Trocknungsgenossenschaft mit neuem Konzept
Mehr Vermarktung

Thomas Schütz, Fachberater für Rinderhaltung, gab Tipps zur Milchviehfütterung. Bild: gf

Fichtenhof. Seit der Maschinen- und Betriebshilfering Amberg-Sulzbach die Geschäftsführung der Trocknungsgenossenschaft Amberg übernommen hat, soll mit einem neuen Unternehmenskonzept und mehr Lagerkapazität stärker in die Vermarktung eingestiegen werden.

In der Generalversammlung der Trocknungsgenossenschaft Amberg im Landgasthof Erras in Fichtenhof berichtete Vorstandsvorsitzender Josef Rauch, dass in der Saison 2016 etwa 28 500 Doppelzentner Futter getrocknet worden seien. Zum Ende des Jahres seien die Mengen jedoch rückläufig gewesen. Die Geschäftsführung liegt seit Januar in Händen des Maschinen- und Betriebshilferings Amberg-Sulzbach: Dieser will die Vermarktung verstärken. Mit einer neuen Halle soll außerdem mehr Lagerkapazität geschaffen werden. Die Rapspresse sei das Sorgenkind der Genossenschaft, merkte Josef Rauch an: Der Rapskuchen sei schwer zu verkaufen.

Neue Saison beginnt


Harald Pilhofer, der neue Geschäftsführer der Trocknungsgenossenschaft, zog Bilanz über das Jahr 2016. Mehr als 28 500 Doppelzentner Trockenmenge wurden verarbeitet, davon mehr als 3000 Doppelzentner Pferdecobs und über 2000 Doppelzentner Körnermais. In der Rapspresse wurden aus über 3300 Doppelzentnern Rapssaat mehr als 100 000 Liter kaltgepresstes Rapsöl, das überwiegend verfüttert worden sei. Die Trocknungssaison 2017 beginnt in der letzten Aprilwoche, Anmeldungen sind schon möglich. Fraglich ist laut Pilhofer der weitere Betrieb der Presse. Rapsöl könne aber auf jeden Fall weiter an der Zapfstelle bezogen werden.

Neue Mitglieder gewinnen


Um zu den derzeit 452 eingetragenen Genossen weitere Mitglieder hinzuzugewinnen, werde man Interessenten "Probetrocknen" anbieten, kündigte Pilhofer an. Die Genossenschaft sei auf der Suche nach Landwirten, die Gras für die Pferdecobs der Trocknung verkaufen. Insbesondere könnten Biobetriebe dafür Luzerne oder Kleegras anbauen. Unter dem Motto "gentechnikfreies Futter aus eigenen Betrieben und der Region" biete die Genossenschaft Landwirten Luzerneballen zum Kauf an.

Laut Aufsichtsratsvorsitzendem Max Gebhard sind Jahresabschluss und Geschäftsbericht geprüft und in Ordnung. Nach mehr als 20 Jahren schied Hans Bayer aus dem Vorstand der Genossenschaft aus. Zu seinem Nachfolger wurde Max Pilhofer (Büchelberg) gewählt. Pilhofer hat Landwirtschaft studiert und produziert mit seinen 12 000 Hennen Bioeier.

Milchviehfütterung ohne GentechnikMit Milchviehfütterung ohne Gentechnik befasste sich Thomas Schütz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Cham, Agraringenieur und Fachberater für Rinderhaltung. Landwirte in Deutschland verfütterten jährlich in gut 2800 Betrieben an ihre 140 000 Milchkühe fast je vier Millionen Tonnen Raps- und Sojaschrot. Versuche hätten ergeben, dass der Ersatz von Soja- durch Rapsextraktionsschrot bei Hochleistungskühen keine Auswirkung auf Futteraufnahme und Milchleistung habe. Weitere Alternativen seien Trockenschlempen (Mais, Gerste oder Weizen) sowie Ölkuchen (Soja oder Raps). Auch "Eiweiß vom Acker" sollte als Futter für Milchvieh überlegt werden - Acker- oder Sojabohnen, Erbsen und Lupinen. Bei der Zusammenstellung müssten Rohproteine, Stärke und Zucker genau aufeinander abgestimmt werden. Vorteile beim Füttern bringen laut Schütz Grascobs: Sie hätten nicht den Qualiätsverlust wie bei der Silage (bis zu 30 Prozent).

Für Diskussionen sorge der Einsatz von Futterharnstoffen, die dem Kraftfutter für Wiederkäuer beigemischt werden können. Grundsätzlich sei Grünfutter ideal, sagte Schütz - aber auch nicht das Patentrezept. Um hier hohe Erträge ernten zu können, seien gezielte Düngung und der beste Erntezeitpunkt wichtig. Landwirte sollten sich nicht scheuen, Expertenrat einzuholen. Dafür stünden die Berater an den örtlichen Landwirtschaftsämtern zur Verfügung. (gfr)


UmsatzrekordUli Kummer, der Vorsitzende des Maschinen- und Betriebshilfsrings, betonte, dass durchaus eine bessere Qualität erreicht werden könne, wenn Grünfutter zum richtigen Zeitpunkt gemäht werde. Er sah es als Vertrauensbeweis gegenüber dem Maschinenring (MR), dass dieser mit der Geschäftsführung der Trocknungsgenossenschaft betraut wurde. Sachkompetenz habe der MR: Der Umsatzrekord 2016 von vier Millionen Euro spreche für sich. Kummer wies auf die vom Maschinenring ins Leben gerufenen Fachgruppen hin, an denen sich Landwirte beteiligen könnten, ohne dabei eine Verpflichtung einzugehen. Stellvertretender Landrat Franz Birkl sah Vorteile für beide Seiten, wenn Maschinenring und Trocknungsgenossenschaft eng kooperieren. (gfr)
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