Projekt Natura 2000
Refugium für seltene Tiere und Pflanzen

Einer der Bewohner des Gebietes der Vilsecker Mulde ist der streng geschützte Schwarzstorch. Bild: Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft
 
Die Vilsecker Mulde ist ein besonders artenreiches Biotop, dessen Areal nun von Mitarbeitern des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg kartiert wird. Bild: Katja Deckert

Es gibt Landschaften, die sind etwas Besonderes. Das Natura-2000-Gebiet Vilsecker Mulde mit den Tälern der Schmalnohe und Wiesenohe ist so eines. Das weiß auch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, es hat jetzt mit Kartierarbeiten des Areals begonnen.

Amberg-Sulzbach. Die Vilsecker Mulde ist nicht nur FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat), sondern auch als Vogelschutzzone (SPA-Gebiet) ausgewiesen und gehört zu einem europaweiten zusammenhängenden Biotopverbundnetz (Natura 2000). Es ist ein Komplex aus verschiedenen Gewässer-, Moor-, Grünland- und Waldlebensraumtypen und als Teichgebiet von landesweiter Bedeutung für Wasser- und Sumpfvögel, Rohrdommel und Wiesenbrüter sowie Weißstorch, Schwarzstorch und Greifvögel, heißt es aus dem Amt.

Ein Managementplan


Für jedes Natura-2000-Gebiet soll ein Managementplan erstellt werden, um Bewirtschaftung, Artenvielfalt und deren Erhalt unter einen Hut zu bringen, betont das Amt weiter. Waldflächen werden in der Regel durch Kartierer der Forstverwaltung bearbeitet. Der Startschuss für die Arbeiten im FFH- und Vogelschutzgebiet fiel bereits. Die höhere Naturschutzbehörde der Regierung der Oberpfalz, federführend für das Natura-2000-Gebiet, lud rund 300 Grundeigentümer und -pächter, die Flächen in der Vilsecker Mulde haben, zusammen mit den Planern, Kartierern, Verbänden und Fachbehörden zur Informationsveranstaltung in den Zehentkasten der Burg Dagestein in Vilseck ein.

Tobias Maul von der höheren Naturschutzbehörde führte in die Thematik Natura 2000 ein. Er sprach von einem "holprigen Prozess" bis zur endgültigen Gebietsausweisung, der wegen seiner geringen Transparenz auch heute noch von den Grundeigentümern kritisiert werde. Abhilfe solle nun der Managementplan für das Gebiet schaffen. "Ziel ist es, die vorhandenen Schutzgüter des FFH- und Vogelschutzgebiets, wie Lebensräume und Arten, zu kartieren, ihren Zustand festzustellen und Erhaltungsmaßnahmen zu beschreiben." Der Managementplan werde nicht für die Grundeigentümer verbindlich sein, sondern für die Behörden, die die Verantwortung für den Schutz des Gebiets trage." Ganz werden die Grundeigentümer aber nicht aus der Verantwortung entlassen. "Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt ein Verschlechterungsverbot für alle Natura-2000-Gebiete fest, das unabhängig vom Managementplan greift", erklärte Maul. 2017 soll ein erster Entwurf vorliegen.

Gefährdete Vögel


Martin Lauterbach von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft stellte das Vogelschutzgebiet vor, für das ein eigener Fachbeitrag zum Managementplan von einer Nürnberger Bietergemeinschaft erarbeitet werde. In anschaulicher Weise erläuterte er den Zuhörern die Ansprüche gefährdeter Vögel an den Lebensraum und machte deutlich, dass gerade die Verzahnung von Wald, halboffener Kulturlandschaft und Gewässern die Vilsecker Mulde so wertvoll mache. "So nutzen Krickente und Blaukehlchen stehende Kleingewässer mit Schilf, Röhricht, Gehölzen und Gebüschen. Die großen baumbrütenden Vögel wie Schwarzstorch, Fisch- und Seeadler oder Wespenbussard besiedeln großkronige Horstbäume in alten, struktur- und totholzreichen Laub- und Mischwäldern. Diese sind auch Lebensraum für den seltenen Grauspecht."

Biber und Libellen


Den Auftrag für die Kartierung im Offenland, einschließlich einiger im Gebiet besonders geschützter Arten wie Biber oder seltene Libellenarten, hat die höhere Naturschutzbehörde an Dr. Wolfgang von Brackel vom Planungsbüro IVL vergeben. Für die Kartierung der Waldlebensraumtypen ist Katja Deckert von der Bayerischen Forstverwaltung zuständig. Aktuell sind in der Vilsecker Mulde die Moorwälder sowie die bachbegleitenden Erlen- und Eschenwälder an den Fließgewässern von der Forstverwaltung zu kartieren, die als Lebensräume und somit besondere Schutzgüter ausgewiesen wurden.

Natura 2000Der weltweite Verlust an Tier- und Pflanzenarten sowie von deren Lebensräumen führte auf der Umweltkonferenz von Rio 1992 zum "Übereinkommen über die biologische Vielfalt". Hauptziele sind der Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt. Bisher sind dem Übereinkommen 188 Staaten und die EU als Vertragsparteien beigetreten. In allen Mitgliedstaaten der EU wurde deshalb unter der Bezeichnung "Natura 2000" ein europaweites Schutzgebietsnetz für besonders wertvolle Lebensraumtypen und Arten eingerichtet. Es umfasst mittlerweile über 20 000 FFH- und mehr als 4000 Vogelschutzgebiete und kann damit als das größte Naturschutzprojekt weltweit gelten. In Bayern sind 744 FFH- oder Vogelschutzgebiete ausgewählt worden, das entspricht 11,3 Prozent der Landesfläche. Mehr als die Hälfte der Natura-2000-Fläche sind Wälder.
Weitere Beiträge zu den Themen: Natura 2000 (2)Vilsecker Mulde (2)
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