Landgericht hebt Freispruch auf
Unteroffizier als Drogenhändler

Symbolbild: dpa

Er kam mit einem Freispruch aus erster Instanz und verließ als Verurteilter das Landgericht. Bitter für einen Berufssoldaten, der sich bis zuletzt massiv dagegen verwahrt hatte, ein Rauschgifthändler gewesen zu sein.

Amberg-Sulzbach. Die 3. Strafkammer ermittelte intensiv. Unter Führung von Richter Gerd Dreßler wusste sie: Bei einem Schuldspruch drohte dem Angeklagten das Ende seiner Laufbahn bei der Bundeswehr. Die Wertung des Falles erwies sich als äußerst schwierig. Vor dem Amtsgericht war sie vor einem Jahr mit einem Freispruch zugunsten des Angeklagten ausgefallen. Er konnte zufrieden sein. Doch Staatsanwalt Tobias Kinzler gab nicht nach. Er ging in die Berufung und sorgte dafür, dass das Verfahren jetzt noch einmal an zwei Prozesstagen aufgerollt wurde.

Im nördlichen Landkreis gibt es ein relativ abgelegenes Anwesen, in dem eine heute 35-Jährige ihre Wohnung hatte. Die Frau, momentan in Entzugstherapie, war süchtig und handelte mit Drogen aller Sorten. Als Kripofahnder mit einem Spürhund zur Durchsuchung erschienen, stießen sie nicht nur auf ein im Freien angelegtes Rauschgiftdepot. Ihnen fielen auch Listen mit Namen von Leuten in die Hände, die als Lieferanten in dem Haus aufgetaucht waren. Darunter der jetzt auf der Anklagebank sitzende Soldat.

Nur "sexuelles Verhältnis"


Nicht lange darauf wurde sein Zimmer in einer oberbayerischen Kaserne gefilzt. Polizeibeamte fanden vier Gramm Marihuana. Damit kam die Maschinerie endgültig ins Rollen. Er selbst behauptete von Beginn an: "Ich kannte die Frau und hatte ein sexuelles Verhältnis zu ihr." Die kleine Marihuana-Ration sei ihm dann quasi von seiner enttäuschten Geliebten als Racheakt in einem Gepäckstück "untergejubelt" worden, als er seine Sachen in dem Haus abgeholt und das intime Verhältnis beendet habe.

Doch kein Liebhaber


Die 35-Jährige schilderte das ganz anders. "Es gab nie sexuelle Kontakte", unterstrich sie und erzählte, dass der ihr eigentlich nur namentlich bekannte Mann bisweilen an Freitagen erschien, größere Marihuana-Lieferungen brachte, dafür 9,80 Euro pro Gramm kassierte und wieder ging. Ein Geschäftspartner also, keinesfalls in der Liebhaberrolle. Womit dann Aussage gegen Aussage stand.

Der Kammervorsitzende Dreßler ging den Umständen sehr genau auf den Grund. Er ließ wesentlich mehr Zeugen als in erster Instanz laden. Beispielsweise Drogenfahnder aus Amberg, von denen einer am zweiten Prozesstag berichtete: "Die Frau hat damals sofort gesagt, dass er Marihuana brachte. Sie wollte reinen Tisch machen."

Die Strafkammer änderte die Entscheidung der Erstrichter in heftiger Weise gegen den Angeklagten. Sie hielt es für erwiesen, dass der 33-Jährige Marihuana-Lieferant war, verhängte elf Monate Haft mit Bewährung und verband das mit einer Geldauflage. Außerdem muss der Berufssoldat über 3000 Euro als sogenannten Wert-Verfall für den illegalen Verdienst am Rauschgift bezahlen. Damit schlossen sich die Richter weitgehend der Meinung des Staatsanwalts an. Verteidiger Michael Schüll hatte erneut auf Freispruch plädiert.

Einen Schuldspruch hatte es bereits in erster Instanz in anderer Sache gegeben. Bei dem Mann war ein verbotener Schlagring gefunden worden. Dafür bekam er eine Geldstrafe. Diese Verurteilung hatte jetzt beim Landgericht Bestand und wurde in die verhängte Ahndung mit einbezogen. Bleibt die Frage, was die Bundeswehr tut. Über dem Zeitsoldaten im Unteroffiziersrang schwebt das Damoklesschwert der Entlassung.
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