Vortrag über "Jugendliche online"
„Internet immer hackbar“

Jörg Kabierske sprach im Rathaussaal in Sulzbach-Rosenberg über den Themenkomplex "Jugendliche online". Bild: bmr

"Es gilt, die Möglichkeiten der modernen Medienwelt optimal zu nutzen. Man darf nicht nur die Gefahren bejammern." Klare Worte von Jörg Kabierske. Er referierte vor Eltern, die sich für das Thema "Jugendliche online" interessierten.

Amberg-Sulzbach. Seit zehn Jahren ist Jörg Kabierske (Regensburg) bundesweit mit dem Medien-Sicherheitstraining klicksalat.de unterwegs. Er hat in seinen Vorträgen und Workshops bisher über eine halbe Million Schüler, dazu Tausende von Eltern und Lehrern erreicht. "Vormachen mit Herz und Verstand" lautet sein Motto, denn nichts wirke in der Erziehung nachhaltiger als das Vorbild der Eltern und Lehrer. Zur Veranstaltung im historischen Rathaussaal in Sulzbach-Rosenberg waren vor allem Eltern eingeladen - eine profunde Veranstaltung in Kooperation mit dem Gesundheitsamt und der Hanns-Seidel-Stiftung, die Helmut Christa kurz vorstellte.

Kabierske stellte sich dem komplexen Thema rund um moderne Medien und sagte, dass die "Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit" heute normal sei - per Computer in der Tasche. Wenn dann auf eine gelesene Nachricht nicht umgehend eine Antwort käme, erzeuge dies negative Emotionen. Wenn sich der Nutzer nicht die Freiheit nähme, später zu antworten, führe dies zu Stress.

Die Technik alleine habe auf Kinder und Jugendlichen keine negative Auswirkung, es brauche aber Erwachsene, die sich um die jungen Schützlinge kümmern, so der Referent. Danach blickte er auf die sozialen Netzwerke, deren Szene sich nach dem Einstieg von Pionieren wie Facebook oder Twitter ständig wandle. Bei Fragen nach der Sicherheit müsse die Welt geteilt werden, denn während in Deutschland und Teilen Europas hohe Standards gelten würden, treffe diese Aussage auf den Rest der Kontinente nicht zu.

Soziale Verarmung


Obwohl deutsche Dienste diese Sicherheit im Netz in einem hohen Maß gewährleisteten, würden sie kaum genutzt. Dies könne unter dem Strich zur sozialen Verarmung der User führen. Trotz aller Bemühungen gerade in Europa werde das Internet immer irgendwo Lücken haben und "hackbar" sein. Diese Risiken gelte es zu minimieren, so der Referent.

Schwer zu erkennen


Exemplarisch zeigte Kabierske auf, wie Apple Bilder Geo-lokalisiere und erwähnte die Fingerabdruckdatenbank (freiwillig abgegeben), die Apple mit dem FBI aufbaue. Sicherheit sei auch in anderen Bereichen nicht gewährleistet, so würden beispielsweise gelöschte Bilder zwar von der Bildschirmoberfläche verschwinden, seien aber nicht wirklich weg. Feierabend sei mit der Sicherheit zudem, wenn der Wlan-Router erstmals gehackt worden sei - aber der Nutzer könne diesen Umstand selbst nur sehr schwer erkennen. Der Referent empfahl, zum Schutz vor virtuellen Angriffen mit dem Router offline zu gehen und ihn nicht ständig laufen zu lassen, denn: "Bin ich online, bin ich angreifbar." Hilfreiches dazu gebe es auf den Seiten des Bundesamtes für Datenschutz oder beim Bundesverband der Verbraucherzentrale.

Als nicht sicher deckte der Regensburger das Online-Banking via Smartphone auf. Er ermunterte die Zuhörer, mit dem Geldinstitut einen Höchstbetrag auszuhandeln, der pro Tag abgehoben werden könne, um böse Überraschungen auszuschließen. Je mehr Daten abgegeben und gesammelt würden, desto mehr Einfluss bekomme die "künstliche Intelligenz". So könne irgendwann eine Maschine über Lebensversicherungen oder Kredite entscheiden, mahnte Kabierske.

Mit der Nutzung kostenfreier Apps, etwa Instagram, könnten Fotos hochgeladen und deren Aufnahmeorte lokalisiert werden. Durch diese und andere Kniffe könne das Konsumverhalten des Nutzers eruiert werden. Der Weg führe über die Auswertung der Fitnessarmbänder und ähnlicher Dinge zur kompletten Überwachung.

Diese Trends könnten nicht aufgehalten, aber doch gebremst werden. Eltern riet Kabierske, sich das gleiche Smartphone wie die Kinder zu leisten. Eine sinnvolle Nutzung könne die Schule unterstützen, sollte aber vor allem bei den Eltern Tagesgespräch sein: "Auch wenn wir wenig Lust dafür verspüren und wenig Zeit haben. Da ist die eigene Motivation gefordert." Für den Klassen-Chat bräuchten junge Menschen Regeln, um Konflikte zu verhindern.

Dies sei heute besonders wichtig, denn Kinder würden immer mehr Konfliktlösungen im sozialen Leben verlernen. Gegenteilige Meinungen würden nicht mehr ertragen und das Teamverhalten gehe "kaputt", so die düstere Prognose. Gerade in diesem Bereich seien die Lehrer auf die Mithilfe der Eltern angewiesen. Auch die "Spielekultur" des Internets müsse sich hinterfragen lassen, denn dort bekomme der junge User alle paar Minuten ein Schulterklopfen. Er verlerne so, die Durststrecken im Lebensalltag zu überwinden.

Junge Leute seien oft nicht mehr so leistungswillig. Dem sei am besten mit der Stärkung des Selbstwertgefühls entgegenzuwirken: "Kinder müssen eigene Grenzen erfahren, um mit den Grenzen anderer umgehen zu können."
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