Mann wegen Verdachts auf Körperverletzung vor Gericht
Wurde aus Liebe Martyrium?

Symbolbild: dpa

Sie hatte ihren Mann in Asien kennengelernt und folgte ihm vor einem Jahr nach Deutschland. Wenige Tage später begann für die junge Frau nach ihrer Darstellung ein körperliches Martyrium: Schläge, Hiebe und die Bedrohung mit einem Messer.

Amberg-Sulzbach. Der Fall von häuslicher Gewalt, aufgerollt vor der Amtsrichterin Sandra Tofolini, ist außergewöhnlich. Nicht nur wegen der beiden Hauptpersonen. Auch die angeblich an den Tag gelegte Brutalität lässt aufhorchen.

Romatischer Beginn


Begonnen hatte alles sehr romantisch: 33-Jähriger reist nach Asien, lernt eine junge Frau kennen. Ein Baby kommt zur Welt, sie heiraten. Der Mann kehrt in seine Wohnung im Kreis Amberg-Sulzbach zurück, sie folgt ihm mit der gemeinsamen Tochter nach.

Körperliche Attacken


Die junge Familie war erst wenige Tage unter einem Dach vereint, als für die 28-Jährige, nach ihrer Darstellung, völlig ansatzlos körperliche Attacken begannen. Der Ehemann hatte offenbar getrunken, er soll ausgerastet sein. Drei solcher massiven Übergriffe standen nun in der Anklageschrift, die Staatsanwältin Dr. Isabel Rupprecht verlas. Ihren Ermittlungen zufolge setzte es Schläge, bis die zierliche Frau am Boden lag. Sie wurde offenbar auch getreten. "Ich hatte Todesangst", ließ die junge Mutter nun im Beisein ihrer Anwältin durch eine Dolmetscherin übersetzen. Zumal sie in einem Fall ihr Baby auf dem Arm trug.

An einem Märzabend vergangenen Jahres lag die 28-Jährige im Bett. Ihr Mann verlangte nach Intimitäten, wollte sich zu ihr legen. Sie lehnte ab, wie die Richterin erfuhr. Da soll er an den Schlafzimmerschrank gegangen, ein Messer geholt und gedroht haben, sie umzubringen. Auch dabei spielte der Alkohol angeblich eine Rolle. Nicht lange danach suchte das Opfer Schutz in einem Frauenhaus. Das Paar lebt seither in Trennung.

"Ich bin nicht hierher gekommen, um geschlagen zu werden", ließ die Asiatin bei ihrer Aussage anklingen und fügte hinzu, ohne die körperlichen Angriffe hätte sie "keinen Grund gehabt, ihn zu verlassen".

Zuvor hatte die Richterin angedeutet, dass es in den Akten Vermutungen gebe, sie habe den Oberpfälzer womöglich nur deshalb geheiratet, um dauerhaft nach Deutschland zu kommen.

Der wegen Körperverletzung angeklagte Ehemann schilderte die wenigen Tage des gemeinsamen Zusammenlebens in seiner Wohnung völlig anders.

"Ich habe ihr nichts getan", unterstrich er mehrfach. Mit einer Einschränkung: Der 33-Jährige will seine Frau am Arm gepackt und ihr nach ausgiebiger Benutzung von PC und Skype zum Zweck der Korrespondenz mit den in Asien zurückgebliebenen Eltern deutlich gemacht haben: "Wir sind blank und haben keinen einzigen Cent." Sein Anwalt Marc Steinstörfer (Weiden) sagte: "Für meinen Mandanten ist ein Traum geplatzt."

Genau klären


Die Richterin ist entschlossen, alles sehr genau zu klären. Als bekannt wurde, dass sich der 33-Jährige angeblich bei seiner Ehefrau für das rüde Vorgehen entschuldigte und seine reuigen Botschaften über Internet schickte, unterbrach Sandra Tofolini die Verhandlung. Sie will diese Nachrichten nun sehen und beauftragte die 28-Jährige, die bei ihr offenbar noch vorhandenen Mitteilungen beizubringen. Das soll bei einem Fortsetzungstermin im April geschehen.
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