AELF-Leiter Willibald Götz geht in Ruhestand
"Er war das Gesicht des Amtes"

Für das Foto zur Amtsübergabe nach fast drei Stunden Feierlichkeiten und Festansprachen standen dann auch einmal die Frauen im Mittelpunkt (von links): Ministerialdirektor Hubert Bittlmayer, der neue AELF-Leiter Wolfhard-Rüdiger Wicht, seine Lebensgefährtin Elisabeth Utz, Theresia Götz und der scheidende Amtsleiter Willibald Götz. Bild: Hartl
 
Sie waren nie ein bayerischer Löwe, der brüllt. Sie waren immer einer, der kämpft.

Die Redner beschworen das Bild vom Bauern herauf, der in den Austrag geht. Auch von "Papa Götz" hörte man, dem stets das Wohlergehen aller am Herzen lag. Sämtliche Beiträge zeigten aber die Wertschätzung, die Willibald Götz bei jedem genoss, der mit ihm zu tun hatte.

Amberg-Sulzbach. Zur Verabschiedung von Götz (65) als Leiter des Amberger Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, gleichzeitig die Einführung für seinen Nachfolger Wolfhard-Rüdiger Wicht (60), kamen so viele Gäste in das Amt, dass Forstdirektor Richard Schecklmann mehr als 15 Minuten brauchte, um nur die wichtigsten von ihnen namentlich zu begrüßen.

Schecklmann, ein langjähriger Weggefährte von Götz, meinte im Rückblick: "Er war das Gesicht des Amtes." Als Leiter der Gesamtbehörde habe er den Förstern immer den notwendigen Spielraum gelassen.

Nie eingemischt


Die Abschiedsrede von Götz ging nicht ohne die obligatorischen Dankesworte an Mitarbeiter, Kollegen, das Ministerium und die Kooperationspartner ab. Doch auch "in eigener Sache" wurde Götz in Anwesenheit seiner beiden Töchter und der beiden Enkel deutlich: "Meiner Familie schulde ich großen Dank, den ich heute öffentlich zum Ausdruck bringen möchte. Besonders meiner Frau Theresia, die sich nie in meine Angelegenheiten einmischte, die ich aber als kritische Beraterin schätze. Sie hat immer Verständnis aufgebracht, wenn am Abend oder am Wochenende private Wünsche aufgrund dienstlicher Zwänge zurückgestellt werden mussten." Seinem Nachfolger Wolfhard-Rüdiger Wicht legte Götz ans Herz: "Lass die engagierte Belegschaft weiter arbeiten. Du wirst damit gute Erfahrungen machen."

Der Angesprochene skizzierte seine Vorstellungen als neuer Amtsleiter: Er werde zunächst "zuhören, Fragen stellen und lernen". Er wolle die Menschen ebenso kennenlernen wie ihre Vorstellungen und Befindlichkeiten. Denn er sei überzeugt: "Zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital des Amtes."

Als inhaltliche Schwerpunkte nannte er im Forstbereich neben dem Waldumbau die abzusehende Borkenkäferproblematik, "die sich mit Sicherheit verstärken wird". In der Landwirtschaft habe der Schutz des Grundwassers Priorität, "und auch beim Aufbau der Ökomodellregion engagieren wir uns gerne".

Der Amberger Bürgermeister Martin Preuß, der in der AZ gelesen hatte, Wicht sei der Abschied aus der "Wohlfühloase Neunburg" nicht leicht gefallen, hieß ihn mit den Worten willkommen: "Sie haben mit Ihrem Wechsel nach Amberg sicher keinen Fehler gemacht. Sie haben hier die Vorstufe zum Paradies erreicht."

Zitate zu Götz
"Ich sehe schon, Herr Götz, Ihre Frau lacht, wenn ich von der 40-Stunden-Woche rede." Harald Schwartz, Abgeordneter

"Es war immer schön, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, auch in Ihrem Ehrenamt bei der Feuerwehr." Reinhold Strobl, Abgeordneter

"Humor war und ist ihm wichtig." Martin Strobl, Personalratsvorsitzender

"Man merkte ihm an, dass er sein Wissen gerne an die Schüler weitergab." Dieter Dehling, Vorsitzender VlF

"Du hast dich nicht im Amt verkrochen, du warst immer draußen bei den Bauern." Franz Birkl, stellvertretender Landrat

"Wir haben ja die Ausbildung miteinander gemacht, deshalb weiß ich: Du hast nie deine Wurzeln verloren." Franz Kustner, BBV-Bezirkspräsident

Speerspitze der Agrarpolitik

Den Herzog von Bayern, den er am Vorabend getroffen hatte, nutzte Ministerialdirektor Hubert Bittlmayer, der Amtschef des Landwirtschaftsministeriums, als Ideengeber für seinen Wunsch zum Chefwechsel im Amberger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF): "Der Neue soll es anders machen, aber das Ergebnis soll das gleiche sein."

Bittlmayer betonte, Willibald Götz habe für Führungsqualität gestanden - und für einen respektvollen Umgang mit seinen Gesprächspartnern. "Sie waren nie ein bayerischer Löwe, der brüllt. Sie waren immer einer, der kämpft", fasste er diese Eigenschaften des Neu-Ruheständlers zusammen. Auch Wolfhard-Rüdiger Wicht werde von seinen Mitarbeitern geschätzt. Er ist laut Bittlmayer "ein ruhender Pol, verlässlich und auf Ausgleich bedacht". Der gebürtige Erlanger wuchs in München auf und war nach Stationen in der Forstverwaltung in Oberbayern, Schwaben und Burglengenfeld von 1993 bis 2001 schon einmal als stellvertretender Forstamtsleiter in Amberg.

Sie waren nie ein bayerischer Löwe, der brüllt. Sie waren immer einer, der kämpft.Ministerialdirektor Hubert Bittlmayer über Willibald Götz

Als der Ministerialdirektor die Aufgaben der AELF beschrieb, verzichtete er aber auf Anregungen des Herzogs. "Wir sind Dienstleister, nicht Hoheiten", machte er die Ausrichtung der Behörde deutlich. Und die Landwirtschaftsämter seien ein wichtiges Gesicht des Staates: "Sie bestimmen, wie eine Verwaltung vor Ort auf die Bürger wirkt." In der Umsetzung allerdings sei ein AELF "Speerspitze der Agrarpolitik".

Die Landwirte in Bayern dürften durchaus stolz auf ihre Leistungen sein und angesichts einer schwierigen öffentlichen Diskussion auch hervorheben: "Vieles, was wir machen, ist sehr gut." Dem bayerischen Weg der Landwirtschaft treu zu bleiben, bedeute, an bäuerlichen Werten festzuhalten - "am Erhalten des Betriebs, der Substanz, zum Weitergeben an die nächste Generation, verankert in der Region, engagiert in Ehrenämtern". Man müsse aber auch in die Gesellschaft hinein aufklären: "Wenn wir Land- und Forstwirte untereinander sitzen und uns die Welt erklären, dann ist das zu wenig. Wir müssen nach außen wirken."
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