Shelter Now hilft trotz Rückzugs vieler Anderer weiter in Afghanistan
Wassermangel bedeutet oft den Tod

Auch wenn diese Kinder fürs Foto lachen (linkes Bild) - ihr Alltag in den Flüchtlingslagern ist alles andere als leicht und fröhlich. Von unfassbarem Leid sind sie oft selber konfrontiert. Dieser Bub (rechts) zum Beispiel erlitt bei einem Dschihadisten-Angriff schwere Verbrennungen an Brust und Bauch. Bilder: hfz (3)
 

Kurzes Fingertippen auf den Armaturenknopf der Tropical- Rain-Wellnessdusche und wir lassen's mächtig rauschen. Volles Rohr. Volle Wanne, volle Kanne. Dabei verschwenden wir keine Sekunde des Nachdenkens darüber, dass Wasser an anderen Orten der Erde über Leben oder Tod entscheidet. Zum Beispiel in Afghanistan.

Sulzbach-Rosenberg. Der Sulzbach-Rosenberger Georg Taubmann, internationaler Leiter der Hilfsorganisation Shelter Now, kennt die Kehrseite der Medaille: Dürregebiete am Hindukusch oder im Irak ohne jede geordnete Versorgung, ganze Dörfer ohne Brunnen, dazu verseuchtes Wasser in übervollen Flüchtlingslagern. Die Cholera schlägt zu.

Andere Helfer gehen weg


Nach kurzem Aufenthalt in der Heimat ist Georg Taubmann mit seinen Helferteams nun seit einigen Wochen erneut unterwegs an den Brennpunkten der menschlichen Tragödien im Nahen Osten. "2015 konnten wir wieder etliche neue Helfer aus Deutschland, Finnland und Australien für unsere Arbeit gewinnen", berichtete Taubmann bei einem Treffen mit der Redaktion. "Unser Einsatz in Afghanistan wird immer wichtiger. Etliche andere Hilfsorganisationen haben dort nach wiederholten Anschlägen auf Ausländer ihre Zelte abgebrochen. Wenn jetzt auch wir noch gehen würden, hätte das eine fatale Signalwirkung."

Wenigstens 80 Jesiden-Familien (rund 500 Menschen) in der Gegend von Suleymaniya konnte Shelter Now laut Taubmann sechs Monate hindurch mit einwandfreiem Trinkwasser versorgen. Nun sei zusätzlich der Einsatz von Filteranlagen geplant. Mit großer Sorge denkt Georg Taubmann an den kommenden Sommer: Hitzeperioden mit bis zu 50 Grad Celsius werden die ohnehin katastrophalen Hygieneverhältnisse in den Lagern (Massenklosetts in armseligen Verschlägen, oft nur Löcher im Erdboden) auf die Spitze treiben. Tagtäglich sehen sich Helfer wie Georg Taubmann in ihrer Überzeugung bestätigt: Nur Frieden und die Wiederherstellung einigermaßen menschenwürdiger Lebensbedingungen in diesen Ländern werden den Flüchtlingsstrom nach Europa eindämmen können.

Flucht geht weiter


"Die westlichen Politiker und Geberländer haben die Aufgabe, vor Ort zu helfen, viel zu lange sträflich vernachlässigt. Und die Botschaft, dass es inzwischen keinen Sinn mehr macht, sich auf den Weg Richtung Europa zu begeben, ist in den Fluchtländern bisher nicht angekommen", sagt der Rosenberger. (Hintergrund)

Georg Taubmann über Afghanistans ProblemeGeorg Taubmann kennt die ganze Tragödie Afghanistans: Auf der einen Seite ist es ein Land mit enormen Ressourcen an Bodenschätzen, Gold, Kupfer, Kohle und Edelsteinen. Auf der anderen Seite steht aber auch der Staat, dessen Gesellschaft nach 35 Jahren Krieg und Zerstörung schwer traumatisiert ist. Es fehlt an Infrastruktur, und der tägliche Horror mit Überfällen und Selbstmordattentaten lähmt alle Initiativen und jegliches zukunftsorientierte politische Handeln mindestens ebenso sehr wie eine total undurchsichtige Gesetzeslage. Das schreckt ausländische Investoren ab, berichtet Taubmann, so wie unlängst erst einige interessierte Bergbau-Unternehmen aus Südafrika, die dann doch lieber auf ein Engagement in Afghanistan verzichtet hätten. 2015 war obendrein ein blutiges Jahr für das Land, in dem allein 5000 afghanische Polizisten und Soldaten bei Auseinandersetzungen mit den Taliban oder dem IS getötet wurden. Aber, so Taubmann, man müsse die afghanische Armee eigentlich bewundern, dass sie sich bis heute gegen all diese islamistischen Kampf- und Terrorgruppen behauptet. Die Taliban beispielsweise hätten keine einzige Provinzhauptstadt und auch keine der Landesregionen mehr unter ihrer Kontrolle. "Für mich gibt es trotz allem noch immer Hoffnung, dass sich die Lage zum Besseren wenden kann", macht Taubmann Mut. (rlö)
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