Heroin kommt aus Osnabrück
Das "Bombig Braune" ist für Max

Wenn Viktor aus Osnabrück zu Max in die Oberpfalz fuhr, brachte er Heroin mit. Den Empfänger, schwer rauschgiftabhängig, forderte man per SMS auf, "die Kopeken herzurichten". Der 44-Jährige löhnte allerdings nicht in russischer Währung, sondern zahlte seine Schulden in Euroscheinen.

Amberg-Sulzbach. Der Hauptkommissar (56), führender Ermittler bei einer aus Kripo- und Zollbeamten bestehenden Fahndungseinheit, war frühmorgens in seiner niedersächsischen Heimat zu einer 535 Kilometer langen Zugfahrt aufgebrochen, um nachmittags vor der Ersten Strafkammer des Amberger Landgerichts auszusagen. Dort berichtete er dann von einer international operierenden Drogenhändlervereinigung, die von Osnabrück aus Geschäfte machte und Rauschgifttransporte organisierte. Dabei ging es vornehmlich um Heroin in größeren Mengen.

Die Behörden bekamen Wind von den hochkriminellen Transaktionen und erhielten eine richterliche Genehmigung zur Telefonüberwachung. Dabei stellte sich heraus: Es gab unter etlichen anderen Touren von Osnabrück aus zwei Kurierfahrten in einen kleinen Ort an der Nahtstelle der Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf. Am 16. Januar 2015 trat ein Mann namens Viktor die lange Fahrt an, wobei man ihm unterwegs die genaue Schreibweise des Dorfes per SMS buchstabierte.

Peilsender am Auto


Viktor erreichte sein Ziel, übergab an einen 44-Jährigen rund 400 Gramm verpacktes Heroin und kassierte die mit dem Empfänger vorher vereinbarten "Kopeken". Der Kurier erhielt 8000 Euro. Am 14. Februar kam Viktor ein zweites Mal. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Osnabrücker Fahnder sein Auto mit einem Peilsender präpariert. Von daher wussten sie: Der Überbringer war abermals zu dem kleinen Ort in der Oberpfalz unterwegs. Diesmal, wie die Lieferanten vorab ihren Kunden informiert hatten, mit 300 Gramm "Bombig Braunem". 60 Gramm blieben bei dem 44-Jährigen. Den weitaus größeren Teil des Heroins sollen - doch das weiß man nicht so genau - zwei aus München angereiste Männer abgeholt haben.

Das Fahnderteam aus Osnabrück beendete jetzt seine beobachtende Zurückhaltung. Es schaltete die Amberger Kripo ein. Sie wurde tätig und nahm am 16. Februar eine Frau in Amberg fest, die von dem 44-Jährigen, den die Drogenhändlerbande intern als "Max" bezeichnete, die ihm beim zweiten Transport übergebenen 60 Gramm Heroin erhalten hatte. Sie wurde zwischenzeitlich zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Jetzt saß "Max", in Handschellen aus der U-Haft gebracht, vor der Ersten Strafkammer. Der Übersiedler, perfekt Deutsch sprechend und bis zu seiner Verhaftung in guter Stellung bei einem Unternehmen im Kreis Schwandorf, legte vor Richterin Roswitha Stöber ein Geständnis ab und gab die Heroinlieferungen zu. Deutlich wurde auch, dass er von seiner Wohnung aus einzelne Kunden in der Region belieferte.

Selbst süchtig


Deren Namen nannte er nicht. Wohl aber erzählte er, dass das Gramm Heroin für Einzelabnehmer 35 Euro kostete. Zusammen mit seinem Anwalt Helmut Mörtl (Regensburg) machte der 44-Jährige deutlich, dass er einen guten Teil des Heroins für sich selbst verbrauchte. Seine Sucht wurde dem Angeklagten von einer psychiatrischen Sachverständigen bestätigt. Sie riet zur längerfristigen Entzugstherapie.

Gepanschtes Heroin


Interessant war: In einem Fall hatten die Osnabrücker Drogenhändler, wie es im Fachjargon heißt, beste Qualität geliefert. Beim zweiten Mal kam minderwertige und gepanschte Ware. Ein anderer Abnehmer hatte das aus Rotterdam beschaffte Heroin als unbrauchbar abgelehnt. "Dann bekommt es eben Max", soll der Bandenchef daraufhin befunden haben.

Auf den Handel mit Heroin stehen hohe Strafen. Die Erste Strafkammer verurteilte den 44-Jährigen zu fünfeinhalb Jahren Haft und zog 8000 Euro ein, die man bei dem Mann gefunden hatte. Die Richter ordneten ferner eine Entzugstherapie an. Staatsanwalt Tobias Kinzler hatte zuvor sechs Jahre gefordert, Verteidiger Helmut Mörtl hielt viereinhalb Jahre für ausreichend. Beide plädierten für eine längerfristige Therapie.

Allerdings stemmte sich Mörtl gegen den sogenannten Verfall der vierstelligen Bargeldsumme. "Wenn er herauskommt", argumentierte er, "steht mein Mandant vor dem Nichts."
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