Kreisverband des Bundes deutscher Milcherzeuger nimmt BBV und CSU ins Visier – Vorsitzender ...
„Schuld bei Molkereien und ihren Geschäftsführern“

"CSU und BBV lassen die Landwirte ins offene Messer laufen." Zitat: Helmut Graf, Kreisvorsitzender des Bundes deutscher Milchviehhalter

Amberg-Sulzbach. Eine Breitseite feuert der Kreisverband des Bundes deutscher Milchviehhalter (BDM) gegen den Bayerischen Bauernverband (BBV) und dessen Oberpfälzer Bezirkspräsidenten Franz Kustner sowie mehrere CSU-Abgeordnete. BDM-Kreisvorsitzender Helmut Graf (Lengenfeld) bezieht sich in einem Schreiben an unsere Zeitung auf einen Artikel, der am 25. August unter dem Titel "Landwirten geht's zu langsam" hier erschienen ist. Berichtet wurde darin über eine Inforunde, die sich mit den aktuellen Sorgen und Nöten der Bauern beschäftigte. Der Schluss, den Graf daraus zog, lautet: "CSU und BBV lassen die Landwirte ins offene Messer laufen."

Ernste Lage auf den Höfen


Angesichts des "größten Strukturbruchs in der Landwirtschaft seit Kriegsende" könne er, so Graf, nur den Kopf schütteln. Es sei schon sehr bemerkenswert, wenn den Teilnehmern der Runde "angeblich erst jetzt bewusst geworden sei, wie ernst die Lage auf den Höfen wirklich ist". Dabei spiele es keine Rolle, ob man den Fokus auf Milch-, Ferkel-, Fleisch- oder Ackerfrucht-Erzeuger richte.

Beispielsweise sei dem Bundestagsabgeordneten Alois Karl das Problem "Milch" seit Jahren schon bewusst, erinnert Graf an den Vorfall, als dieser einst einer Milchbäuerin eine Ohrfeige verpasst habe. Und zur Sachargumentation ergänzt der Sprecher, dass die in den 80er Jahren eingeführte Milchquote durchaus zu einer "praktikablen Marktsteuerung" geführt hätte, "wenn sie nicht unterwandert worden wäre". Schließlich sei das eigentliche Problem die Überproduktion bei der Milch. Die Schuld daran trügen der BBV und dessen "sogenannte Experten".

Korrekt am Markt verhalten


Dies jetzt den größten Discountern zum Vorwurf zu machen, sei nicht nachvollziehbar. Schließlich hätten diese sich "absolut korrekt am Markt verhalten". Verantwortlich für die Fehlentwicklungen seien die Molkereien und deren Geschäftsführer, "die sich gegenseitig unterbieten". Und weiter: "Es nützt keinem Herrn Kustner und keinem Herrn Bayerl von der BBV-Geschäftsstelle etwas, wenn sie sich vor irgendeinen Lebensmittelmarkt, wie zuletzt bei Lidl, vor dem Marktleiter ausheulen, nachdem die Forderungen mancher Discounter nach immer höheren Standards einzuhalten sind. Das ist für mich nur ein Zeichen einer verfahrenen Politik dieser unserer Berufsvertretung."

Solange ein Überangebot auf dem Markt vorhanden sei, solange könne man die Stellschrauben nach oben drehen und den Preis nach unten bringen. Kustner, der schon Jahrzehnte als Molkereivorstand agiere, hätte wissen müssen, was Markt bedeute - mit all seinen Vor- und Nachteilen. Stattdessen werde jetzt alles auf das Russland-Embargo geschoben und es sollten neue Märkte erschlossen werden - alles nur um vom eigentlichen Problem abzulenken: dem Überangebot an Milch. Graf dazu wörtlich: "Diese Rechnung geht nicht auf. Täglich wird Geld auf den Höfen verbrannt; Geld, das fehlt, um liquide zu bleiben." Den Milcherzeugern fehlten jährlich über vier Milliarden Euro. Dies könne nicht einfach mit ein paar 100 Millionen Euro nach dem Gießkannenprinzip wieder gutgemacht werden.

Ohne spürbare Wirkung


Der BDM-Kreisvorsitzende hält dem BBV vor, Mittel von Steuerzahlern zu fordern "für den Mist, den unsere Politik mit all ihrer Klientel verursacht". Dies seien Gelder, "die ganz einfach verpuffen, ohne überhaupt eine spürbare Wirkung zu erzielen". Das Problem permanenter Überproduktion werde so nicht angegangen oder gar bewältigt. Welcher wirksame Weg zu beschreiten sei, habe der BDM mit seinem Marktkrisen-Managementprogramm aufgezeigt.

Statt diesem zu folgen, lieferten die Milchbauern, den BBV-Vorschlägen gehorchend, "täglich schön brav die Milch weiter ab". Sie hofften weiter sechs Wochen auf ihr Milchgeld, das übrig bleibe, wenn alle anderen ihre Margen eingeheimst hätten. Dann nämlich, "wenn unsere Milch in veredelter Form am Markt im so hochgelobten Exportmarkt verramscht wurde". Die Bauern seien noch nicht am Markt angekommen. Märkte müsse man steuern - und zwar selbst. Das hätten BBV-Funktionäre noch immer nicht begriffen.

Neuerdings sei jedoch gar Europaabgeordneter Albert Deß von ganz alleine zu dem Entschluss gekommen, dass man die Mengen reduzieren müsse: "Vor einem halben Jahr hat er noch ganz anders geredet", poltert Graf, "da wurden wir vom BDM noch als Traumtänzer betitelt." Selbst der neue AELF-Chef Wolfhard-Rüdiger Wicht habe ihm, Graf, und seinem Vorstandsgremium die Wirkung einer Mengenreduzierung in Krisenzeiten bestätigt. Und Josef Schmidt vom Landwirtschaftsamt habe ironisch gemeint, der BDM solle wieder einen Milchstreik organisieren.

"Diesen Gefallen werden wir ihm bestimmt nicht tun", findet Kreisvorsitzender Graf zum Ende klare Worte.

CSU und BBV lassen die Landwirte ins offene Messer laufen.Helmut Graf, Kreisvorsitzender des Bundes deutscher Milchviehhalter
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