Übung der Staatsforsten
Arbeitsunfall im Wald

Die Rottenkameraden bei der Ersten Hilfe am Verletzten beobachtet von Übungsleiter Armin Joscht und Forstwirtschaftsmeister Martin Lehmeier.
 
Lob und Kritik bei der Schlussbesprechung gab es von Übungsleiter Armin Joscht und Dieter Güll (Mitte) von der Bergwacht Bayern. Bilder: hfz (2)

Mit großem Aufgebot inszenierten die Bayerischen Staatsforsten im Staatswalddistrikt Wolferlohe gleich unterhalb von Eichlhof eine Rettungsübung. Über einen simulierten Arbeitsunfall wurde eine darauf unvorbereitete Gruppe von Waldarbeiterlehrlingen mit dem Ernstfall konfrontiert.

Amberg-Sulzbach/Eichlhof. Armin Joscht, ehemaliger stellvertretender Leiter der Rettungsleitstelle Amberg und Ausbilder beim Bayerischen Roten Kreuz, überwachte über Funkbegleitung als Beobachter vor Ort den Ablauf der Rettungskette. Zuvor hatte er die Integrierte Leitstelle in Amberg (ILS), bei der der Notruf eingeht, über die Übung informiert. Mit Ausbildungsleiter Martin Weigl vom Kreisverband Schwandorf koordinierte er den Einsatz von Sanitätern des Roten Kreuzes mit Rettungsfahrzeugen ebenso wie mit Dieter Güll das Eingreifen der Bergwacht Bayern Schönsee zur Bergung des Verletzten im unwegsamen Gelände. Thomas Verron beobachtete als für die Arbeitssicherheit verantwortlicher Forstbetriebsleiter mit seinem Sicherheitsbeauftragten Martin Lehmeier das Geschehen. Am Ende besprach man detailliert und kritisch den Ablauf der Rettungskette, die schnell, gezielt und reibungslos durchlaufen muss. "Nicht nur für den Forst, auch für das BRK und die Bergwacht sind solche Übungen immer ein Gewinn", betonte Joscht gegenüber der AZ.

Feste Treffpunkte


Die mit Handys ausgestatteten Waldarbeiterkollegen alarmieren im Notfall nach der Erstversorgung direkt die Rettungsleitstelle, schildern die Art der Verletzung, geben den festgelegten Treffpunkt durch und führen Ersthelfer vor Ort, Notarzt, Sanitäter und Bergwacht mit den Bergungsfahrzeugen zum Unfallort. "Die inzwischen bayernweit verteilten und in einem Plan fest dokumentierten Rettungstreffpunkte haben sich dabei bestens bewährt", unterstrich Joscht. Sie liegen durchnummeriert allen Beteiligten vor und tragen zu einem klaren Auftrag bei.

Grüne Schilder


Die grünen Schilder können auch bei anderen Unfällen lebensrettend helfen. Im vorliegenden Fall war es mit SAD-1031 die nahe Einfahrt nach Eichlhof. Im durchgespielten Ernstfall kamen alle Retter in mehreren Wellen mittels Forstwirtlehrling Jonas Summer zügig zum Ort des Geschehens. Bis zum ersten Eintreffen musste Lehrlingskollege Maximilian Klingseisen 15 Minuten Erste Hilfe am Verletzten leisten. "Da muss jeder Handgriff zur Überbrückung sitzen", sind sich die Helfer einig.

Wimmernd mit Beinbruch und stark blutender Platzwunde am Kopf lag Waldfacharbeiter Hubert Hollweck unter einem Fichtenwipfel. Dieser war bei der Sturmwurf-Aufarbeitung nachgebrochen und hatte den Forstwirt unter sich begraben. Helm und Motorsäge waren davongeflogen. Klingseisen hörte als Erster die Hilferufe. Der Schock stand ihm bei der perfekt geschminkten Maskerade ins Gesicht geschrieben. Jetzt hieß es, trotz allem kühlen Kopf zu bewahren, und die Rettungskette gezielt in Gang zu setzen.

Alle Elemente der Bergung eines verletzten Kameraden werden einmal jährlich unvorbereitet für die Teilnehmer in einer scharfen Rettungsübung, wie es heißt, durchgespielt und protokollarisch festgehalten. "Hier wird von allen Seiten penibel auf die durchlaufende Rettungskette geachtet. Der Zeitfaktor kann lebensentscheidend sein", erklärte Joscht nach der Übung. Alle zwei Jahre schließt sich deshalb für sämtliche Forstbedienstete eine Ersthelferauffrischung an. Da das Rettungssystem von Grund auf in Fleisch und Blut übergehen muss, hatte Ausbildungsmeister Jonas Hofmann diesmal seine Lehrlinge ins kalte Wasser der Übung geschmissen.

Perfektes Team


Betriebsleiter Thomas Verron verglich die Leistung mit der deutschen Fußballnationalmannschaft. "Nur ein perfektes Team kann gute Leistungen bringen, jeder muss sich im Notfall auf seine Kameraden verlassen können." Ausbildungsleiter Martin Weigl sah das BRK-intern genauso wie Dieter Güll für die Bergwacht. So forderte die Übung alle an der Rettungskette Beteiligten.
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