Hotel- und Gaststättenverband fordert staatliche Unterstützung
Wirthaussterben muss enden

Die Stühle im Gastraum sind hochgestellt: Dieses Schicksal ereilte schon viele Lokale auf den Dörfern. Ihr Sterben war Thema bei Dehoga. Bild: Hartl

Das Sterben der Gasthäuser auf dem Land geht weiter. Man muss nicht unbedingt regelmäßiger Besucher sein, um sich eine Kehrtwende zu wünschen. Denn ein Wirtshaus im Dorf ist oft gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt, für den sich auch der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bei seiner Delegiertenkonferenz stark machte.

Illschwang. Tourismus ist nicht alles, aber aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung funktioniert die ländliche Entwicklung ohne Fremdenverkehr nicht, betonte Bayerns Dehoga-Präsident Ulrich Brandl bei der Oberpfälzer Bezirkstagung im Gasthof "Zum Weißen Roß" in Illschwang. Deshalb müssten "weiße Flecken" auf dieser Karte entsprechend staatlich unterstützt werden.

Land nicht vergessen


Metropolregionen wie München, Nürnberg und Regensburg seien wichtig, darüber hinaus dürfe aber der ländliche Raum nicht vergessen werden. Denn auch dieser ist laut Brandl in der Lage, wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell einiges zu bieten. Auf der anderen Seite brauche eine Gesellschaft Leuchttürme, denn andere Städte und Gemeinden würden nach dem Motto "Das können wir auch" versuchen, ebenfalls erfolgreich Projekte durchzuziehen.

Dagegen machen immer mehr gesetzliche Auflagen dem Tourismus und der Gastronomie das Leben unnötig schwer, bedauerte der Präsident und machte deutlich: Die Betriebe sind bereit, diese zu 100 Prozent zu erfüllen, der Gesetzgeber müsse aber dafür sorgen, dass diese Bestimmungen nicht durch internationale Organisationen unterlaufen werden. Denn so hätten einheimische Betriebe keine Chance, im Wettbewerb zu bestehen. Verbesserungen forderte der Referent bei der vorgeschlagenen Änderung der Erbschaftssteuer ein, da ansonsten die Nachfolgeregelung in Betrieben erheblich erschwert werde. Was die Arbeitszeit betrifft, so wolle der Hotel- und Gaststättenverband keine Erhöhung, sondern eine Flexibilisierung, die sich an den veränderten Wünschen der Kunden und der Beschäftigten orientiere.

Um den Fremdenverkehr erfolgreicher zu gestalten, sollten gastronomische Betriebe, staatliche Einrichtungen und die Städte und Gemeinden nicht allein handeln, sondern die Aufgaben bündeln und gemeinsam Tourismuspolitik betreiben unter der Marke "Bayern", die international stark beachtet sei. Einen positiven Rückblick auf 2015 warf der Vorsitzende des Tourismusverbandes Ostbayern, Dr. Michael Braun. Sollten sich die Übernachtungszahlen der Monate Januar und Februar 2016 fortsetzen, so sei für heuer mit einer positiven Bilanz zu rechnen. Über das Spannungsfeld zwischen der EU, Deutschland, Bayern, dem ländlichen Bereich und den damit verbundenen Problemen referierte der Staatssekretär im bayerischen Finanzministerium, Albert Füracker.

Der wiedergewählte Bezirksvorsitzende Hans-Jürgen Nägerl, Illschwangs Bürgermeister Dieter Dehling und stellvertretender Landrat Franz Birkl rückten die zahlreichen Arbeitsplätze der Branche in den Blick, die entsprechend staatlich gefördert werden müsse. Nägerl blendete in seinem Bericht auf verschiedene Aktionen in der vergangenen Wahlperiode zurück. Dazu gehörten Infoveranstaltungen, die Ausbildungsoffensive, eine Großdemo in München und eine Trend-Tour in Obergurgl (Tirol) im Ötztal.

Nachfolge oft ein Problem


Leider geht nach seinen Worten das Sterben von Gasthäusern auch in der Region weiter, wobei es neben verschärften gesetzlichen Auflagen oft auch das Problem gebe, dass Wirts-Eltern keinen Nachfolger oder Pächter fänden. Damit gehe in Dörfern und Gemeinden ein Stück kultureller Vielfalt und Gemütlichkeit verloren.
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