Psychische Gesundheit in der Schule
Tom (8) braucht Hilfe

Der siebenjährige Stefan hat dieses Bild gemalt. Es ist Teil der Ausstellung "Kindersprechstunde", die im Landratsamt anlässlich einer Fachtagung zum Thema "Psychische Gesundheit in der Schule" aufgebaut war. "Mama ist im Krankenhaus wegen Traurigsein" steht unter der Zeichnung. Bild: Hartl
 
Wenn Tom in der Schule auffällig wird, dann kann ihm und seinen Eltern von diesen Personen geholfen werden (von links): Schulsozialarbeiterin Christina Lepp (Kolping-Bildungswerk), Sabine Prün, Kinder- und Jugendpsychiatrie medbo in Amberg, Claudia Poh (Stadtjugendamt), Sabine Schröther (Kreisjugendamt), Friederike Seitz, Sabrina Gebhard, Jörg Podewils (Erziehungsberatungsstelle Amberg), Schulamtsleiter Peter Junge, Dr. Franz Hench (medbo) und Dr. Roland Brey. Bild: Hartl

Tom ist acht Jahre alt. Er geht in die zweite Klasse. Der Junge ist sehr unaufmerksam und stört den Unterricht, er wird von den Mitschülern gehänselt. Sie sagen, dass er noch in die Hose machen würde wie ein Baby. Die Lehrerin muss reagieren.

Amberg-Sulzbach. Es beginnt mit einem Gespräch beim Fachlehrer und dem Schulleiter und geht weiter zur Jugendsozialarbeiterin. Damit setzt sich eine Maschinerie in Gang, die weite Kreise ziehen wird. Der konstruierte Fall um Tom war im König-Ruprecht-Saal der Aufhänger für eine Fachtagung mit dem Titel "Psychische Gesundheit in der Schule - Wer hilft Tom?".

Netzwerk der Hilfe


Über 50 Pädagogen erlebten die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Netzwerkpartner wie Jugendämter, Psychologen, Beratungsstellen oder der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey betonte, dass von der Problematik mehr Jungen als Mädchen betroffen seien und Kinder mit niedrigem sozialen Status ein dreifach höheres Risiko aufweisen würden. Zurück zu Tom: Zur Jugendsozialarbeiterin sagt der Junge, dass seine Mutter sich mehr um das neun Monate alte Geschwisterchen kümmern würde. Außerdem leide er sehr unter der Trennung seiner Eltern vor zwei Jahren. Verbringt er ein Wochenende bei seinem Vater, ist der aggressiv zu ihm.

"Um den Klassenzusammenhalt zu stärken, empfehlen wir den Lehrern ein Sozialtraining für die Kinder", sagte Diplom-Psychologin und Moderatorin Friederike Seitz, Koordinatorin der Schulpsychologen an den Schulämtern Amberg/Amberg-Sulzbach. Sie betonte aber auch: "Ohne Kontakt zu den Eltern geht es nicht." Wenn die Jugendsozialarbeiterin im Fall von Tom ins Geschehen tritt, dann geschieht das meist erst einmal aus dem Hintergrund. "Ich setze mich in die Klasse und schaue Tom zu. Er sitzt ganz hinten alleine in der Bank. Er ruft oft rein. In der Pause möchte er mit den anderen Kindern spielen, aber sie weisen ihn ab."

Jugendamt einbeziehen


Ausführlich müsse die emotionale Problematik bei Tom untersucht werden, informierte Schulsozialarbeiterin Christina Lepp. Bei schwierigen häuslichen Situationen gibt die Familienhilfe Rat. Im Falle einer Trennung der Eltern kümmert sich die Erziehungsberatungsstelle. Sie vermittelt zum Beispiel Tom in eine Gruppe für Scheidungskinder. Um die Eigen- und Familienanamnese kümmert sich die Kinder- und Jugendpsychiatrie der medbo in Amberg. Sabine Prün diagnostiziert im Fall von Tom ADHS und Enuresis (Einnässen) und schlägt Therapien vor.

Diplom-Pädagogin Claudia Poh vom Jugendamt Amberg: "An jeder Stelle dieses Falles können wir als Jugendamt einbezogen werden." Wer sich lediglich als Pädagoge Rat holen möchte, sollte Fragen anonymisieren. "Wir müssen sonst als Behörde handeln."

KindersprechstundeBegleitend zur Fachtagung "Psychische Gesundheit in der Schule - Wer hilft Tom?" stand den Teilnehmern die Ausstellung "Kindersprechstunde" im Foyer offen. Sie stellte Mädchen und Buben in den Mittelpunkt, deren Eltern an einer psychischen Erkrankung leiden.

Die von den Kindern selbst gemalten Bilder und Texte entstanden bei einer extra eingerichteten Kindersprechstunde des Bezirkskrankenhauses Augsburg. Sie erzählen, wie sie mit Mama oder Papa, die an Depressionen, bipolaren Störungen, Psychosen oder Suchterkrankungen leiden, umgehen. Daniela (9) sagt beispielsweise über ihre Mutter, die Depressionen hat: "Da schafft man nichts mehr - nicht mal aufstehen." Deshalb macht sie selbst ihr Frühstück und meistens auch das Abendessen.

Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist der Jahresschwerpunkt des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. (roa)
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