Wiederholungslehrgang für Träger von Chemiekalienschutzanzügen (CSA)
Experten für spezielle Notfälle

Mit Erfolg schlossen 13 aktive Feuerwehrangehörige den fünften Wiederholungslehrgang als CSA-Träger ab. Bilder: hfz (2)
 
In kompletter Ausrüstung: Gut ausgebildete CSA-Träger des Landkreises sollen örtliche Kräfte unterstützen. Bild: hfz

In ihren blauen Schutzanzügen sehen sie aus wie Wesen von einem anderen Planeten. Dabei benötigen sie eine solche Ausrüstung, um für ihre gefährlichen Einsätze gewappnet zu sein: die Chemikalienschutzanzug-Träger (CSA).

Amberg-Sulzbach. Unter Leitung von Kreisbrandmeister (KBM) Alexander Graf (Ursensollen) fanden sich 13 Feuerwehmänner im Gerätehaus der FFW Vilseck zum fünften CSA-Wiederholungslehrgang ein. Acht Ausbilder schulten die Aktiven im Bereich Gefahrgut. Im großen Spektrum des Feuerwehrdienstes gehören, neben Brand- und Unfallszenarien, Gefahrguteinsätze zu den eher selteneren, aber wohl anspruchvollsten. Sie verlangen von den Aktiven enorme Vorkenntnisse zur Stofferkennung sowie körperliche Ausdauer und Geschicklichkeit. Um im Ernstfall gerüstet zu sein, schult der Landkreis Spezialkräfte, eine Landkreisreserve, die im Einsatzfall die örtlichen Kräfte unterstützt.

Nach einer erfolgreichen CSA-Grundausbildung frischen diese Aktiven bei jährlichen Wiederholungslehrgängen ihr Wissen auf. 13 CSA-Träger aus den Wehren Haselmühl, Neukirchen, Röckenricht, Sigl, Ebermannsdorf und Königstein fanden sich ein. Fachbereichsleiter Graf und KBM Christof Strobl (Vilseck) eröffneten den Lehrgang. Ein Unterricht zum Thema "Brennbare Flüssigkeiten" stimmte die Wehrmänner auf die Schwierigkeiten und Gefahren im Umgang mit gefährlichen Stoffen ein. Am Gerätewagen Gefahrgut der FFW Amberg bekamen die Teilnehmer durch Oberlöschmeister (OLM) Michael Werner eine Einweisung an Gerätschaften, die im Ernstfall zum Einsatz kommen können. Gefahrstoffumfüllpumpen wurden aufgebaut, Edelstahl-Behältnisse errichtet und Messgeräte vorgestellt.

Später verlegte man zum Vilsecker Kläranlagengelände. Beim Übungsparcours galt es, verschiedene Stationen unter schwerem CSA zu bewältigen. Zunächst ging es um das richtigem Anlegen der Schutzkleidung. Bei Station zwei waren Stoff und Gefahren zu erkunden. Durch die eingeschränkte Sicht im Vollschutzanzug eine nicht einfache Aufgabe, die Symbole und UN-Nummern zu lesen, zu erkennen und weiterzugeben. Station drei war der Geschicklichkeit gewidmet. An einer Übungsleitung musste mit Hilfe von Schrauben und Muttern ein Schieber ausgetauscht werden. An Station vier galt es, das Auslaufen und Ausbreiten einer unbekannten Flüssigkeit zu verhindern. Diese ergoss sich aus einem undichten Container auf einem Lkw. Dazu musste eine säurebeständige Plane untergezogen werden. An der letzten Station wurde mittels Handmembranpumpe eine angenommene gefährliche Flüssigkeit von einem Fass in ein anderes gepumpt.

Zur Schlussbesprechung fanden sich Ausbilder und Teilnehmer wieder im Gerätehaus ein. Lehrgangsleiter Graf zeigte sich zufrieden mit der abgelegten Leistung. Mit dieser Ausbildung sei man dem Ziel, im Landkreis flächendeckend Spezialkräfte einzusetzen, wieder einen Schritt näher gekommen.

Kreisbrandrat Fredi Weiß dankte Graf, stellvertretend für die Fachbereiche Gefahrgut und Atemschutz, für die vorbildliche Arbeit: "Eine Einheit dieser Art und Struktur ist bisher in Bayern einmalig, andere Landkreise beneiden uns darum", so Weiß.

Hintergrund2006 wurde durch Kreisbrandmeister Alexander Graf aus Ursensollen (zuständig für die Gemeinden Hohenburg, Ursensollen, Kastl) der Fachbereich Gefahrgut des Kreisfeuerwehrverbandes wiederbelebt. Vom damaligen Kreisbrandrat Franz Iberer wurde Graf zum Fachkreisbrandmeister Gefahrgut berufen. Unterstützt durch die Ausbilder Christian Gräßmann (Schnaittenbach), Markus Held (Auerbach), Jochen Sandig (Rosenberg), Andreas Färber (Haag) und Kreisbrandmeister Hans Sperber (Achtel) wurde ein System erarbeitet, das eine einheitliche Ausbildung im Landkreis vorsieht. Seit 2012 bieten die Fachbereiche Gefahrgut und Atemschutz eine Ausbildung als Chemikalienschutzanzug-Träger (CSA) an. Diese wird bei jährlichen Wiederholungslehrgängen aufgefrischt. Derzeit kann der Landkreis auf 77 ausgebildete CSA-Träger zurückgreifen. Sie sollen als "Landkreisreserve" im Ernstfall örtliche Kräfte unterstützen und ablösen, wenn längere Einsätze zu bewältigen sind. Die CSA-Träger rekrutieren sich aus den verschiedenen Feuerwehren des Landkreises. Die Planung einer gezielte Alarmierung der Kräfte über Funkmeldeempfänger geht zurzeit in die Endphase. Über zwei Alarmschleifen Nord und Süd sollen die Aktiven Mitte des Jahres über die Leitstelle zum jeweiligen Einsatzort gerufen werden. 2016 sind ein weiterer CSA-Wiederholungslehrgang und zwei Grundlehrgänge in Rosenberg angesetzt. Die Stärke der CSA-Landkreisreserve wird dann 100 Einsatzkräfte erreichen. (ben)
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