Uhren-Manufaktur im Hirschwald macht Tachos zu Uhren
Jedem Tempo seine Zeit

Nicht nur die Autoindustrie, auch Elisabeth Franz produziert just in time nach Auftragseingang. Bilder: Hartl (5)
 
Nicht alle Autokonzerne gestatten Bavarian Crono die Verwendung ihres Markenemblems.
 
Momentan einer der Renner: das Modell Rallye-Käfer 1303, Baujahr 1971.

Eine Handvoll einsam gelegener Scheunen, Ställe und Häuser steht mitten im gleichnamigen Naturpark Hirschwald. Immerhin gibt es eine Kirche. Ohne Turmuhr. Zeit scheint hier keine allzu große Rolle zu spielen. Das trügt gewaltig.

Hirschwald. Nicht einmal einen Steinwurf hinter der Kirche wandeln sich Tachonadeln zu Minutenzeigern und je nachdem, wie aufs Gas gedrückt wird, ist schon bei 120 oder erst bei 270 Schluss. Bavarian Crono fertigt Herren-Armbanduhren mit Tachometer-Zifferblättern automobiler Klassiker. In limitierter Auflage, abgeschieden in einer Manufaktur, die diesen Namen noch verdient, weil hier wirklich nur vier Hände zu Werke gehen.

Sie gehören zu Elisabeth und Eckehard Franz, und dem Ehepaar gehört diese exklusive Armbanduhren-Fertigung in dem abgelegenen Weiler Hirschwald. 2006 haben sie damit angefangen. Wie könnte es anders sein, als mit einem VW Käfer. Daraus sind inzwischen allein drei Modelle der Baujahr-Reihen 1946, 1960 und des Rallye-Käfers 1303, Baujahr 1971, geworden. Weitere Wolfsburger Klassiker haben es seither in das Portfolio geschafft: die Wirtschaftswunder-Ikone Karmann Ghia und die Handwerker- sowie Hippie-Legende T 1, besser bekannt als VW Bus oder -Bulli. Nicht zu vergessen natürlich der VW Golf in allein sieben Varianten. Der Renner, auch bei Bavarian Crono, ist der GTI .

War das nicht ...?


An diesem Punkt setzt das Konzept unter anderem gezielt an: die nostalgische Erinnerung an die persönliche automobile Primärsozialisation. Verschwommene Bilder bekommen da wieder ganz konkrete Konturen. Denn Elisabeth und Eckehard Franz lassen nach Möglichkeit kein Detail aus. Bis hin zu den Aufzieh- und Stellkronen. Je nach Modell sind sie etwa dem Deckel des Öl-Einfüllstutzens, des Kühlers oder dem Knauf eines Schaltknüppels inklusive Schaltschema nachgebildet. Die miniaturisierte Kilometeranzeige weist das Baujahr oder die Modellreihe aus, und nur Insider wissen, dass hinter diesen Ziffern mehr steckt: Sie geben die Stückzahl der Limitierung an. Erreicht ist noch keine.

Einzeln gefertigt


Das Ehepaar hat sich von den Autobauern noch einiges mehr abgeschaut. Elisabeth Franz, die Uhrmacherin, produziert in ihrer winzigen Werkstatt nach dem Just-in-time-Prinzip. Erst nach dem Eingang einer Kundenorder legt sie Hand an. Nur jetzt in der Vorweihnachtszeit macht sie eine Ausnahme, um nicht in Verzug zu geraten. Mehr als 30 Stück an einem Tag schafft sie nicht. Schließlich ist sie auch für die interne Logistik wie Bestellungen und den Versand zuständig. "Mein Mann ist der technische Kopf", erzählt die Uhrmacherin und meint damit ebenso die Idee und Konzeption, ein weiteres neues Modell anzugehen, und die eigentliche konstruktive Umsetzung.

Namhafte Zulieferer


So besteht beispielsweise allein der Zeiger für das Zifferblatt des VWKäfers Baujahr 1946 aus drei winzigen Kunststoffteilen. Dafür sowie für die eigentlichen Zifferblätter, Uhrengehäuse oder die detailverliebten Verstellkronen und die nötigen Lederarmbänder müssten dann auch erst geeignete Produzenten als Zulieferer gefunden werden. Bavarian Crono, versichert die Inhaberin, setzt - so weit es geht - auf namhafte deutsche oder europäische Hersteller. Bei den zu 95 Prozent ausgelieferten Quarzwerk-Modellen beispielsweise auf Ronda im schweizerischen Lausen.

