Überall Baum-Rückschnitte an den Straßen
Das Auge ist kein Argument

Wenn Bäume in das sogenannte Lichtraumprofil von Straßen hineinwachsen, müssen sie Äste lassen. Vergangene Woche erledigten das Mitarbeiter des Kreisbauhofs an mehreren Stellen bei Illschwang. Bild: Günter Moser

Zuerst einmal tut es dem Auge weh: Bäume, bei denen dicke Äste bis auf kurze Stümpfe gekappt sind. "Ein ästhetisches Massaker", sagen Kritiker der Rückschnitte entlang von Straßen. "Dient der Sicherheit und ist gesetzlich vorgeschrieben", heißt es von der anderen Seite.

Amberg-Sulzbach. Franz Fleischmann, der Leiter des Kreisbauhofs, kann erklären, wie seine Mitarbeiter auf den Kreisstraßen diese Aufgabe erledigen. Es geht dabei um das "Lichtraumprofil". Das ist ein gedachter Raum, der von der Fahrbahn 4,50 Meter nach oben reicht und vom Straßenrand aus jeweils 1,50 Meter nach links bzw. nach rechts. "Das Lichtraumprofil muss von jedem Hindernis frei sein", sagt Fleischmann. Eine gesetzliche Vorgabe. Wenn Äste reinwachsen, muss derjenige, der für Straßenunterhalt und Sicherheit zuständig ist, sie beseitigen.

Der Landkreis hält deshalb einmal im Jahr - meist im Herbst - eine "Baumschau" ab. Die legt fest, wo gefährliche Stellen sind und wo Äste abgeschnitten werden müssen, um das Lichtraumprofil freizuhalten. Wobei es da nicht wirtschaftlich wäre, jedes Jahr bloß fünf oder zehn Zentimeter abzuschneiden, damit man genau auf 1,50 Meter Abstand zur Straße kommt, sagt Franz Fleischmann. Sondern man nimmt schon so viel weg, dass dann wieder ein paar Jahre lang nichts gemacht werden muss.

Naturschützer beraten


Wo Zweifel bestehen, ziehe man die Naturschutzbehörde des Landratsamtes zu Rate. "Die können eher feststellen, ob zum Beispiel ein Baum kernfaul ist oder ob man ihn bedenkenlos stehen lassen kann." Man habe da auch schon Bäume saniert und sei für neue Erkenntnisse durchaus offen, sagt der Bauhofleiter. So habe bei Büschen früher gern die Devise gegolten: alles wegmachen. Heute dagegen setze man die Heckenschere lieber nur am Rand und recht dosiert ein. Wobei es aber genauso vorkommen könne, dass die Naturschützer die Empfehlung gäben, aus einer zu dicht gewordenen Hecke die Hälfte rauszuschneiden, damit die anderen Pflanzen dort besser wachsen.

Fleischmann bekommt schon öfter Anrufe, wenn Leute die Schnittmaßnahmen an den Kreisstraßen als zu extrem empfinden. "Aber unsere Naturschützer haben uns bisher eigentlich immer recht gegeben, wenn sie sich die kritisierten Stellen angeschaut haben." Manchmal komme man aus Sicherheitsgründen einfach nicht daran vorbei, umsturzgefährdete Bäume zu fällen. Denn auch die Kritiker solcher Aktionen übernähmen natürlich keine Verantwortung dafür, dass dort nichts passiere.

Erlös durch Hackschnitzel


Und was macht der Kreisbauhof aus dem Holz und dem Geäst, das bei den Rückschnitten anfällt? Meistens Hackschnitzel. Da legt schon der Kreiskämmerer Wert drauf, dass überall Einnahmen generiert werden, wo es möglich ist, sagt Franz Fleischmann. "Aber das ist nur ein absoluter Nebeneffekt. Große Summen kommen da nicht zusammen."

Ohnehin ist seit dem 1. März weitgehend Schluss mit dem Herumschneiden an Sträuchern und Büschen, weil das Bundesnaturschutzgesetz das nur zwischen dem 1. Oktober und dem 29. Februar erlaubt - aus Gründen des Vogelschutzes. Bei Bäumen dagegen, die die Sicherheit auf Straßen gefährden, gilt diese Einschränkung nicht, sagt Franz Fleischmann. "Sicherheit geht eben vor."

Naturschutz-Sicht"Wenn es um Sichtdreiecke oder Lichtraumprofil geht, kann ich nicht reinreden", sagt Peter Zahn, der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, zu Rückschnitten entlang von Straßen. "Das sind Sicherheitsmaßnahmen, die sind gesetzlich so festgelegt, da kommt man nicht dran vorbei."

Was ihn störe, sei aber die Radikalität, mit der etwa entlang von Bahnlinien oder Autobahnen Büsche und Hecken gekappt würden - "auf Stock setzen" heißt der Fachausdruck, der dafür etwas beschönigend in Gebrauch ist. Der Protest gegen die jüngsten Radikal-Rückschnitte der Bahn scheint jedenfalls gefruchtet zu haben: Zahn hat gehört, dass die Bahn mit dem Dachverband der deutschen Landschaftspflegeverbände Kontakt aufgenommen hat, um sich beraten zu lassen, wie man schonend mit dem Baumbestand an ihren Strecken umgehen kann. (ll)
Das Lichtraumprofil muss von jedem Hindernis frei sein.Franz Fleischmann
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