Viel Lob für Engagement der Flüchtlingshelfer
Mammutaufgabe miteinander gestemmt

"Ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor Ihnen allen." Zitat: Brigitte Bachmann zu den Flüchtlingshelfern

Brigitte Bachmann blickte auf den Herbst 2015 zurück. "Damit hat keiner gerechnet", sagte die stellvertretende Landrätin in Bezug auf den immensen Zuzug von Flüchtlingen.

Amberg-Sulzbach. Mehr als 1,1 Millionen Menschen hatten im vergangenen Jahr Schutz und Zuflucht in der Bundesrepublik gesucht. Sie unterzubringen, mit dem Notwendigsten zu versorgen und in die Gesellschaft zu integrieren, war eine Mammutaufgabe. Gestemmt wurde sie dank unzähliger ehrenamtlicher Helfer. Deren Engagement würdigten Bachmann und Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny bei der Vollversammlung des interkommunalen Bündnisses für Migration und Integration im König-Ruprecht-Saal (wir berichteten).

Weit mehr als ihre Pflicht


Ehrenamtliche Helfer, aber auch Mitarbeiter der Behörden hätten dafür gesorgt, dass alles funktionierte. "Ich ziehe meinen nicht vorhandenen Hut vor Ihnen allen", sagte Bachmann an die Adresse all jener, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Cernys Dank galt ebenfalls den Ehrenamtlichen, aber auch den Hauptamtlichen, die weit mehr geleistet hätten, als es ihre Pflicht gewesen wäre. Er sprach von einer gewissen Extremsituation im vergangenen Jahr. "Das war wirklich eine sensationelle Leistung, wie das gemeistert wurde." Die Lage habe sich inzwischen etwas verändert: So kämen deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland, als noch im vergangenen Jahr.

"Die große Herausforderung nach wie vor ist die Integration", meinte er und zeigte sich sehr froh, dass in der Region frühzeitig das interkommunale Bündnis gegründet worden ist. Wichtig sei, dass Flüchtlinge schnell die deutsche Sprache lernen würden. Das sei nicht nur nötig, um eine Arbeit zu finden, sondern auch, um den Alltag zu bewältigen.

Nicht zum Nulltarif leistbar


"Die Städte können Integration leisten, aber das können wir nicht zum Nulltarif haben", verdeutlichte Michael Cerny. Was in den bayerischen Städten im vergangenen Jahr während der Flüchtlingskrise geleistet wurde, habe bundesweit Beachtung gefunden.

Die Projekte in den ArbeitskreisenIm Bündnis für Migration und Integration engagieren sich Menschen in verschiedenen Arbeitskreisen. Deren Sprecher bilanzierten, was für Migranten getan wurde und was noch wünschenswert wäre.

Gesundheit

Für den Bereich Gesundheit gibt es einen Wegweiser in 18 Sprachen und eine Gesundheitsmappe, in der die Flüchtlinge die für den Arztbesuch wichtigen Dokumente aufbewahrt werden können. Der zuständige Arbeitskreis bearbeitete auch Themen wie Suchtprävention sowie Liebe, Partnerschaft und Verhütung. Eine Ärztin bietet zudem eine Veranstaltung an, bei der sie über das deutsche Gesundheitswesen informiert. Wer will, kann sich auch medizinische Befunde erklären lassen.

Geplant ist laut Dr. Mariella Daller-Hopke, Ärztin am Gesundheitsamt, ein Workshop für Ehrenamtliche, der sich mit dem Umgang mit traumatisierten Menschen befasst. Der Arbeitskreis will Frauen-spezifische Themen wie Schwangerschaft, Stillen und Vorsorgeuntersuchungen aufgreifen.

Kultur & Religion

Dr. Reinhard Böttcher erwähnte die interkulturelle Woche im Herbst und die internationalen Wochen gegen Rassismus im Frühjahr. Bei beiden Veranstaltungsreihen bringen sich viele Organisationen ein, zum Beispiel mit Erzählcafé zum Thema Ankommen, Jugendtheater oder Versammlung der Religionen.

Für die Wochen gegen Rassismus sind laut Böttcher Fortbildungsseminare zum Islam für Flüchtlingshelfer geplant, aber auch ein Impulstag zum Umgang mit Rechtsradikalismus. "So versuchen wir, einen Beitrag zu leisten zur Förderung und Toleranz, gegen Dumpfbackigkeit und Rassismus in unserer Stadt und Region", erklärte er.

Asyl

Vernetzung ist auch im Arbeitskreis Asyl ein großes Thema. Wichtig sei, dass die Hilfsangebote für Asylbewerber bekannt und koordiniert werden, damit möglichst viele profitieren können, sagten Anne Kuchler (Caritas) und Gertrud Strauß (Diakonie). "Es läuft vieles rund, aber eben noch nicht alles." Kuchler sprach davon, dass 2015 alle von den hohen Zahlen an Bewerbern überrascht worden seien. Vordringliche Aufgaben waren Unterbringung (in Unterkünften, aber auch in Schule und Kindergarten) und den Flüchtlingen zu erklären, wie das Leben hier funktioniert.

"Gottseidank haben wir viele ehrenamtliche Helfer, die diese Mammutaufgabe gestemmt haben", sagte sie. Viele der engagierten Menschen seien zwischenzeitlich an ihre Grenzen gekommen. Sie zu motivieren, sei eine aktuelle Aufgabe. Laut Kuchler haben sich Asyl-Ablehnungen verschärft, vor allem für Menschen aus Afghanistan und dem Nordirak. Auch für Äthiopier und Somalier zeichne sich diese Tendenz ab, berichtete sie.

Bildung & Sprache

Das Angebot reicht von Übergangsklassen an Schulen bis hin zur Betreuung von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen, von Deutsch-Einstiegskursen bis zu Angeboten für die Alphabetisierung für Menschen, die bislang nur arabische Buchstaben, nicht aber lateinische, kannten. "Uns allen liegt die Vernetzung der Angebote am Herzen", so Marion Schuller. (san)


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