Neujahrsempfang des Landkreises Amberg-Sulzbach im König-Ruprecht-Saal
Von Realität der Ströme eingeholt

 
Tonangebend im König-Ruprecht-Saal: die Hahnbacher Marktbläser.
 
Ganz zuverlässige Gaumenfreuden: Die Küche des St.-Anna-Krankenhauses sorgte nicht nur dafür, dass die Gäste satt wurden, sondern verwöhnte diese mit ihren Gerichten kulinarisch, angeleitet von Chefkoch Andreas Gallner.

Sie hatte Pep, war in keiner Phase ermüdend und mitunter erheiterte Richard Reisinger mit seiner Festrede das Publikum gar. Der Landrat hatte zum Neujahrsempfang in den König-Ruprecht-Saal gebeten. Hier erwiesen ihm und seinen Vertretern - Franz Birkl, Brigitte Bachmann und Martin Weiß - rund 400 Gäste die Ehre.

Amberg-Sulzbach. Nach anfänglichen Dankesworten an Verwaltung und Kreistag - "Lob für das konstruktive Miteinander" - sprach Reisinger diverse Hochbaumaßnahmen an, in die investiert wurde oder die geplant waren. Er nannte am Freitagabend das Sonderpädagogische Förderzentrum, die Generalsanierungen von Walter-Höllerer-Realschule und Staatlichem Berufsschulzentrum in Sulzbach-Rosenberg. Am St.-Anna-Krankenhaus werde unaufhörlich weiter gebaut. Zudem erwähnte er die Außenfassade und den Balkon des Kurfürstlichen Schlosses in Amberg sowie die Anlage des dortigen Innenhofs und die "heiß ersehnte Elektroladesäule". Das Hauptaugenmerk habe der Schaffung von Not- und Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge gegolten: "Das musste schnell und pragmatisch gehen", sagte er und führte den Umbau der ehemaligen Berufsschule an der Adalbert-Stifter-Straße in Amberg sowie den Bautrakt der Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg an, der demnächst fertig werde.

"Traditionell" richtete Reisinger seinen Blick auf die Wertstoffhöfe - "sonst wären Sie enttäuscht" - und widmete sich der Auszeichnung des Kultusministeriums, die Stadt und Landkreis mit dem Gütesiegel "Bildungsregion" adelt. Spannend sei das Projekt Ökomodellregion und guter Resonanz erfreue sich alljährlich der Gesundheitstag.

Breiten Raum widmete der Landrat dem Flüchtlingsthema: "Die Welt kam bei uns in Form von Bussen an, aus denen meist nachts vom Schrecken gezeichnete Menschen mit zum Teil einer Plastiktüte an Besitz ausstiegen." Der erste Notfallplan sei "rasch von der Realität der Flüchtlingsströme eingeholt" worden, schilderte er die Rasanz der Ereignisse. Die Turnhalle in Sulzbach-Rosenberg sei zum Abbild unserer Realität der Sorgen und Ängste geworden, sagte er und fügte hinzu: "Ich verschweige auch nicht, dass die menschlichen Unzulänglichkeiten dort gleichermaßen präsent" sind.

Mit den im Landkreis lebenden rund 1200 Asylbewerbern stoße man aber inzwischen an Grenzen. Kapazitäten würden knapper. Mit dem Dank an alle Helfer verknüpfte Reisinger die Hoffnung, dass sich der Landkreis weiter weltoffen und humanitär zeige und ergänzte: "Der Landrat ist alles andere als ein weltferner Illusionist und weiß um die zunehmend kritischen Diskussionen an Stammtischen oder in den Parlamenten. Wichtig erscheint mir aber, dass wir offen und in demokratischer Gesinnung miteinander diskutieren." Angesichts dessen, welche Probleme Menschen auf der Flucht haben, seien unsere Alltagssorgen, vom grauen Kasten am Dorfplatz bis zur ungesicherten Entsorgung von Hundekottüten, überschaubar. Dazu meinte der Sprecher: "Ich wünsche uns allen ehrlich, dass sich unsere Problemlagen nicht entscheidend verändern mögen!"

