Schützenvereine im Landkreis Amberg-Sulzbach klagen über sinkende Mitgliederzahlen
Tradition mit Generationsproblem

Die Mitgliederzahlen der Schützenvereine im Landkreis sinken seit Jahren. Bei einigen könnten die Schießstände bald leer stehen, da sich der Aufwand für die Verantwortlichen kaum noch lohnt. Archivbild: Hartl

Schützenvereine prägen das kulturelle Leben in der Oberpfalz seit jeher. Auch im Landkreis gibt es kaum einen Ort, der nicht über ein eigenes Vereinsheim und aktive Schützen verfügt. Doch die Mitgliederzahlen sinken, die Altersstruktur ist hoch. Bedeutet das womöglich das Aus vieler Traditionsvereine?

Jahre lang habe man versucht, junge Mitglieder zu gewinnen, doch dann sei die Lage zu aussichtslos geworden. Im März verkündete der Schützenverein D'Hausnertaler Heimhof seine Auflösung. "Es ist einfach nichts mehr zusammengegangen", bedauert 2. Schützenmeister Franz Kimmel. Zwar habe der Verein am Ende noch 60 Mitglieder gezählt, lediglich fünf oder sechs seien zu den regelmäßigen Treffen erschienen.

"Vor 15 Jahren hat das noch ganz anders ausgeschaut - da war einiges geboten", erinnert sich Kimmel. Vor sechs Jahren wurde dann eine für den Verein schwere Entscheidung getroffen - er stellte den Schießbetrieb ein. "Die Mitglieder wurden immer älter, und Jugendliche haben wir mit unserem Angebot kaum noch erreicht." Das habe einen bestimmten Grund, ist sich der 2. Schützenmeister sicher: "Viele gehen schon im jungen Alter in andere Sportvereine, und da bleiben sie dann auch. Bei den Schützen darf man erst ab einem bestimmten Alter schießen, da sind sie dann meistens schon anderweitig integriert." Auch mit Aktionen wie einem Abholdienst für Minderjährige, der die umliegenden Orte angefahren hat, habe man nicht den gewünschten Erfolg erzielt.

Rund 60 Jahre habe es die D'Hausnertaler Schützen gegeben. Entsprechend schwer fiel den Verantwortlichen und den Mitgliedern die Entscheidung zur Auflösung. "Es war eine Notlösung, anders wäre es nicht mehr gegangen. Wir hätten gerne an dem Verein festgehalten, wenn wieder Jugendliche gekommen wären", betont Kimmel. Zeitweise habe man sogar über eine Fusion mit der Schützengesellschaft Ransbach nachgedacht, "aber das wollten deren Mitglieder nicht".

Starke Konkurrenz


Auch der restliche Schützengau Amberg blieb von den sinkenden Mitgliederzahlen in den vergangenen Jahren nicht verschont. "Die Zahl der Vereinsmitglieder hat kontinuierlich abgenommen, wobei das nicht für alle Vereine gilt", betont Gauschützenmeister Heiner Fraunholz. Das habe einen bestimmten Grund: "Die Schützenvereine stehen in Konkurrenz zu anderen Freizeitgestaltungen - das trifft im übrigen auch auf andere Sportclubs zu." Der mitgliederstärkste Verein sei die Königlich privilegierte Feuerschützengesellschaft 1434 Amberg mit rund 440 Vereinszugehörigen. "Die übrigen Vereine schwanken zwischen 60 und 240 Mitgliedern, wobei das keine Wertigkeit darstellt. Dörfliche Vereine sind in der Regel kleiner. Das sagt aber nichts über ihre sportlichen Leistungen und gesellschaftlichen Aktivitäten aus", erklärt der Gauschützenmeister.

Die Altersstruktur der Schützen sei steigend, "wobei man den Schießsport von zwölf bis weit über 80 Jahre ausüben kann". Auch in den vergangenen Jahren habe es "vereinzelte Vereinsauflösungen" gegeben - doch nicht die sinkenden Mitgliederzahlen seien dafür der Grund: "Es liegt vielmehr daran, dass kein 1. Vorsitzender mehr gefunden wurde. Das gilt aber auch für alle anderen Arten von Vereinen", betont Heiner Fraunholz.

