BDM-Vertreter von Beschlüssen der Länder-Agrarminister positiv überrascht
Hoffnungsschimmer für die Milch

Nicht nur die Kuh "Faironika", sondern auch die "faire Milch", die das schwarz-rot-goldene Rind ziert, haben die Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) immer dabei. "Das ist die einzige, bei der wirklich 45 Cent beim Bauern ankommen", sagen sie. Von links: Helmut Graf, Manfred Bauer, Robert Graf und Manfred Albersdörfer. Bild: Hartl

Amberg-Sulzbach. Ihr Erfolg hat sie selbst etwas erschüttert. Erstmals haben die Agrarminister der Länder genau den Beschluss gefasst, den der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter immer gefordert hat. Noch aber trauen Helmut Graf und seine Mitstreiter dem Braten nicht ganz.

Fünf Milchbauern aus dem Landkreis waren unter den Demonstranten in Göhren-Lebbin (Mecklenburg-Vorpommern), die den Länder-Agrarministern die miese Situation auf dem Milchmarkt nahebringen wollten. Der spuckt im Norden nur noch 21 Cent für das Kilo Milch aus. Die Betriebe, die dort leicht auf 1000 Kühe und mehr kommen, reagieren mit der Entlassung von Arbeitskräften. Oder sie sperren gleich zu.

Nur noch 26 Cent


BDM-Kreissprecher Helmut Graf und seine drei Kollegen erzählen beim Pressegespräch von einem Grundpreis von 26,50 Cent in unserer Region. Mit Zuschlägen komme man vielleicht auf 28 Cent. Die Gestehungskosten liegen aber weit jenseits von 40 Cent. "Mehr als ein Drittel davon ist inzwischen durch den Preis nicht mehr gedeckt", sagt Graf. Und die neuen Abschlüsse mit dem Handel sollen die Abwärtsspirale noch weiter drehen. Pro Tüte wolle der zehn Cent weniger zahlen, hat Manfred Albersdörfer gehört. Wahrscheinlich werde er damit auch Erfolg haben, vermutet Manfred Bauer, "weil sich die Molkereien alle unterbieten".

Diese Situation kommt nicht überraschend. Ein Jahr nach dem Auslaufen der Milchquote in Europa liegt die Milchmenge in Deutschland um 4 Prozent höher als zu Quoten-Zeiten. In Österreich sind es sogar 13 Prozent. "Und jetzt kommt das frische Futter, das gibt noch einmal mehr Milch", sagt Helmut Graf.

Aus der Sicht der BDM-Leute ist es nichts geworden mit dem "soft landing" - der Hoffnung, durch steigenden Export nach dem Auslaufen der Quote den Preis zu stabilisieren. Die Ausfuhr nach Russland verhindert das Embargo, und der Chinese taugt auch nicht als Retter des Marktes. Der schaue sich jetzt lieber an, wie das in Europa läuft, vermutet Manfred Bauer - "dann macht er das nach, und in zehn Jahren überliefert er selber". Die Export-Fantasien waren den BDM-Leuten ohnehin nie geheuer. "Da verdient nur die Industrie dabei", findet Manfred Albersdörfer. Die wolle mit billiger Milch den Weltmarkt erobern und mache doch nur mit Dumping-Preisen die lokalen Märkte kaputt.

Alles nicht wirklich neu. Seit Jahren warnt der BDM vor diesen Entwicklungen. Doch in der Agrarpolitik fand sich keine Mehrheit für sein Konzept der flexiblen Mengensteuerung, das diejenigen bestraft, die zu viel Milch liefern, und so Angebot und Nachfrage auf einem höheren Niveau zusammenführen will. Dieses Mal aber haben die deutschen Länderagrarminister beschlossen, dass Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Mittel bereitstellen (oder bei der EU einwerben) soll, um über staatliche Anreize die Landwirte zu einer freiwilligen Drosselung ihrer Milchproduktion zu bringen.

Graf und Co haben mehrere Erklärungen für diese Kehrtwende: den Einfluss grüner Agrarminister ("die haben das Ohr mehr an der Basis als die schwarzen"), das mittlerweile völlige Fehlen eines Alternativkonzepts und die desolate Lage vieler Höfe. Selbst der bayerische Ressortchef Helmut Brunner habe jetzt für den neuen Kurs gestimmt, "weil er sieht, dass sonst viele Bauernhöfe aufgeben müssen".

Die BDM-Vertreter betrachten die Beschlüsse von Göhren-Lebbin als ersten Schritt in die richtige Richtung, befüchten aber, "dass die anderen das alles zerreden", wie es Robert Graf formuliert. Die "anderen" sind Bauernverband, Raiffeisenverband oder die Milchindustrie, die ihre Ablehnung bereits öffentlich gemacht haben. Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat durchblicken lassen, dass er ob der Erfolgsaussichten skeptisch ist. Vonseiten des BDM will man ihm deshalb genau auf die Finger schauen, ob er den Auftrag der Konferenz ernsthaft umzusetzen versucht.

Verbraucher profitiert nicht


Die Ablehnung des neuen Ansatzes durch Molkereien oder den Einzelhandel wundert Robert Graf nicht. Die verdienten in der aktuellen Situation ganz gut. "Bayernland steckt pro Liter 16 Cent ein", weiß Helmut Graf. Der Verbraucher auf der anderen Seite profitiere nicht vom sinkenden Milchpreis, den die Bauern erhalten: "Der zahlt auch nicht weniger."
Andere Branchen lachen über uns, weil wir die Milchmenge nicht in den Griff kriegen.Robert Graf


A- und B-PreisDie BDM-Aktivisten befürchten eine weitere Verschlechterung: Bisher haben Bauern gegenüber ihren Molkereien die Andienungspflicht - sie müssen ihnen jeden produzierten Liter abliefern. Molkereien haben die Abnahmepflicht - sie müssen alles abnehmen und zahlen einen einheitlichen Preis. Jetzt deuteten erste Molkereien an, das müsse nicht so bleiben. Dann würde nicht mehr alles abgeholt oder es gäbe für einen Teil der Milch einen A-Preis, für den Rest einen (niedrigeren) B-Preis. Solche Systeme gebe es bereits in Europa.
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