Nach Sturz auf dem Weg zur Fest-Toilette
Für Glassplitter im Gesicht gibt es kein Schmerzensgeld

Symbolbild: dpa

Es floss viel Blut am Tag der Arbeit. Ein junger Mann war über eine Mauer gestürzt und hatte sich mit einer Bierflasche, die er offenbar bei sich trug, das Gesicht zerschnitten. Jetzt wollte er Schmerzensgeld von den Veranstaltern eines Festes, das er damals besuchte.

Vier Stunden lang hatte die Zivilrichterin Christa Kelsch vor einigen Wochen verhandelt. Dabei wurde der Juristin vor Augen geführt, was sich am 1. Mai 2013 im Pfarrgarten eines Dorfes im nördlichen Landkreis ereignet hatte. Dort gab es seinerzeit ein Fest, das die Kirchengemeinde zusammen mit dem örtlichen Schützenverein ausrichtete.

Zu vorgerückter Stunde geschah ein Unglück. Es bahnte sich an, als ein junger Mann zur Toilette ging. Als er zurückkehrte, fiel er über eine 60 Zentimeter hohe Mauer. Eine Bierflasche, die er mit sich führte, zersprang beim Aufprall. Die Splitter verursachten schwere Gesichtsverletzungen.

Dunkelheit als Argument


Von den Ausrichtern des Festes wollte das inzwischen genesene Opfer des Sturzes nun Schmerzensgeld. Dessen Höhe wurde ins Ermessen der Richterin gestellt. Über seinen Anwalt ließ der Kläger argumentieren, am Ort des Geschehens habe Dunkelheit geherrscht. Er sei von daher gestrauchelt und schließlich über die Brüstung gefallen. Dass er dem Alkohol zugesprochen hatte, stellte der Mann nicht in Abrede. Allerdings gab es dazu keine genauen Werte.

Schon beim mündlichen Verhandlungstermin hatte die Richterin anklingen lassen: "Eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht kann ich nicht erkennen." Der seinerzeit schwerverletzte Dorfbewohner habe ja den Weg zur Toilette zunächst unbeschadet überstanden, hätte also durchaus die Mauer bereits dabei wahrnehmen können. Zudem hielt es Christa Kelsch für nicht zwingend erforderlich, dass das Gelände durch die Veranstalter in seiner Gänze auszuleuchten gewesen sei.

Pflicht nicht verletzt


In der Verhandlung gab es kein Urteil. Doch ließ sich den damals gemachten Andeutungen bereits entnehmen, wie es ausfallen würde. Jetzt, vier Wochen nach der mündlich geführten Debatte, hat die Richterin ihre Entscheidung verkündet. Sie wies die Klage ab. Damit müssen weder die Pfarrgemeinde noch der Schützenverein in ihre Kasse greifen. Sie hatten nach Ansicht der Juristin die ihnen obliegende Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt.
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