Klaus und Gertrud Conrad Stiftung hat großes Herz für Hilfsprojekte in Guinea
Conrads Werk in Afrika

Sophie Geiss hat ihren Vater gerne nach Conakry begleitet. Sie ist ausgebildete Krankenschwester und kann von daher den Kindern, aber auch der Krankenstation wichtige Tipps zur Gesunderhaltung und Hygiene geben.
 
Die in eigener Bäckerei produzierten Baguettes sind so lecker, dass sie gut verkauft werden können.
 
Die Bürgerinitiative Amberg hilft Menschen schlägt auch eine Brücke nach Afrika. "Mach doch mit", lautet ihr Slogan, den diese jungen Männer gerne in die Kamera halten. Sie können in einer ebenfalls zum Hilfswerk in Conakry gehörenden Schreinerei und Schlosserei eine Ausbildung machen.

Er ist als Kinderfischer von Conakry bekannt. Pater Stefan Stirnemann holt in der Hauptstadt Guineas ausgestoßene Kinder von den Straßen und schenkt ihnen in seinen Heimen ein neues Leben. Drei dieser Häuser wurden mit Hilfe der Klaus und Gertrud Conrad Stiftung gebaut, die schon lange ein Herz für Guinea hat, bisher aber stets im Stillen half.

Hirschau. Höchste Zeit also, über dieses Engagement einmal zu berichten. Zumal es das Stiftungsgründer-Ehepaar selbst war, das den Spiritaner-Pater von der Dormagener Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist unterstützen wollte und persönlich getroffen hat. In Hirschau am Stammsitz des gleichnamigen Elektronik-Unternehmens sprachen Klaus und Gertrud Conrad mit dem charismatischen Kinderfischer von Conakry und überzeugten sich von seiner beeindruckenden Arbeit.

280.000 Euro für drei Heime


Das führte auch zum Bau der drei Häuser im Gesamtwert von rund 280 000 Euro, die seit 2005 aber keineswegs die einzige Hilfeleistung aus Hirschau geblieben sind. Im Gegenteil hat sich die Klaus und Gertrud Conrad Stiftung auch beim Kauf von Autos für den Transport der Mitarbeiter und Kinder engagiert und sie schickte schon mehrmals Container mit verschiedenen Hilfsmitteln in das westafrikanische Land. Darum kümmert sich seit einiger Zeit federführend Michael C. Geiss. Er ist nicht nur der Neffe von Klaus Conrad, sondern auch der Vorsitzende der Bürgerinitiative Amberg hilft Menschen.

BI baut Ambergs Brücke aus


Diese Funktion passt nach seinen Worten sehr gut zur Unterstützung für Afrika. Denn nicht nur in Amberg baut die BI ihrem Logo entsprechend Brücken für Flüchtlinge und Asylbewerber. Sie hat durch Michael Geiss auch umgekehrt die Brücke nach Afrika geschlagen. Zu dem Kontinent, von dem ebenfalls viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Wenn man es diesen Menschen aber schon in ihren Heimatländern ermöglicht, ein lebenswertes Leben zu führen, müssen sie vielleicht gar nicht erst fliehen. Statt das Glück in Europa in der Fremde zu suchen, wo sie sich und manche Leute mit ihnen schwertun, sollten die Bürger Afrikas Chancen auf ein menschenwürdiges Dasein in ihrer Heimat haben.

"Ich war einfach interessiert, zu sehen, wie man vor Ort helfen kann, damit die Menschen vielleicht gar nicht erst zu uns kommen müssen", beschreibt Michael Geiss seine Motivation, nach Guinea zu reisen. Er tut das aus eigenem Antrieb und im Auftrag seines Onkels, um zu erleben, wie die Spenden der Conrad-Stiftung eingesetzt werden. Denn Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe sind für sie ein wichtiges Stichwort - im Grunde die Basis für jede Unterstützung, die aus Hirschau kommt. Darauf legt sein Onkel ebenso viel Wert wie er, sagt Michael Geiss. Durch effektive Hilfe in den Ursprungsländern wird die Brücke der Hilfe auch umgekehrt wirksam.

Der Vorsitzende der Amberger Bürgerinitiative nimmt das mittlerweile als Argument gegen Kritiker, die der BI zu viel Unterstützung für Geflohene vor Ort vorhalten. "Ich kann sagen, wir helfen hier in Amberg, und wir helfen in Afrika", beschreibt Geiss sein Gegenargument. Tatsächlich wird Amberg hilft Menschen auch in diesem Bemühen von der Conrad-Stiftung unterstützt. Michael Geiss legt sich ins Zeug für Guinea, weil er von diesem doppelten Brückenschlag überzeugt ist. Erst vor kurzem war er mit seiner Tochter Sophie (23) in Conakry und hat dort zum zweiten Mal nicht nur nach dem sinnvollen Einsatz bisheriger Spenden geschaut. Es ging ihm auch darum, zu erfahren, welche Unterstützung als nächstes nötig ist.

