Landkreisbürgermeisterinnen informieren sich bei Donum Vitae
Kind nicht geplant und nicht gewünscht

Die Politikerinnen waren von der vielschichtigen Arbeit der Beratungsstelle beeindruckt. Von links: Evi Höllerer (Hahnbach), Brigitte Bachmann (Birgland), Lydia Zahner (Etzelwang), Birgit Singer-Grimm (Kümmersbruck), Brigitte Netta (Amberg), Christl Seidl und Hilde Forst (beide Donum Vitae), Alexandra Sitter (Ammerthal), Michaela Mußemann und Cornelia Rubenbauer-Pickel (beide Donum Vitae). Bild: e

Geplant war's nicht, gewünscht schon zweimal nicht - aber es ist passiert! Nun ist niemand da zum Reden, und oft kommt nur "selbst schuld" als lapidare Antwort. Viele Mädchen oder Frauen haben keine Vertrauensperson und fühlen sich allein gelassen mit der ungewollten Schwangerschaft, allein mit dem inneren Konflikt, der Angst, Panik oder Verzweiflung.

Die Mitarbeiterinnen von Donum Vitae kennen diese Probleme zur Genüge. "Die psychische und physische Überforderung ist mit 82 Prozent dann auch der Hauptgrund für die Erwägung eines Schwangerschaftsabbruches. Die Angst vor der Verantwortung/Zukunft ist mit 79 Prozent die zweithäufigste Ursache, wenn Frauen an einen Abbruch denken."

Ein Segen ist hier für die Betroffenen die seit 2001 bestehende staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen Amberg in der Trägerschaft von Donum Vitae. Und die Zahlen beweisen, dass dringender Bedarf nach so einer Einrichtung besteht.

Im Amberger Büro von Donum Vitae trafen sich sozusagen parteiübergreifend Bürgermeisterinnen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, um sich über dieses Frauen betreffende Thema zu informieren. Von der Amberger Beratungsstelle haben Sozialpädagogin Hilde Forst, Cornelia Rubenbauer-Pickel (Außenstelle Sulzbach-Rosenberg), Christl Seidl und Michaela Mußemann den Bürgermeisterinnen Einblicke in die vielschichtige Arbeit gewährt: "Vieles davon war selbst uns Frauen nicht bekannt", bilanzierte danach die Kümmersbrucker 2. Bürgermeisterin Birgit Singer-Grimm. "Oberstes Gebot ist die Verschwiegenheitspflicht bei der allgemeinen Schwangerschaftsberatung", betonten die Frauen. Eine wichtige Säule sei auch die sexualpädagogische Prävention, mit der im Jahr 2015 insgesamt 416 Jugendliche erreicht werden konnten.

Problem Kondom


"Hauptgrund für eine ungewollte Schwangerschaft", sagte Hilde Forst, "ist immer noch das Problem Kondom. Des Weiteren gibt es einen Rechtsanspruch auf kostenlose Beratung in der Einrichtung. Ein Netz mit Ärzten, Hebammen, Geburtskliniken, Frühförderstellen und Selbsthilfegruppen hilft weiter." Ammerthals Bürgermeisterin Alexandra Sitter erklärte, dass die Politikerinnen demnächst mit einer Aktion in der Stadt und im Landkreis zum Thema tätig werden wollen.

ZahlenDie Beratungsstelle Donum Vitae in Amberg (Schenklstraße 4) betreut die Stadt Amberg sowie die Landkreise Amberg-Sulzbach und Schwandorf. Im Jahr 2015 wandten sich 1062 Personen an die Einrichtung, davon 319 mit Fragen zur allgemeinen Schwangerenberatung, 172 zu Konfliktberatung, fünf zur vertraulichen Geburt. 242 Frauen kamen zu weiteren Angeboten: 212 zu Begleitung nach der Geburt, eine zum Gespräch nach einem Schwangerschaftsabbruch, zwei zu Prävention und Sexualaufklärung, zehn zu psychosozialer Beratung bei Kinderwunsch, 17 zu sonstigen Themen.

182 Männer wurden in Zusammenhang mit der Schwangerschaft ihrer Partnerin, nach der Geburt des Kindes oder bei Kinderwunsch aufgeklärt, 15 Männer suchte die Beratungsstelle wegen Partnerschaftsproblemen und zur Familien und Lebensplanung alleine auf, 125 sonstige Personen (Eltern, Betreuer, Lehrer) wurden mit informiert.

Rund 65,6 Prozent der Hilfesuchenden der allgemeinen Schwangerenberatung waren Deutsche, deutsch mit Migrationshintergrund 18,8 Prozent, aus einem EU-Land 3,1 Prozent, nicht EU-Land 12,2 Prozent. Zur Konfliktberatung hingewiesen wurden 80 Prozent der 172 Frauen vom Arzt, 15,7 Prozent der beratenen Frauen hatten bereits Schwangerschaftsabbrüche hinter sich. (e)
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