierung dieses Projekts ermöglichten. Hinzu kamen nach seinen Worten einige Sponsoren, "die das Gelingen dieser außergewöhnlichen Bauwerke für den Club kostenneutral machten". "Die kleinen, aber feinen Gebäude machen unseren Platz nicht nur landschaftlich, sondern auch in architektonischer Hinsicht zu etwas Besonderem", dankt Weichselbaum in einer Pressemitteilung für das konzertierte Engagement.

Stolz ist er auch auf die Beurteilung der Jury, die sich nach seiner Mitteilung so liest: "Getoppt wurde dieser Running Gag der stillen Örtchen von den Follies, in denen auf dem Golfplatz Lauterhofen ausgetreten wird. Es ist der Verein von Johannes Berschneider, den man dort nur freundlich "Berschi" nennt. Der Architekt hat gemeinsam mit seinen Abschlag-Kumpels die Shit-Holes auf dem Gelände durch Sanitärskulpturen ersetzt, bei deren Benutzung niemand mehr gelangweilt auf sein Handy starren muss.

Mit wackelig geschnittenen und verschweißten Stahlplatten, die Berschneider in einem Steinbruch liegen sah, mit Schichtbeton, den seine Golf-Clique mit alten Schlägern gestampft hat, und mit dem Schnittholz einer Entbuchungsaktion wurden drei Toilettenhäuschen errichtet, die man eher auf der Documenta erwarten würde, als auf einem Grün für den feinen Reichensport."

Zu dem Naturgolfplatz Lauterhofen, wo es Streuobstwiesen, ein Insektenhotel und Heidschnucken für die Platzpflege gibt, passen die lustigen Bastel-Klos laut BDA-Experten perfekt. "Und sie bieten echte Zusatzfeatures: Eine große spiegelnde Über-Eck-Verglasung erlaubt in der Betonhütte den Blick von der Klobrille über das ganze Tal, ebenso wie im Holz-Gabinetti, wo ein Sehschlitz in Sitzhöhe Fernsicht gewährt", lobte die Jury.

Schweißerhäusl und Heu


Sie sah neben dem Schweißerhäuschen mit der roten Mischmaschine als Clou auch in einer Schutzhütte einen Höhepunkt, die aus Heuballen vom benachbarten Feld gebaut wurde. "Auf dem Course durch die bayrischen Toiletten-Greens waren diese Holes definitiv ein Triple Eagle", zitiert Weichselbaum noch einmal stolz einen der druckvollen Kernsätze der Jury bei der Preisverleihung.
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