Polizeisprecher Peter Krämer zur Festnahme von Bettlerin
Einsperren ist gar nicht so leicht

Symbolbild: dpa
 
Es ist ja niemandem geholfen, wenn sich ein 80-Jähriger mit Bettlern herumärgert und sich vielleicht noch selbst in Gefahr begibt.

Da wird sicher so manchem ganz anders: Plötzlich steht eine Bettlerin im Hausflur, und man weiß nicht so genau, was sie eigentlich will oder schon getan hat.

Amberg-Sulzbach. Diese Situation kann sich ja nicht überall so schnell klären wie vergangene Woche in Hohenkemnath, als der Enkel einer Hausbesitzerin zu Besuch war und - als Polizist mit der Materie vertraut - den Eindringling, eine 23-jährige Rumänin, kurzerhand festnahm. Die AZ befragte den Amberger Polizeisprecher Peter Krämer, wie Otto Normalbürger in solchen Situationen reagieren soll.

Herr Krämer, wenn gerade kein Polizist zur Hand ist, was stelle ich dann in so einem Fall an?

Krämer: Das Festnahmerecht hätte an sich jeder Bürger. Wenn ich jemand auf frischer Tat ertappe, darf ich ihn festhalten, bis die Polizei kommt.

Muss ich da auf bestimmte Rechte des Eindringlings Rücksicht nehmen, um nicht selbst in Schwierigkeiten zu kommen?

Krämer: Wenn ich ihm erkläre, dass er vorläufig festgenommen ist und jetzt dableiben soll, ist das vollkommen in Ordnung. Ich darf ihn natürlich nicht irgendwo einsperren, das könnte Freiheitsberaubung sein. Die Verhältnismäßigkeit muss schon gewahrt bleiben.

In der Praxis dürfte so eine Festnahme kaum vorkommen.

Krämer: Das passiert in den wenigstens Fällen, schon klar. Die normale Reaktion ist, dass man schreit "raus, raus" und den Eindringling vertreibt. Das ist auch verständlich. Es ist ja niemand geholfen, wenn sich ein 80-Jähriger mit Bettlern herumärgert und sich vielleicht noch selbst in Gefahr begibt.

Wie vertreibt man diese Eindringlinge am besten?

Krämer: Ganz laut schreien, auch nach der Polizei. Und ins obere Stockwerk raufrufen: "Komm runter, hilf mir!" Denn wenn der Eindringling glaubt, dass Verstärkung kommt, gibt er sein Vorhaben vielleicht schneller auf.

Und wenn er bleibt?

Krämer: Ja, es gibt die bekannten Ausflüchte und Fragen: Ich suche Arbeit. Wo ist der Chef? Wo geht's zur Autobahn? Ich habe Durst. Ich brauche eine Toilette. Dadurch sollte man sich aber nicht davon abhalten lassen, die Polizei zu rufen. Wir kommen und prüfen, ob das ein Hausfriedensbruch oder ein versuchter Einschleichdiebstahl war.

Was sollte der Hausbesitzer sonst noch tun?

Krämer: Wenn es gelingt, den Fremden zu vertreiben, sollte man sich dabei gut einprägen, wie er aussah, welche Kleidung er trug. Und dann gleich die Polizei rufen, das macht es uns leichter, noch etwas auszurichten. Also auch nicht zuerst nachsehen, ob was gestohlen wurde, sondern sofort die 110 wählen.

Bekommen Sie oft solche Anrufe?

Krämer: Diese rumänischen Bettlerbanden sind ja in der ganzen Region aktiv. Hohenkemnath war keineswegs ein Einzelfall. Und man muss sagen, dass die vielen Veröffentlichungen über solche Fälle tatsächlich zu einer hohen Sensibilität in der Bevölkerung geführt haben. Uns rufen viele Leute schon an, wenn die verdächtigen Fahrzeuge rumfahren, wenn sie Bettlergruppen ausladen. Das ist für uns eine sehr positive Entwicklung.

Reduziert das dann auch die Kriminalität?

Krämer: Dort, wo die Bettlerbanden merken, dass in einer Ortschaft die Sozialkontrolle in der Nachbarschaft funktioniert, schon. Die meiden sie dann und suchen sich ein anderes Gebiet. Die sind ja auch vernetzt und kommunizieren miteinander. In Hohenkemnath etwa hatten wir seit dem Vorfall keine verdächtigen Wahrnehmungen mehr.

Die 23-Jährige, die der Enkel dort festgenommen hat, ist aber wieder auf freiem Fuß.

Krämer: Ja, das ist eine schwierige Geschichte. Wenn nur eine Straftat von geringer Bedeutung vorliegt - und so wird Hausfriedensbruch eingestuft -, besteht kein Haftgrund. Da müsste man schon Diebesgut beim Festgenommenen finden, um das anders beurteilen zu können.
Es ist ja niemandem geholfen, wenn sich ein 80-Jähriger mit Bettlern herumärgert und sich vielleicht noch selbst in Gefahr begibt.Peter Krämer
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