Schule und Beruf zählen


Natürlich hat Pater Stefan Stirnemann permanent Wünsche und Ideen - nicht für sich selbst oder den Regensburger Verein mit seiner Schwester als Vorsitzender, der neben der Kirche seine Einrichtungen unterstützt. Es geht dem Missionar immer um "seine" Straßenkinder und Waisen im Alter zwischen drei und 18 Jahren. Ihnen will er Heim, Schule und später eine Ausbildung in den Foyers Saint Joseph genannten Anlagen bieten. Damit sie etwas lernen und die Chance auf einen Beruf und damit ein besseres Leben haben.

In Conakry, am Hauptstandort von Pater Stefans Wohnheimen, Schulen, Krankenstationen, Werkstätten und anderen Einrichtungen - teils zur Selbstversorgung, teils auch zum Verkauf von Waren als Einnahmequelle - wäre zum Beispiel ein Stromtransformator für die bereits bestehende Bäckerei notwendig. Dort werden laut Geiss jetzt schon rund 4000 Brote täglich gebacken. Allerdings sind die beiden Öfen an ein Dieselaggregat gekoppelt, das hohe Kraftstoffkosten verursacht. Dadurch bleibt kaum ein Gewinn übrig, den die Foyers Saint Joseph gerne erzielen würden.

Bäckerei braucht Strom


Sie haben also beim Besuch von Michael Geiss und seiner Tochter angefragt, ob die Conrad-Stiftung bei der Neuanschaffung eines großen Stromgenerators behilflich sein könnte. Und tatsächlich steht die erforderliche Summe von rund 12 000 Euro bereit, informierte Geiss, der daran nur eine Bedingung knüpft: Die Bäckerei muss zuvor so hergerichtet werden, dass sie auf ihrem Flachdach um eine Etage erweitert werden kann. Dadurch vergrößert sich die Produktionsfläche und es könnten mit Hilfe einer leistungsfähigen Stromversorgung doppelt so viele Brote hergestellt werden. Außerdem könnten Backstube und die Tische, auf denen der Teig angerichtet wird, räumlich voneinander getrennt werden. Das ist eine Anforderung, auf die zum Beispiel Hotels mit dem Anspruch auf einwandfrei saubere Ware Wert legen. Sie könnten dann als Kunden gewonnen werden und täglich größere Mengen abnehmen, an denen gerade langfristig gut verdient wäre, beschreibt Geiss das Ziel.

Diese Aufträge gab es nach seiner Auskunft früher schon mal, als die erste Bäckerei an einem anderen Standort untergebracht war. Nachdem sie in ein ebenerdiges Haus umziehen musste, war am neuen Sitz die Möglichkeit der Raumtrennung nicht mehr gegeben. Doch das wäre mit einer Gebäudeaufstockung behoben, für die sich auch die Kirche vor Ort beziehungsweise Pater Stefans Orden engagieren sollen. Unmittelbar danach kommt das Geld für den Stromgenerator, sagt Geiss, der aber zusammen mit seiner Tochter weitere Projekte gesehen hat, die in Angriff genommen werden könnten. Sophie will zum Beispiel voraussichtlich im Oktober noch einmal nach Conakry reisen, um die Krankenstation auf Vordermann zu bringen. Sie bedarf dringend einer Renovierung - auch wegen der hygienischen Verhältnisse - und könnte so fit gemacht werden für eine Zusammenlegung mit der Ambulanz und der bestehenden Apotheke, die bisher separat untergebracht sind.

500 Kinder und Jugendliche


Apropos Krankenstation: Hier werden nicht nur die Kinder behandelt, die der Pater aufnimmt (gegenwärtig rund 500 in fünf Heimen auch außerhalb Conakrys; seit Bestehen insgesamt weit über 2500). Dort werden auch Frauen und ganze Familien versorgt; in Einzelfällen bleiben diese Patienten Monate oder gar Jahre, weil sie keinen anderen Ort haben, wo sie mit ihren Gebrechen bleiben können und versorgt werden.

Michael Geiss erzählt von einer älteren Frau, die hier schon 15 Jahre wohnt. Ihr Bett mit einigen daruntergeschobenen Habseligkeiten ist ihr ganzes Zuhause. Doch obwohl sie krank ist, engagiert sie sich wie viele Frauen und die Jugendlichen bei den anfallenden Arbeiten in den Heimen. Zum Beispiel in der Küche oder beim Wäschewaschen. So ist es ein Kreislauf der Hilfe, von außen angestoßen und unterstützt durch die Conrad-Stiftung. "St. Klaus hilft St. Joseph", beschreibt Michael C. Geiss lächelnd Conrads Afrika-Werk. Und damit ist kein neuer Firmensitz gemeint, sondern einer der vielen Orte auf der Welt, wo das Herz der Conrads sitzt.
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