Nicht alle machen mit


Nicht zu unterschätzen sind laut Franz die unumgänglichen Verhandlungen mit den Automobilherstellern. Auch als Zifferblatt-Miniatur sind die Markennamen, -zeichen, -embleme und mithin letztendlich das Gesamtdesign geschützt. Sie dürfen ohne Einverständnis des Markeninhabers nicht einfach kopiert werden. Der Umgang damit werde in den Konzernzentralen sehr unterschiedlich gehandhabt, haben Elisabeth und Eckehard Franz erfahren müssen.

So manche Idee sei schon an dieser Hürde gescheitert. Nichts, aber auch gar nichts laufe da beispielsweise bei Porsche. "Sie glauben gar nicht, wie die gehen würden", schließt die Uhrmacherin aus Anfragen bei ihr. Auch ohne Porsche-Emblem kann es mit einer Bavarian-Crono am Handgelenk nobel zugehen. Die Tacho-Kollektion umfasst auch diverse Mercedes-Benz-Klassiker - darunter mehrere SL-Modelle, selbst wenn sie so nicht heißen dürfen - BMW-Ikonen, Bugatti- oder Jaguar-Exoten. Oldtimer-Nostalgie halt. Der Reiz alten Automobildesigns mutiert so zu einem Uhren-Schmuckstück. Mit diesen Modellen hat die Manufaktur im beschaulichen Hirschwald in erster Linie Geschenkkäufer im Blick.

Eigener Vertrieb


Apropos Käufer: Die Tacho-Edition von Elisabeth und Eckehard Franz ist in Deutschland und Europa nicht im Uhren-Einzelhandel erhältlich. Dieser Vertrieb läuft fast ausschließlich über das Hersteller-Ehepaar und dessen Internet-Versandhandel. Für den außereuropäischen Vertrieb gibt es vereinzelt Exklusivpartner. Preislich bewegt sich die Tacho-Edition mit Quarzwerken durchweg unter 200 Euro. Bavarian Crono kann aber auch anders. Mit den Premium-Modellen der Fliegeruhr Focke Wulf 200 Condor. Die Exklusivität (auch mit mechanischem Werk) besteht darin, dass sichtbar ein Stück Original-Alublech einer solchen Maschine eingearbeitet ist. Es stammt von dem einzigen erhaltenen Exemplar (Werknummer 0063), das 1999 nach einer Notwasserung 1942 in einer äußert aufwendigen Aktion aus einem norwegische Fjord geborgen wurde. Von einem Modell dieser Uhr-Serie gibt es nur noch ein verkäufliches Exemplar. Doch dann wird es teuer.

Der Verpackungs-Gag


Der Hang zum image- und marketingträchtigen Detail hat Eckehard Franz in einer stillen Stunde auf eine Idee gebracht, die besonders in der automobilen Oldtimer-Liebhaber-Szene für ein Aufhorchen sorgen dürfte. Für die Tacho-Uhren unerschwinglicher Klassiker aus dem Hause von BMW (Modell 328, Baujahr 1939) sowie eines der unter der Bezeichnung "Stern" geführten Modelle gibt es auf Anfrage und gegen Aufpreis eine reizvolle Geschenkverpackung: eine CNC-gefräste Nachbildung des Original-Motorkolbens.

Ohne geht es nicht


Das Zwei-Mann, beziehungsweise Mann-/Frau-Unternehmen, mit Sitz in der Oberpfälzer Abgeschiedenheit, tritt mit seiner Uhren-Kollektion letztendlich einen zweifachen Beweis an: Gute Ideen, professionell, zielstrebig und hartnäckig umgesetzt, haben auf dem Markt eine Chance. Auch aus der Provinz heraus. Ohne flächendeckendes Internet und die leistungsfähige Infrastruktur eines leistungsfähigen und reibungslosen Versandhandels "würde das aber nie und nimmer funktionieren", ist Elisabeth Franz überzeugt. Doch dann muss sie schnell mal raus, weil der Postbote gerade kurz hupend auf den Hof gefahren ist.

Weitere Informationen unter www.bavarian-crono.de
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