"Lesung am Berg": Dr. Matthias Kneip kennt 111 Gründe, dieses Land zu lieben
Polen ein schöner Schmetterling

Dr. Matthias Kneip stellt sein neuestes Buch "111 Gründe, Polen zu lieben" vor. Bild: hfz

Amberg-Sulzbach. Polen war Dr. Matthias Kneip Anfang der 1980er-Jahre mit seinen Eltern begegnet. Das Land lag für ihn damals sehr weit weg, tief im Osten, irgendwo hinter der DDR. Und doch begegnete er einer Welt, die sich doch sehr von der unterschied, die er von zu Hause her kannte.

Nicht nur das andere Geld oder die zischelnde Sprache erschienen ihm fremd, auch die Tatsache, dass es gute Schokolade nur für Devisen in bestimmten Läden gab und manch andere alltägliche Dinge schwer aufzutreiben waren. Zu einer "Lesung am Berg" hatte SPD-Landtagsabgeordneter Reinhold Strobl den Polen-Experten eingeladen. Nicht zuletzt die jüngsten politischen Ereignisse hatten interessierte Zuhörer auf den Frohnberg gelockt, um gemeinsam mit dem Autor, die Geheimnisse Polens zu entdecken.

Noch ein Stück Raupe


Heute, über 25 Jahre nach dem Fall des Kommunismus in Polen und der Einführung von Demokratie und freier Marktwirtschaft, ist aus der in den Augen des Autors einst hässlichen Raupe ein wunderschöner Schmetterling geworden. Allerdings, und das mache diesen Schmetterling so interessant, trage er am Ende noch ein Stück Raupe mit sich. Er sei quasi noch nicht ganz fertig. Ob es die Liebe zu diesem Land oder die Faszination Polens sei, könne er selbst nicht sagen. Fast scheine es, als wäre die Zukunft so schnell über dieses Land gekommen, dass der Vergangenheit nicht genug Zeit bleibe, zu verschwinden. Damit erkläre sich das häufig sichtbare Nebeneinander von Gegensätzen in Polen. Alt stehe neben Neu, Tradition neben Moderne, Reich neben Arm, Hightech neben Handwerk. Dieses Nebeneinander von Vergangenheit und Zukunft fasziniere ihn so an diesem Land, dessen Bewohner besonders stolz seien - auf ihren Mut, Widerstand zu leisten; auf das Eintreten für Werte wie Freiheit und Unabhängigkeit; darauf, dass sie den Zweiten Weltkrieg als Nation überlebt und den Kommunismus überwunden haben. Von daher könne er sich nicht vorstellen, dass sich die Polen ihre Errungenschaften jetzt wieder nehmen ließen. Die Menschen seien sichtbar stolz auf ihre europäischen Wurzeln und ihre kulturelle Verbundenheit mit Europa.

Hauptstadt der Störche


Der Autor verstand es, den Humor, die Geschichte, die Städte, die Landschaften und die Besonderheiten darzustellen. So gebe es in Polen jährlich mehr als 40 000 Störche, was einem Fünftel des weltweiten Bestands entspreche. Allein im ermländischen Dorf Zywkowo kämen auf 40 Einwohner fast 160 dieser Vögel, was dem Ort den Titel "Hauptstadt der Störche" eingebracht habe. Insgesamt war es eine unterhaltsame und informative Lesung, welche den Besuchern das Land von seiner liebevollen Seite nahe gebracht hat.
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