Mundart-Ecke
Baden am besten ansa naggada

Man muss ja nicht gleich ansa naggada in das Wasser steigen. Das ginge höchstens, wäre man a altersloins im Bad. Bild: dpa
Amberg-Sulzbach. (upl) Den Ausdruck Ansa kennen ausschließlich hochdeutsch sprechende Zeitgenossen wohl nur aus den Medien - als Abkürzung für die italienische Nachrichtenagentur Agenzia Nazionale Stampa Associata (Ansa).

Für die Mundartsprecher in der Oberpfalz hingegen ist ansa alles andere als eine Aneinanderreihung von Buchstaben, sondern ein sehr wichtiges Bindewort, das immer dann vorkommt, wenn die Bedeutung einer Art und Weise hervorgehoben werden soll. Beispiel: ein gekochtes Ei kann man in Scheiben essen oder ansa ganza in den Mund schieben. Man kann es warm verspeisen oder ansa kalta. Ins Hochdeutsche übersetzt: als Ganzes oder kalt.

Schulbuben, die sich morgens nicht waschen, gehen mitunter ansa dreggada (als dreckig, schmutzig) in den Unterricht. Wer schwimmt, tut das analog dazu in der Regel ansa naggada. Das Wort ansa ersetzt die Konjunktion als, wie sie im Hochdeutschen bei "als Ganzes" geläufig ist.

Im Osten des Landkreises tummeln sich noch ein paar andere sprachliche Unikate. Ein besonders schönes kommt immer dann zum Vorschein, wenn jemand als einsam und verlassen beschrieben wird. Dieser Mensch ist dann nicht nur aloins, sondern gleich a altersloins. Woher der Zusatz alter kommt, ist ungeklärt - aus der Jugendsprache sicher nicht. Möglicherweise aus dem Lateinischen, wo alter so viel wie "der andere" heißt. Altersloins könnte demnach so viel wie "ohne einen anderen" bedeuten.
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