Mundart-Ecke
Das Bauern-Neujahr

An Lichtmess weihen die katholischen Pfarrer auch heute noch die Kerzen für das ganze Jahr. Früher ließen die Frauen an diesem Festtag ihre Wachsstöcke segnen. Bild: pop
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Das Fest Mariä Lichtmess bietet sich an für den Start unserer Mundart-Serie. Lichtmess (2. Februar) galt früher als Bauern-Neujahr. Die Knechte und Mägde durften zu diesem Termin - aber nur zu diesem Termin - ihre Anstellung zu wechseln. An diesem Tag zahlte der Bauer seine Dienstboten aus, einige suchten sich auf einem anderen Hof eine neue Bleibe.

Zu besonderen Bräuchen, kirchlichen Feiertagen und anderen markanten Terminen im Jahreskreis stellt die Redaktion nun jede Woche Dialektwörter vor. Solche, die beispielhaft für die lautmalerische Schönheit und die Ausdruckskraft des Oberpfälzer Idioms stehen. Und solche, die Gefahr laufen, in Vergessenheit zu geraten. Lichtmess bietet eine ganze Reihe davon. In der Landwirtschaft war um diesen Feiertag herum wenig zu tun, das Getreide war abgedroschen und die meisten Kühe mussten nicht gemolken werden, weil sie trächtig waren. Daher kommt der Begriff Kälberwal (Kälberweile). Er bezeichnet die Zeitspanne von Lichtmess bis zum Beginn des neuen Dienstjahres - quasi den Jahresurlaub für Knechte und Mägde. Auch der Ausdruck Schlenkldoch (von schlenkeln, schlendern) war für diesen Zeitraum geläufig.

An Lichtmess weihen die katholischen Pfarrer auch heute noch die Kerzen für das ganze Jahr. Früher ließen die Frauen an diesem Festtag ihre Wachsstöcke segnen. Wenn ein Knecht eine Magd gern hatte, schenkte er ihr einen solchen Dochtstrang. Dabei galt die einfache, aber hilfreiche Regel: Je kunstvoller das Wachsstöckl, desto größer die Liebe.
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