Reisinger endete mit dem an den Papst-Christbaum erinnernden Satz: "Trotz aller Rom-Inspiritationen bin ich nicht befugt, Ihnen den Urbi-et- Orbi-Segen zu erteilen."

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Amberg-Sulzbach. Wie sehr Kreisbrandrat Fredi Weiß in den Reihen der Feuerwehr verwurzelt ist, belegen zwei Zitate, die Landrat Richard Reisinger gebrauchte, als er dem Schnaittenbacher am Freitagabend für 40 Jahre aktive Dienstzeit des Ehrenzeichen am Bande aushändigte. So meinte der Laudator: "Über dessen Leben außerhalb der Feuerwehr weiß ich eigentlich gar nichts zu berichten", und fuhr dann doch mit folgenden Worten fort: "Zum 50. Geburtstag von Fredi Weiß waren, außer vier bis fünf Verwandten, nur Feuerwehrler zu sehen."

Sprach's und schilderte den Werdegang des obersten Feuerwehrmanns im Landkreis, der 1975 mit dem Eintritt in die Schnaittenbacher Wehr begann. Zehn Jahre später wurde er zum stellvertretenden Kommandanten seiner Heimatstadt gewählt, ehe er von 1997 und 2007 als Kommandant an der Spitze stand. Es folgten die Ernennung zunächst zum Kreisbrandmeister und zum Kreisbrandinspektor (August 2006 bis Juni 2011). Seit 1. Juli 2011 ist Fredi Weiß Kreisbrandrat. In jenem Jahr wurde er Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes und seit 2014 ist er stellvertretender Vorsitzender im Bezirksfeuerwehrverband.

Auch eine ganze Reihe von Auszeichnungen darf Weiß sein eigen nennen, beginnend mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber, den Ehrennadeln der Jugendfeuerwehr Bayern und der Deutschen Jugendfeuerwehr jeweils in Silber bis hin zum Steckkreuz des Feuerwehr-Ehrenzeichens und zum Bayerischen Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber.

ZitateErneut haben wir in wahrlich touristisch-idyllischen Lagen Wertstoffhöfe ertüchtigt beziehungsweise neu geschaffen - und zwar in Kastl, Königstein und Oberachtel.

Mit unserem Gesundheitstag machen wir in punkto Resonanz durchaus der Wiesn Konkurrenz - obwohl sie da bei uns nirgends teures Bier bekommen, sondern nur gute Ratschläge, Blutzucke- und Blutdruckwerte.

Die Turnhalle der Realschule in Sulzbach-Rosenberg ist zu einem Abbild unserer realen Welt geworden. Die Sorgen, Ängste, Nöte - und ich verschweige auch nicht die menschlichen Unzulänglichkeiten - sind dort gleichermaßen präsent.

Während ich auf dem Petersplatz vor dem wohl größten Publikum sprechen durfte, waren es dann bei meinem gewünschten Einsatz als Märchenerzähler am Sulzbach-Rosenberger Weihnachtsmarkt sage und schreibe zwei Kinder, die sich meiner erbarmten und zeitlich auch noch hintereinander erschienen, um andächtig meinen Märchen zu lauschen, was sonst nur dem Kreistag und der Neujahrsfestversammlung vorbehalten ist. ... Mein Gedanke danach: Vermutlich habe ich bereits den Zenit meines politische Wirkens überschritten.

Die höchsten Auszeichnungen, die mir wiederfahren sind, sind die des Ehrenschussmeisters der Kurfürstlichen Böllerschützen und die Ehrennadel des Verbandes Bayerischer Rassekaninchenzucht für hervorragende Verdienste um die Förderung der Rassekaninchenzucht.

Vielleicht sollten wir den Mut haben, uns nicht ganz so wichtig zu nehmen, wie es unsere Ämter Titel und Funktionen gerne suggerieren.

Ich wünsche uns allen ehrlich, dass sich unsere Problemlagen nicht entscheidend verändern mögen.

Es ist durchaus Usus und Sinn von solchen Empfängen, dass man sich barrierefrei ohne Vorzimmer und Mobilbox begegnen darf und kann.

Landrat Richard Reisinger. (ben)
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