Interkulturelle Woche schafft Begegnungen
In Würde miteinander leben

An der interkulturellen Woche beteiligt sich auch die türkisch-islamische Gemeinde in Amberg. Am Montag, 3. Oktober, wird sie wieder die Pforten ihrer Moschee in der Fronfestgasse öffnen. Archivbild: Steinbacher

2016 ist das Jahr eins nach der Flüchtlingskrise. Viele Menschen helfen mit bei der Integration - Verständnis füreinander ist gefragt. Oder, wie es Dr. Reinhard Böttcher formuliert: "In Würde miteinander leben." Das will auch die interkulturelle Woche vermitteln.

Amberg. Verschiedene Akteure sind es, die alljährlich unter Federführung des Arbeitskreises Kultur und Religion des interkommunalen Bündnisses für Migration und Integration das Programm der interkulturellen Woche gestalten. Laut Pfarrer Dr. Reinhard Böttcher, der maßgeblich mit an der Konzeption beteiligt ist, gibt es die interkulturelle Woche schon seit 1975 in Deutschland. Damals firmierte sie unter dem Titel "Woche des ausländischen Mitbürgers", in den 1990er Jahren bekam sie ihren jetzigen Namen. Klar formulierte Böttcher das Ziel: "Es geht darum, trotz unterschiedlicher Kultur, Religion und Weltanschauung in Würde miteinander zu leben."

Mit den einzelnen Beteiligten stellte er die Programmpunkte der interkulturellen Woche vor. Bereits im dritten Jahr nimmt der Stadtjugendring laut Anja Gebhardt teil. Im Jugendzentrum wird in Kooperation mit dem Theater Theo ein Stück für jugendliche Migranten aufgeführt. "Es dreht sich um die Flucht und die Erlebnisse auf der Flucht", informierte sie. Mit drei Veranstaltungen beteiligt sich der Caritas-Verband, darunter mit einem interkulturellen Erzählcafé. Wie Organisatorin Sylvia Benjamin erläuterte, sollen sich die Teilnehmer über das Ankommen austauschen können; nicht nur über das Ankommen in einem fremden Land, sondern auch in einer anderen Stadt oder in einem neuen Job. "Ziel ist, dass man trotz unterschiedlicher Kultur Parallelen entdeckt", sagte Benjamin. Sie verwies noch auf den Ukraine-Vortrag (Land, Leute, Kultur) ihrer Kollegin Irina Huber. Anne Kuchler, die ebenfalls bei der Caritas arbeitet, stellte den orientalischen Frauentanz vor. "Angeboten wird er für alle Frauen, für Deutsche genauso wie für Migrantinnen." Johann Bauer (Katholische Erwachsenenbildung) sprach das Rezitations-Konzert in der alten Synagoge in Sulzbach zu Lessings "Nathan der Weise" an. Mitwirkende seien junge russische Migranten, ergänzte Irma Axt vom Integrationsbeirat.

Tobias Berz vom Bündnis für Familie sowie Migration und Integration verwies noch auf die gemeinsame Einbürgerungsfeier der Stadt Amberg und des Landkreises. "Begegnungen, sich treffen und sich kennenlernen", das wünscht sich Irma Axt für alle Veranstaltungen der Reihe. Dr. Reinhard Böttcher ging auf drei Vorträge ein, die auf den ersten Blick kaum etwas mit der interkulturellen Woche zu tun haben. "Doch auch ökonomisch-politische Fragen gehören im Ringen um ein würdevolles Zusammenleben dazu", so Böttcher.

Flyer zur interkulturellen Woche sind bei Gemeinden, in vielen öffentlichen Einrichtungen und Geschäften erhältlich, informierte Ulrike L. Zimmermann, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte bei der Volkshochschule des Landkreises.

Das Programm der interkulturellen WocheGottesdienst

Sonntag, 25. September, 9 Uhr, in der evangelischen Johanniskirche Rosenberg zur Geschichte der Russlanddeutschen: "Leiden, von denen keiner spricht".

Orientalischer Frauentanz

Sonntag, 25. September, 15 Uhr, im Jugendzentrum Klärwerk; willkommen sind alle Frauen, Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Erzählcafé

Montag, 26. September, 18 Uhr, im Sozialzentrum an der Dreifaltigkeitsstraße; Thema: Ankommen.

Kinoabend

Dienstag, 27. September, 20 Uhr, im Cineplex; gezeigt wird der türkische Film "Mustang", ein Gespräch darüber schließt sich an. Eintritt: normaler Kinopreis.

Theater "Flucht Ende?"

Mittwoch, 28. September, 10 Uhr, im Jugendzentrum Klärwerk Forumtheater für Jugendliche ab 13 Jahren, anschließend Treffen im JuZ-Café.

Versammlung der Religionen

Donnerstag, 29. September, 19 Uhr, im Pfarrheim Dreifaltigkeit; Thema: "Vor-Urteile können töten - von der Verletzlichkeit des Glaubens."

Ukraine-Vortrag

Freitag, 30. September, 18 Uhr, zum Tag des Flüchtlings Vortrag über "Die Ukraine - Land, Leute, Kultur" von Irina Huber im Sozialzentrum (Dreifaltigkeitsstraße).

Rezitations-Konzert

Samstag, 1. Oktober, 19 Uhr, zu Lessings "Nathan, der Weise" in der ehemaligen Synagoge in Sulzbach.

Tag der offenen Moschee

Montag, 3. Oktober, in der Moschee in der Fronfestgasse.

Vorträge

Mittwoch, 5. Oktober, 15 Uhr in ehemaliger Synagoge Sulzbach; Harald Hofmann über "Flucht und Vertreibung - vom biblischen Thema bis zur Psychologie der ,Umzäunung unseres Lebensraums' von heute". Donnerstag, 13. Oktober, 19.30 Uhr im Saal der Stadtwerke; SPD-Europaabgeordneter Ismail Ertug über "TTIP und der (Un-)Freihandel. Zur Zukunft von Demokratie und weltweiter Gerechtigkeit". Donnerstag, 20. Oktober, 19.30 Uhr, im Paulaner-Gemeindehaus; Dr. Martin Hoffmann über "Religionskritik als Kapitalismuskritik bei Martin Luther"; Eintritt: fünf Euro.

Einbürgerungsfeier

Freitag, 21. Oktober, 17.30 Uhr, für alle neu eingebürgerten Menschen aus Stadt und Landkreis im großen Rathaussaal.

Wort und Musik

Freitag, 21. Oktober, 19 Uhr, in der alten Synagoge in Sulzbach "Liebe braucht keine Religion, aber Religion braucht Liebe" mit Erzähler Alexander Kostinskij und Heinrich Weigert (Musik); Eintritt: zwölf Euro. (san)
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