Unter Alkohol auf Ehefrau eingeschlagen
Mit 1,8 Promille stark

(Foto: dpa)

Sie lebten zwar getrennt von Tisch und Bett, gleichwohl aber unter einem Dach. Dort startete ein 60-Jähriger im Vorjahr zwei gewalttätige Angriffe auf seine Ehefrau. Sie wurde geschlagen und gewürgt, bangte nach eigenen Angaben um ihr Leben.

Amberg-Sulzbach. Die Situation war ungut und sie ist es wohl bis heute. Denn noch immer wohnen die seit heuer geschiedenen Eheleute im selben Haus. Allerdings gibt es, wie sich nun bei einem Prozess vor der Amtsrichterin Sonja Tofolini zeigte, eine Art Hoffnungsschimmer. Denn der Alkohol scheint keine Rolle mehr zu spielen. Zumindest momentan nicht.

Zwei bis drei Flaschen


Der vor die Justiz geholte 60-Jährige neigte dazu, sich regelmäßig mit größeren Mengen Wein zu betrinken. "Zwei bis drei Flaschen", so seine Darlegungen, hatte er auch im August und Oktober 2015, als er seiner im Obergeschoss des im nördlichen Landkreis stehenden Anwesens lebenden Frau polternde Besuche abstattete.

Der Mann drang in die Wohnung der 57-Jährigen ein, schlug die völlig wehrlose Frau, warf sie zu Boden und begann damit, sein Opfer brutal am Hals zu würgen. In einem Fall stieß er wüste Drohungen aus ("Du kannst dich jetzt verabschieden") und sorgte auch hierdurch dafür, dass die auf solch rüde Weise überfallene Gattin Todesängste ausstehen musste. Als Zeugin erzählte sie der Richterin jetzt von den schlimmen Momenten, die sie durchleben musste.

Nur zur Rede stellen


Sein Vordringen in die Wohnung gab der Mann zu. Allerdings versicherte er der Richterin: "Ich wollte sie nur zur Rede stellen." Mehr eigentlich nicht. Daraus ergaben sich Fragen: "Und laute Hilferufe, die man bis hinüber zur Nachbarschaft vernahm? Die blauen Flecken am Körper?" Der Beschuldigte konnte sich das nicht erklären und blieb dabei: Außer verbalen Auseinandersetzungen sei eher wenig gewesen. "Vielleicht etwas an den Armen gepackt und den Mund zugehalten."

Die Richterin blätterte in den Unterlagen und stellte fest: Nach dem ersten Übergriff im August hatte es ein Annäherungsverbot nach dem Gewaltschutzgesetz gegeben. Doch er kam wieder. Diesmal von außerhalb des Hauses. Deutlich wurde ferner, dass der 60-Jährige 2013 schon einmal mit Schlägen gegen seine Ehefrau vorgegangen war und dafür eine Geldstrafe erhalten hatte. Mehr noch: Bei einer Trunkenheitsfahrt verlor er seinen Führerschein. Ob er ihn zurückerhält, ist fraglich.

Alles Indizien, die auf Alkohol als Triebfeder hinwiesen. Bei beiden zur Debatte stehenden Körperverletzungen hatte der Mann 1,8 Promille. Wusste er da noch, was er tat? Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel bejahte diese Frage der Richterin: "Das wusste er sehr wohl." Denn da sei ein ans Trinken Gewöhnter am Werk gewesen, gab der Mediziner zu verstehen und sprach von nur ganz gering eingeschränkter Steuerungsfähigkeit.

Nach dem Gewaltexzess im Oktober 2015 hatte sich der 60-Jährige in eine Entzugstherapie begeben. Sie scheint erfolgreich gewesen zu sein. "Ich bin jetzt trocken", versicherte der Mann. Allerdings wurde ihm im Urteil aufgegeben, weiterhin Beratungsgespräche zu besuchen. Wohl auch schon deswegen, weil er noch immer mit seiner Ex-Frau im selben Haus lebt.

Acht Monate Haft


Mit einer Geldstrafe ging es diesmal nicht mehr ab. Der Arbeiter bekam acht Monate Haft mit Bewährung, er muss 1000 Euro Geldauflage zahlen.

Damit orientierte sich die Richterin weitgehend am Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger des 60-Jährigen hatte drei Monate mit Bewährung für ausreichend gehalten und dies damit begründet, dass es, den Angaben seines Mandanten folgend, nur zu einer einzigen Körperverletzung gekommen sei.
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