Monsignore Josef Gehr spricht über den Christbaum auf dem Petersplatz
Stolz auf das Prachtstück aus der alten Heimat

Monsignore Dr. Josef Gehr. Bild: hfz

Rom. Normalerweise ist er einer von nur wenigen Oberpfälzern im Vatikan. Der gebürtige Ursensollener Monsignore Josef Gehr, seit 2009 als Referent für Rechtsfragen in der Kleruskongregation tätig, kann aber in diesen Tagen aus 350 Kehlen einen vertrauten Dialekt hören. Im AZ-Interview verrät er, was der Christbaum aus Bayern in Rom wirklich bedeutet.

Herr Gehr, haben Sie im November mitbekommen, dass der Oberpfälzer Voraustrupp den Christbaum auf den Petersplatz gebracht hat und dann der erste Kran den Baum nicht aufstellen konnte?

Gehr: Nach der Ankunft des Baumes überquerte ich morgens eher zufällig den Petersplatz und sah die Fichte aus der Oberpfalz. Ich war aus der Presse über das Fällen des Baumes und den Transport informiert. Er lag noch auf dem Transporter und harrte darauf, aufgerichtet zu werden. Ich bestaunte die Länge und den geraden Wuchs, bemerkte allerdings nicht die technischen Probleme. Später habe ich davon aus der Zeitung erfahren. Mir scheint, dass nur die bayerischen Begleiter und die römischen Kontaktpersonen zunächst Bescheid wussten.

Ist es im Vatikan in irgendeiner Form Thema, dass der Christbaum heuer aus Bayern kommt?

Gehr: Selbstverständlich ist das ein Thema! Ich habe mit vatikanischen Kollegen darüber gesprochen und ihnen nicht ganz ohne Stolz erklärt, dass dieses Prachtstück aus der Oberpfalz stammt. Da Papst em. Benedikt XVI. ein Bayer ist, bedurfte es keiner langen Erklärungen.

Wie haben Sie davon erfahren?

Gehr: Ich erhalte aus der Heimat regelmäßig Informationen über das gesellschaftliche und kirchliche Leben. So war ich gut informiert.

Werden Sie Gelegenheit haben, mit der Reisegruppe aus Ihrer Heimat Kontakt aufzunehmen?

Gehr: Ich werde am Freitag bei der Illumination dabei sein. Ich freue mich auf die Begegnung mit den Landsleuten, auf den Augenblick der ersten Beleuchtung des Baumes und auf Schmankerln aus der bayerischen Küche. Einige aus der Reisegruppe kenne ich, beispielsweise Bürgermeister Hermann Falk, mit dem ich in Fockenfeld die Schulbank drückte. Außerdem wird mir das Treffen die Gelegenheit geben, eine kostbare Bibel zu übergeben, damit sie auf diesem Weg sicher in die Oberpfalz gelangt.

Ist für die Italiener so ein Weihnachtsbaum auch eine große Sache? Oder betrachtet man das vor Ort eher als halb-heidnischen germanischen Import?

Gehr: Der Christbaum hat inzwischen auch in Italien in den Familien und Häusern Einzug gehalten; allerdings mehr in der amerikanischen Variante, das heißt überladen und sehr farbig geschmückt. Der Schmuck des Baumes auf dem Petersplatz dagegen scheint nicht zu üppig und nicht zu wenig zu sein. Gerade recht, um den Glanz Gottes erahnen zu lassen, der mit dem Jesuskind in Bethlehem sichtbar unter den Menschen erschienen ist.
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