Auch im Schützengau Sulzbach sinken die Mitgliederzahlen seit Jahren, berichtet Gauschützenmeister Joachim Jäger. "Der Schützensport fängt einfach zu spät für Jugendliche an", kritisiert Jäger, der selbst in zwei Schützenvereinen aktiv ist. Erst ab zwölf Jahren dürften Interessierte mit Luftpistolen schießen, davor mit Laser. "Die Jüngeren suchen sich natürlich erstmal andere Sportarten, in denen sie aktiv werden können." Änderungsansätze müssten vom Deutschen Schützenbund entwickelt werden. "Die Regularien sollten vereinfacht werden. Wir können kaum etwas machen, denn die Regelungen werden vom Gesetzgeber vorgegeben. Wir führen sie lediglich aus." Eine Prognose, wie es mit den Schützenvereinen in den kommenden Jahren weitergehen werde, sei schwer zu treffen. "Sowohl eine positive als auch eine negative Entwicklung ist möglich. Wir hatten schon so manch mitgliederstarkes Jahr, in dem plötzlich unerwartet viele Leute in Vereine eintraten. Dann gibt es aber auch wieder Zeiten, in denen kaum einer den Weg zu uns findet", erläutert der Gauschützenmeister.

Zahlen konstant aufwärts


Hanns Peter Oechsner, Präsident der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft 1434 Amberg, ist mit seinem Verein von sinkenden Mitgliederzahlen nicht betroffen - ganz im Gegenteil. "Bei uns ist es in den vergangenen Jahren konstant aufwärts gegangen." Das liege an dem großen Angebot. "Wir haben 60 Stände und eine Bogenanlage." Zwar sei auch bei den Feuerschützen der Anteil an Jugendlichen gering - dafür locke aber das Bogenschießen immer wieder Interessierte. "Da haben wir sogar einen eigenen Jugendtrainer."

Das Aus etlicher Schützenvereine erklärt sich Oechsner weniger durch die mangelnden Mitgliederzahlen, als viel mehr mit der fehlenden Bereitschaft, ein Ehrenamt zu übernehmen. "Ich weiß nicht, ob wir in unserem Verein so schnell eine Nachfolge finden würden, wenn ich jetzt zurücktreten würde. Deshalb bin ich mittlerweile schon mehr 40 Jahre im Amt." (Hintergrund)

Rechtliche Vorgaben zur Auflösung"Die Auflösung zeichnete sich schon länger ab", erklärt Karl-Heinz Klier, Vorsitzender des Schützenvereins Edelweiß in Freihung. Gründe seien der mangelnde Nachwuchs, vor allem aber, "dass sich kein Nachfolger für mich als Vorsitzenden finden ließ". Über 90 Mitglieder - "der Altersdurchschnitt lag etwa bei 60 Jahren" - zählte der 1901 gegründete Schützenverein am Ende noch, doch nur die wenigsten seien aktiv gewesen.

Die Entscheidung der Mitglieder fiel eindeutig aus - sie beschlossen die Auflösung des Vereins. "Wir haben über eine Stilllegung nachgedacht, aber die Mehrheit war der Meinung, dass der Schützenverein so auf Raten sterben würde." Der Liquidierungs-Prozess, der im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt ist, erwies sich als kompliziert. "Erst, wenn in drei Versammlungen kein neuer Vorsitzender gefunden worden ist, kommt es zu einer Auflösungsversammlung", erklärt Klier. Wird eine Auflösung mehrheitlich bejaht, übernimmt der Vorsitzende die Rolle des Liquidators. Er wandelt das Vereinsvermögen in Bargeld um und findet damit Gläubiger ab. Anschließend wird das rechtliche Geld einem in der Vereinssatzung festgelegten Begünstigten übergeben - "in unserem Fall war das die Marktgemeinde Freihung".

Was mit dem Geld letztendlich passiere, sei ihm noch nicht gekannt. "Es ist aber möglich, dass die Gemeinde das es auf ein Konto einzahlt und die nächsten zehn Jahre dort liegen lässt. Wird der Verein neu gegründet, wird ihm das Geld als eine Art Starthilfe wieder übergeben." (juh)


HintergrundVereine im Landkreis Amberg-Sulzbach

Im Schützengau Amberg sind aktuell 31 Vereine aktiv - davon acht im Stadtgebiet. "Damit ist der Gau Amberg mit insgesamt 3786 Mitgliedern der zweitstärkste im Oberpfälzer Schützenbund", erklärt Gauschützenmeister Heiner Fraunholz.

33 Schützenvereine mit insgesamt 3529 Mitgliedern zählt der Gau Sulzbach, sagt Joachim Jäger. Seit November 2015 ist er Gauschützenmeister im Bereich Sulzbach-Rosenberg. (juh)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.