Projekt "Elterntalk" startet im Landkreis
Mütter und Väter helfen sich selbst

Anita Kinscher, Larissa Werner und Claudia Mai (von links) starten im Landkreis das Projekt Elterntalk. Mütter und Väter besprechen ihre Lösungen für Erziehungen. Bild: hfz

Wie lange darf mein Sohn Computerspiele zocken? Wie viel Transparenz auf Facebook ist gut für mein Kind? Wie geht man mit dem Thema Drogen um? Diese und andere Fragen hören sich schwer nach Elterngesprächen an. Das Projekt Elterntalk von Jugendschutz e.V. startete im Januar.

Amberg-Sulzbach. Im Landkreis Amberg-Sulzbach ist Jugendpflegerin Claudia Mai Standortpartnerin der Aktion. Gemeinsam mit den Regionalbeauftragten Anita Kinscher und Larissa Werner erklärte sie, was hinter dem Projekt steckt.

Was können sich Mütter und Väter unter Elterntalk vorstellen?

Anita Kinscher: Elterntalk steht für Fachgespräche von Eltern für Eltern mit Kindern bis 14 Jahre. Mütter und Väter treffen sich zu Gesprächsrunden und tauschen dabei Erfahrungen und Informationen aus. Es geht um Erziehungsfragen wie zum Beispiel die der Mediennutzung, aber auch um Alkohol und Drogen.

Wie sind die Gesprächsrunden konzipiert?

Die Gesprächsrunden finden meist zu Hause statt. Sie werden von Müttern oder Vätern moderiert, die auf diese Aufgabe vorbereitet wurden. Als Moderatoren leiten sie das Gespräch. Dabei geht es nicht darum, dass Mütter und Väter Vorwissen oder fachliche Kenntnisse haben. Es geht vielmehr darum, gemeinsam ins Gespräch zu kommen, neue Sichtweisen kennenzulernen und Erfahrungen zu teilen. Wir gehen davon aus, dass Eltern die wirklichen Experten sind und wollen auf diese Weise den Austausch untereinander fördern. Häufig stehen Mütter und Väter vor ähnlichen Fragen, fertige Lösungen gibt es selten. Elterntalk stärkt durch den Dialog die Erziehungskompetenz der Eltern, so dass sie den Anforderungen in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen angemessen begegnen können.

Wie läuft ein Elterntalk genau ab?

Zunächst erklärt sich ein Elternteil bereit, als Gastgeber vier bis sechs Väter und/oder Mütter bei sich zu Hause zu empfangen. Es muss jedoch nicht ausschließlich das eigene Heim sein, denkbar wären auch gemeindliche oder kirchliche Räume als Treffpunkt. Ein Moderator übernimmt die Gesprächsführung und begleitet die Runde. Es gibt dazu Einstiegsfragen. Ein flüssiges Gespräch kommt meist ohne Unterstützung problemlos zustande. Im Verlauf tauschen sich dann die Anwesenden über Erziehungsfragen aus. Nach etwa zwei Stunden wird der Elterntalk beendet. Für die Teilnehmer entstehen dabei keine Kosten.

Was ist das Besondere an diesem Projekt?

Larissa Werner: Elterntalk ist sehr niederschwellig und holt die Eltern dort ab, wo sie gerade stehen. Es gibt nicht richtig oder falsch bei Erziehungsfragen. In der Gesprächsrunde können daher verschiedene Möglichkeiten des erzieherischen Umgangs mit den Kindern diskutiert und entwickelt werden. Dabei muss die Talk-Sprache nicht zwingend Deutsch sein. Elterntalks können auf Russisch, Türkisch oder auch in anderen Sprachen abgehalten werden.

Wer steckt dahinter?

Elterntalk ist ein Projekt in Bayern. Es wird getragen von der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern. Im Landkreis übernimmt die Kommunale Jugendarbeit die Standortpartnerschaft und implementiert das Projekt. Jugendpflegerin Claudia Mai fungiert als Standortpartnerin. Die Regionalbeauftragten Anita Kinscher und Larissa Werner arbeiten für das Projekt und sind unter 09661/5 28 58 oder elterntalk@koja-as.de zu erreichen.

Die Idee des Elterntalks hat sich ja nun recht schnell verbreitet. Wie geht es weiter? Was sind die nächsten Schritte?

Claudia Mai: Unser Hauptaugenmerk liegt derzeit auf der Suche nach Moderatoren und Gastgebern. Larissa Werner und Anita Kinscher sind bereits sehr fleißig am Kontakte knüpfen, so dass schon bald eine erste Schulung für die Moderatoren stattfinden wird. Im Laufe des Jahres sollen einige Elterntalks in verschiedenen Gemeinden unseres Landkreises stattfinden. Wir hoffen, dass dies eine Unterstützung für die Eltern sein wird und sie dem Projekt aufgeschlossen und interessiert begegnen. Die Beteiligungsform ist sehr ja unterschiedlich: vom Talkgast über den Gastgeber bis hin zum Moderator - wir freuen uns über jeden, der mitwirken möchte.
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