Nach Kritik an Schulsammlungen
„Das ist immer freiwillig“

Symbolbild: dpa
 
Die Eltern können jederzeit sagen: Mein Kind macht da nicht mit.

Setzt es Kinder unter Gruppendruck, wenn sie an Schulsammlungen teilnehmen? Will dann jeder am meisten Spenden zusammenbringen? Warum müssen sie überhaupt für Vereine sammeln, die mit der Schule an sich ja gar nichts zu tun haben? Ist das denn rechtens?

Amberg-Sulzbach. Dem Vater eines achtjährigen Kindes, der sich mit diesen Fragen bei unserer Zeitung meldete, war anzumerken, dass er mit der Praxis der Schulsammlungen nicht einverstanden war. Wenn die Grundschul-Kinder wetteiferten, wer das meiste Geld zusammenbringe, und dann die ganze Straße oder das ganze Dorf abklapperten, sei das nicht zu tolerieren, meinte er.

Vier Vorzugskandidaten


Beim Staatlichen Schulamt Amberg/Amberg-Sulzbach kann man diese Sicht in Teilen nachvollziehen, der stellvertretende Leiter Heinrich Koch verweist aber auch auf die geltenden Regeln für "außerschulische Sammlungen für bestimmte karitative Organisationen". Demnach empfiehlt das Kultusministerium die Mitwirkung der Schüler bei Sammlungen für das Deutsche Jugendherbergswerk, das Schullandheimwerk, das Müttergenesungswerk und die Kriegsgräberfürsorge.

Daneben könne eine Schule auch Sammelaktionen für andere Vereine unternehmen, wenn diese in ihrer Zielsetzung eine direkten Bezug zur Schule aufwiesen. Voraussetzung dafür ist laut Koch allerdings, dass Rektor und Elternbeirat (beziehungsweise Schulforum in der Mittelschule) diese Sammlung gemeinsam absegnen. "Grundsätzlich unzulässig" ist es nach Kochs Worten (vor allem im Grundschulbereich), Schüler aufzufordern, sich an öffentlichen Sammlungen zu beteiligen. Was das bedeutet? "Sobald das Kind zur Haustür rausgeht, ist es in der Öffentlichkeit", definiert der Schulamtsdirektor. Und überhaupt könne man bei all den erwähnten Aktionen kein Kind zwingen, daran teilzunehmen. Koch: "Die Eltern können jederzeit sagen: Mein Kind macht da nicht mit. Das ist immer freiwillig."

Nur im Bekanntenkreis


Wie das in der Praxis ausschaut, weiß Alfred Steindl, der Rektor der Sulzbach-Rosenberger Pestalozzi-Grundschule. Hier wird schon seit Jahren auch für den Bund Naturschutz und den Landesbund für Vogelschutz gesammelt. "Aber immer mit der Einschränkung: Die Kinder sollen nur im Bekanntenkreis um Geld bitten", so Steindl. Die Lehrer sagten das immer mit dazu, wenn sie den Kindern die Regeln erklärten.

Als erfahrener Pädagoge weiß Steindl: Es kann durchaus vorkommen, dass die Kinder in puncto Sammlungsergebnis ehrgeizig sind und aus eigenem Antrieb in der ganzen Straße rumgehen. "Wir können das nicht verhindern, aber es ist auf keinem Fall in unserem Sinne."

Wofür genau gesammelt wird, ist laut Steindl immer wieder Thema in den Lehrerkonferenzen. Oft seien die Sammlungen dann auch nur auf ein oder zwei Klassen begrenzt. Wie man dabei vorgeht, erläutert er am Beispiel des Schullandheimwerks: Dafür habe man oft gesammelt, als die Pestalozzi-Schüler noch häufiger ins Schullandheim gefahren seien. Inzwischen verbringe man diese Tage eher in Ensdorf und habe deshalb diese Sammlungen zurückgeschraubt. Man wolle ja auf ein vernünftiges Maß kommen, denn "wir könnten sammeln ohne Ende". Dafür hätten aber die Eltern sicher kein Verständnis.
Die Eltern können jederzeit sagen: Mein Kind macht da nicht mit.Schulamtsdirektor Heinrich Koch


Zwei BeispieleDas Deutsche Jugendherbergswerk macht Werbung für Schulsammlungen, indem es den teilnehmenden Schulen zum Beispiel 15 Prozent ihres Ergebnisses in Form von Gutscheinen für die Übernachtung in bayerischen Jugendherbergen wieder zur Verfügung stellt. Die besten Sammler, über 100 Schulen, bekommen außerdem einen Gutschein in Höhe über 125 Euro für Übernachtungen in Jugendherbergen.

Der Bund Naturschutz, für den im Landkreis viele Klassen sammeln, bedankt sich bei den Kindern immer mit kleinen Geschenken, die unter sozialen und ökologischen Vorzeichen hergestellt wurden. Beim Bund Naturschutz ist laut Schulamtsdirektor Heinrich Koch der geforderte Bezug zwischen dessen Ausrichtung und schulischen Zielsetzungen recht einfach zu erkennen: Viele Umweltschulen in der Region oder Schulen, die viel zu Umweltthemen machen, sammelten hier regelmäßig. (ll)
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