"Komm, hilf mit": Aktionswoche der Feuerwehr
Für den K-Fall gerüstet

Der Stadtplatz von Simbach am Inn in Niederbayern war am 2. Juni überflutet. Das Hochwasser zerstörte etliche Häuser und Wohnungen. Auch wenn die Region Amberg-Sulzbach bislang von solchen Naturkatastrophen verschont geblieben ist, heißt das nicht, dass es hier nicht auch passieren könnte. "Wir hatten bisher großes Glück, Gott sei Dank", sagt Kreisbrandrat Fredi Weiß. Bild: dpa
 
"Wir haben bislang Glück gehabt, was aber nicht heißt, dass es nicht auch bei uns passieren könnte." Zitat: Kreisbrandrat Fredi Weiß über Katastrophen

Juni 2016: Verheerende Regenfälle haben Simbach am Inn in einen Ort der Verwüstung verwandelt. Unzählige Helfer sind während und nach der Flutkatastrophe im Einsatz. Unter anderem die Feuerwehr. Auch wenn Katastrophen relativ selten sind, im Notfall sind die Aktiven zur Stelle.

Amberg-Sulzbach. Überschwemmungen, Schneemassen, ein Flächenbrand, der einfach nicht auszukriegen ist oder ein schweres Zugunglück: Katastrophen haben viele Gesichter. Das weiß auch Kreisbrandrat Fredi Weiß. Obgleich er froh ist, dass die Region Amberg-Sulzbach davor bislang verschont geblieben ist. "Das heißt aber nicht, dass nicht auch bei uns etwas passieren könnte", sagt der Schnaittenbacher.

Anderswo geholfen


Für den Fall der Fälle sind die Aktiven der Landkreis-Feuerwehren aber gut gerüstet. Dass sie mit anpacken können, haben sie schon vielfach unter Beweis gestellt. Beim Hochwasser im August 2002. Oder bei der Schneekatastrophe im Bayerischen Wald ein paar Jahre später. Die diesjährige Aktionswoche hat der Landesfeuerwehrverband unter das Thema "Wenn die Katastrophe kommt, sind wir bereit. Komm hilf mit!" gestellt. Denn: Die freiwilligen Feuerwehren seien im K-Fall unverzichtbar. Fredi Weiß erinnert sich an die Unwetter dieses Sommers, die punktuell schon heftig waren, wenn auch überhaupt nicht vergleichbar mit der Situation in Simbach am Inn Anfang Juni oder in Fischerdorf, einem Ortsteil von Deggendorf, im Frühsommer 2013. "Heuer hatten wir mal ein schwereres Unwetter im Bereich von Diebis und Ebermannsdorf, zeitgleich war es auch in Auerbach heftig. Dort war sogar das Schwimmbad von Überschwemmungen betroffen."

Wirklicher GAU: Blackout


Seit fünf Jahren ist Weiß Kreisbrandrat, in dieser Zeit sei der Landkreis immer relativ glimpflich davongekommen - sei es bei Starkregen, Hagel, aber auch heftigen Stürmen. "Es kommt aber schon vor, dass der Sturm Bäume entwurzelt, die auf die Straße fallen und die wir dann beseitigen müssen."

Weiß nennt einen möglichen Katastrophenfall, den man kaum bedenkt, der aber sehr heftige Folgen haben kann: ein flächendeckender Stromausfall. Im Winter 2005 war dies in Münsterland über Tage der Fall, nach heftigen Schneefällen waren Hochspannungsmasten unter der Eislast umgeknickt oder verbogen worden. "Da geht dann gar nichts mehr", sagt Weiß über das Szenario eines Blackouts. Man müsse sich nur mal im häuslichen Umfeld umsehen, was alles Strom benötige. Selbst Garagentore oder Türen ließen sich nicht mehr öffnen, die per Elektronik gesteuerte Heizung stelle ebenfalls ihren Dienst ein. "An Bankautomaten kriegt man kein Geld mehr, keine Ladentür geht mehr aus, an der Tankstelle funktioniert keine Zapfsäule mehr", erläutert Weiß.

Der Kreisbrandrat erklärt, dass gerade die großen Flutkatastrophen in der Vergangenheit zur Aufstellung von sogenannten Hilfeleistungskontingenten geführt hätten. Egal, ob Hilfe nach Hochwasser, Sturm oder starkem Schneefall benötigt werde: Die betroffenen Gebiete können über die Regierung diese Kontingente dann anfordern, wenn ihre eigenen Kräfte nicht mehr ausreichen, um das Ausmaß zu bewältigen.

Mit 115 Feuerwehren im Landkreis, in denen rund 5000 Aktive Dienst leisten, ist Amberg-Sulzbach gut aufgestellt. "Im Notfall stehen wir Gewehr bei Fuß", sagt Weiß. Dennoch sieht er die Aktionswoche auch als Nachwuchswerbung. Deshalb appelliert er an potenzielle Mitstreiter: "Komm, hilf mit!"

Wir haben bislang Glück gehabt, was aber nicht heißt, dass es nicht auch bei uns passieren könnte.Kreisbrandrat Fredi Weiß über Katastrophen


Feuerwehraktionswoche: "Komm, hilf mit!"Unter dem Motto "Wenn die Katastrophe kommt, wir sind bereit! Komm, hilf mit!" steht die neue Kampagne des Landesfeuerwehrverbandes (LFV). An der Aktionswoche beteiligen sich auch zahlreiche Feuerwehren aus dem Landkreis, unter anderem mit Einsatz-, Lehr- und Schauübungen, Besichtigungen oder Tag der offenen Tür. Ziel ist laut Kreisbrandrat Fredi Weiß, die Menschen gerade im Bereich des Katastrophenschutzes aufzuklären. Der Schnaittenbacher verhehlt nicht, dass die Feuerwehr dabei auch Werbung in eigener Sache betreibt, um neue Mitglieder für den aktiven Dienst zu gewinnen. Die Aktionswoche läuft offiziell von Samstag, 17., bis Sonntag, 25. September. Doch im Landkreis Amberg-Sulzbach könne die Aktion bis in den Oktober hineinreichen, berichtet Fredi Weiß. (san)
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